Archiv




Digitalpiano-Typen im Vergleich


Wortspiele mit Tasten


 


Kennen Sie den Unterschied zwischen Home-, Ensemble- und Stagepiano? Und wissen Sie, warum Kompakt- und Stagepiano verschiedene Dinge sind? Wenn nicht, hilft Ihnen dieser Beitrag, den Durchblick bei solchen und ähnlichen Wortspielen zu behalten.


Babylonische Sprachverwirrung allerorten: Die einen reden vom E-Piano, wenn es um eine wie immer geartete elektronische Alter­native zum akustischen Klavier geht. Die anderen meinen mit E-Piano dagegen stil­prägende Vertreter dieses Genres wie Fender Rhodes, Wurlitzer EP200, Clavinet D6, Hohner oder Yamaha DX7. In diesem Sinn wird der Begriff auch in Tastenwelt gebraucht – so z.B. im Sound-Workshop, der den E-Piano-Klassikern mit elektromagnetischer oder synthetischer Klangerzeugung (wie der Frequenzmodu­lation) gewidmet ist.


Im Top-Thema dieser Ausgabe geht es aber um Digitalpianos, deren Klanger­zeu­gung auf Samples beruht – aufgenommenen und reproduzierten Klavier- und Flügel­klän­gen also. Im Gegensatz zum akustischen muss das digitale Instrument nie gestimmt werden. Es lässt sich über Kopf­hörer spielen und leichter transportieren, weil es zerlegbar ist. Digitalpianos werden in verschiedenen Varianten angeboten, die wir Ihnen im Folgenden kurz vorstellen.


Homepianos: Viel Holz und satter Raumklang


Mit Homepiano ist ein digitales Stand­piano gemeint, das ein akustisches Klavier ersetzen soll. Es verfügt über eine kleine Auswahl an akustischen und elektrischen Klaviersounds, die durch weitere Tasten­instrumente und Hintergrund-taugliche Layer­sounds wie Strings oder Chöre ergänzt werden. Besonders praktisch: Der eingebaute MIDI-Recorder (Sequencer) erlaubt das Aufnehmen des eigenen Spiels auf Knopfdruck. Effekte wie Hall oder Cho­rus veredeln den Klang, der sich auch elementar editieren lässt (Transpose, Tu­ning, Stimmungen). Typisch für diese Instru­mentengattung sind eine 88er-Tastatur mit simu­lierter Hammermechanik und ein Holz­gehäuse mit einem mehr oder weniger auf Raumklang getrimmten Lautsprecher­system. Je nach Gehäuse wiegen solche Instrumente bis zu 80 kg. Der Korpus aus Holzimitat (bei den teureren Modellen auch Echtholz) ist gleichzeitig Möbel­stück, das Bedienfeld dezent gehalten, da es das Wohnambiente nicht „technisieren“ soll. Zu den Homepianos gehören auch einige wenige Modelle mit wohltuend modernem Design wie bei der Modus-Serie von Yamaha – eine längst fällige Ant­wort auf das recht konservative Outfit der meisten Homepiano-Modelle.


Produktfamilien: Casio AP-Serie, GEM RP-Serie, Kawai CA- und CN-Serie, Korg C-Serie, Kurzweil Mark-Serie, Ro­land HP- und HPi-Serie, Yamaha CLP-und Mo­dus-Serie


Ensemblepianos: Klavier mit Begleitung


Diese auch Digitalensembles genannten Instrumente sind Homepianos mit erweiterten Möglichkeiten. Dazu gehören eine stark erweiterte Klangpalette und eine Begleitautomatik. Gehäuse, Lautsprecher­system und Tastatur weisen das Ensemble als Homepiano aus, während die übrige Ausstattung inklusive Bedienfeld oft einem Arranger-Keyboard entspricht. Häufig sind Ensemblepianos auch mit umfangreichen Lernfunktionen ausgestattet, die das Wirken eines qualifizierten Klavierlehrers zwar nicht ersetzen aber unterstützen können. Ensemble-Käufer möchten in der Regel mehr als „nur“ Klavier spielen. Beispiel: Ein Mikrofonanschluss mit nachgeschaltetem Harmonizer macht aus einer Gesangs­stimme einen ganzen Chor. Zudem lassen sich die Instrumente vielfältig mit Internet, PC und Beamer vernetzen. So lässt sich etwa eine digitale Diashow mit Klavier­be­gleitung inszenieren.


Produktfamilien: Casio AP-Serie, GEM PS- und Genesys-Serie, Kawai CP-Serie, Kurzweil Mark-Serie, Roland KR-Serie, Yamaha CVP-Serie


Digitalflügel: Spielen mit S-Klasse-Feeling


Home- bzw. Ensemblepianos. Aufbauend auf den Spitzenmodellen der Standpianos finden sich hier Modelle vom Kurzflügel bis zu einer Instrumententiefe von stattlichen 1,50 m. Im Inneren finden aufwändige Lautsprechersysteme ihren Platz. Für eine solche Ausstattung kann man allerdings weit über 10.000 Euro auf den Tisch des Hauses legen. Aktuelle Modelle gibt es von allen Herstellern unserer Übersicht außer Casio, darunter auch viele Varianten mit Begleitautomatik und anderen Zusatz­funktionen. Eine Besonderheit ist dabei der Kawai-Flügel DP1, der mit einem auf Linux basierenden Betriebssystem und Audio-Streaming, einem permanenten Daten­fluss von der integrierten Festplatte arbeitet. Eine andere Besonderheit ist der Yamaha GranTouch GT2, der eine komplette Flügeltastatur mit digitaler Klang­er­zeugung kombiniert, die allerdings bereits etwas in die Jahre gekommen ist. Ein Nach­folger ist noch nicht in Sicht.


Produktfamilien: GEM GRP- und Genesys-Serie, Kawai DP-Serie, Ketron DG-Serie, Kurzweil Mark-Serie, Roland KR- und RG-Serie, Yamaha CLP- und CGP-Serie


Kompaktpianos: Für alle und überall


pianos an, um Pianisten mit schmalem Geld­beutel oder begrenztem Wohnraum zu erreichen. Durch ihr geringes Gewicht (oft unter 20 kg) und ihre schlanken Maße (Spieltischtiefe unter 30 cm) sind diese Instrumente besonders leicht zu platzieren und zu verstauen. Auf eine Rückwand und repräsentativ breite Seitenteile muss man dagegen verzichten. Viel Raumklang darf man von den Kompakten nicht erwarten, da sich der Klang über die in den Spieltisch eingebauten Laut­sprecher entfaltet – so wie man das auch von einem Arranger-Keyboard kennt. Technisch sind die Kompakten den Home­pianos der Einsteigerklasse verwandt – aller­dings finden sich auch vereinzelt Ensem­blepianos wie das Casio Privia PX-410R. Die Gruppe der Kompaktpianos geht fließend über in die Gruppe der Portable Pianos, zu denen oft auch ein optionaler Unterbau erhältlich ist. Für die Markt­übersicht ab Seite 30 haben wir hier die Grenze gezogen und nur In­strumente mit aufgenommen, deren Unter­bau im Kaufpreis enthalten ist.


Produktfamilien: Casio Privia-Serie, GEM PRP-Serie, Kawai ES-Serie, Roland FP-Serie, Yamaha DGX- und P-Serie


Stagepianos: Bühnenreife Ausstattung


Das Stagepiano ist, wie der Name vermuten lässt, für die Bühne konzipiert. Es besitzt in der Regel keine eigenen Laut­spre­cher, falls doch, sind diese nur für Monitor­zwecke gedacht. Stagepianos versuchen, den Spagat zwischen guter Klaviatur, Ro­bust­heit, Masterkeyboard-Funktionali­tät und guter Transportierbarkeit zu schaffen. Das Stagepiano ist das angesagte Digital­piano für den Live-Musiker, der bei der Kauf­ent­scheidung auch berücksichtigen muss, ob er nun eher eine ausgeprägt pianistische Tas­tatur (z.B. Holz­tasta­tur eines Kawai MP8 II) oder eine moderater gewichtete Tas­ta­tur (z.B. Kawai MP5) bevor­zugt, die auch dem Spielen von Synthe­sizer- oder Orgel­sounds entgegenkommt.


Produktfamilien: Kawai MP-Serie, Ketron GP-Serie, Korg SP-Serie, Kurzweil SP- und PC-Serie, Roland RD-Serie, Ya­ma­ha CP-Serie



Leserkommentare

Einen Kommentar schreiben



Die aktuelle Tastenwelt jetzt bestellen



© 2005-2011 Tastenwelt - ein Magazin der PPVMEDIEN GmbH - Impressum