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Pianomania (Kinostart: 9. September 2010) ist ein Film über Perfektion, Liebe zur Musik und ein kleines bisschen Wahnsinn. „Der Ton atmet nicht“, „das Instrument braucht mehr Magie“ – Sätze wie diese hört Stefan Knüpfer, der Cheftechniker und Meisterstimmer von Steinway & Sons, jeden Tag. Er arbeitet mit den besten Pianisten der Welt zusammen. Und wenn sich Alfred Brendel, Lang Lang oder Pierre-Laurent Aimard an den Flügel setzen, muss alles perfekt sein, bis auf die winzigste Tonnuance. Denn jedes Klavier hat seine eigene Persönlichkeit, jedes Stück verlangt nach einer eigenen Klangfarbe, und jede Interpretation hat ein besonderes Temperament.
Pianomania nimmt den Zuschauer mit auf eine humorvolle Reise in die Welt der Töne und begleitet Stefan Knüpfer bei seiner Arbeit mit den weltberühmten Pianisten. Das richtige Instrument passend zur Vision des Virtuosen zu finden, zu vervollkommnen und auf die Bühne zu schaffen – diese ungewöhnliche Arbeit fordert Nerven aus Stahl, Leidenschaft und die Fähigkeit, Worte in Töne übertragen zu können.
Was hat Sie bewogen, einen Dokumentarfilm über Klaviermusik zu machen?
Robert Cibis
Ich komme aus einer Musikerfamilie und mein Bruder Paul Cibis verdient seinen Lebensunterhalt als Pianist. Durch ihn habe ich einen direkten Zugang zu seiner Welt. Schon immer bin ich ein interessierter Beobachter der Berufspianisten gewesen. Doch erst seitdem ich Regisseur bin, kann ich die künstlerische Hingabe der Pianisten von innen heraus begreifen. Denn das Filmemachen hat eine vergleichbare Leidenschaft in mir entfacht. Stefan Knüpfer kenne ich schon lange, denn er ist der Klavierstimmer meines Bruders, der inzwischen in London und Berlin lebt. Sein alter Flügel steht immer noch in unserem Elternhaus. Steinway & Sons hat Knüpfer zu uns geschickt, als mein Bruder, der ehrgeizige Jungpianist, mit seinem ersten Klavierstimmer unzufrieden war. Obwohl Stefan Knüpfer jetzt in Wien lebt, kommt er immer noch regelmäßig nach Lippstadt in mein Elternhaus. Bei einem Mittagessen lernte ihn dort auch Lilian Franck kennen.
Lilian Franck:
Obwohl ich keinen ausgeprägten persönlichen Zugang zur Welt der Musik habe, war ich sofort hingerissen von Stefan Knüpfer und seinen Erzählungen. Denn er schaffte es, alle Tischgenossen binnen kürzester Zeit in die verrückte Welt der Piano-Stars zu entführen und uns zum schallendem Lachen zu bringen. Bei dieser Gelegenheit kam mir zum ersten Mal die Idee, dass er ein idealer Filmprotagonist sein könnte. Später fiel mir auf, dass er genauso perfektionistisch ist wie die Stars, von denen er immer erzählt.
Warum verzichtet der Film fast vollständig auf Erklärungen zur Klaviertechnik?
Lilian Franck:
In Pianomania kommen technische Erklärungen nur in Momenten vor, in denen sie wichtig für die Erzählung sind. Der Schwerpunkt liegt auf der Geschichte und zu viele technische Erklärungen würden nur die dramaturgische Spannung schwächen. Pianomania ist kein Lehrfilm, sondern die persönliche Geschichte der Protagonisten, bei der es viele Hindernisse zu überwinden gibt. Der Film lebt durch die szenische Handlung. Im dunklen Kinosaal möchte das Publikum emotionale Momente mit unseren Filmhelden erleben. Wenn es Zuschauer gibt, die durch den Film neugierig auf mehr technische Informationen geworden sind, umso besser: Diese werden schon bald als Videos und Texte auf unserer Internetseite www.pianomania.de zu finden
Was waren die größten Schwierigkeiten während der Dreharbeiten?
Robert Cibis:
Weltklassemusiker arbeiten hart, sie sind es gewohnt, sich dem Publikum auf der Bühne und bei Aufnahmen immer in Höchstform zu präsentieren. Die größte Herausforderung war es deshalb, ihr Vertrauen zu gewinnen, so dass sie auch ihre Schwierigkeiten vor der Kamera zeigen. Im Grunde mussten sie die Kamera vergessen und sich nicht wie sonst fühlen, wenn Zuschauer da sind. Das klappte nur dank der vielen Drehtage, so dass wir letztendlich das ganz normale Leben der Klassikstars und des Konzerttechnikers einfangen konnten.
Lilian Franck:
Das war ein Prozess, der sich über Jahre hinweg erstreckt hat. Dabei hat es uns sehr geholfen, dass Stefan Knüpfer schon positive Dreherfahrungen während der Rechcherche mit uns gemacht hatte.
Robert Cibis:
Die andere große Schwierigkeit war, die Klaviertöne technisch so gut einzufangen, dass es dem Zuschauer von „Pianomania“ am Ende möglich ist, unterschiedliche Klaviertimbres zu hören, wie es die Menschen vor Ort vermochten. Wir haben also für wirklich jeden Drehtag (über die zwei ein halb Jahre verteilt), exzellente Musiktonmeister im Team gehabt, die vermochten, die Konzertflügel – sowie manchmal Sänger und Orchester – optimal in Surround aufzunehmen. Natürlich hat das die Tonnachbearbeitung bei mehr als 200 Stunden Drehmaterial deutlich verkompliziert. Bei Orchesteraufnahmen zum Beispiel hatten wir mehr als 90 Tonspuren. Am schlimmsten war unser tontechnischer Anspruch gefährdet, wenn die Protagonisten spontan entschieden haben, doch noch mal dieses oder jenes Instrument anzuspielen. Denn so eine Mikrofonierung kann gewöhnlich lange dauern. Wir haben also eine ziemlich mobile Musiktontechnik zusammen gestellt, so dass es möglich war, sehr schnell zu reagieren. Denn die spannendsten Szenen sind gewöhnlich ungeplant entstanden. Zudem war es auch nur möglich, einen beobachtenden Dokumentarfilm zu drehen, weil das Musiktonteam sich immer in entfernten Räumen verstecken konnte, so dass gewöhnlich nur die Tonfrau und ich mit der Kamera bei den Protagonisten waren. Es war sicher dadurch einfacher für sie, irgendwann über die Anwesenheit der Kamera einfach hinweg zu sehen.
Was war die überraschendste Erkenntnis über Klaviermusik und Klaviertechnik, die Sie bei den Dreharbeiten gewonnen haben?
Lilian Franck:
Für mich war es eine Horizonterweiterung zu erfahren, wie entscheidend die Vorbereitung eines Instruments durch einen Klaviertechniker für die Interpretation eines Pianisten ist. Und dass der Klaviertechniker auf seine Art nicht nur ein Handwerker, sondern auch ein Künstler ist.
Robert Cibis:
Bevor wir gedreht haben, hatte ich schon Bücher und Filme über Klaviertechnik gelesen und gesehen. Nur, wenn man dann dabei ist, ist es doch alles ganz anders. Anders als das sonstige Gerede zur klassischen Musik ist nämlich, dass da Menschen einfach kontinuierlich, viele Stunden, Tage und Wochen arbeiten. Das hat mich immer wieder neu beeindruckt und soll auch der Film vermitteln. Anders gesagt, wir wollen das Alltägliche bei einer ganz besonderen Arbeit vermitteln. Die Musikinterpretationsfragen bekommen eine handfeste Dimension. Stefan Knüpfer ist ganz einfach Handwerker und Übersetzer. Er versucht, den Pianisten zu verstehen und setzt das durch schrauben, stochern, stechen, etc. um. Das Überraschendste ist: Das ist ja eigentlich alles ganz einfach, wenn man weiß, was man machen muss! Es kommt einem vor, als könne das jeder lernen.
Die Themen: Porträt: Udo Jürgens | Porträt: The Gypsys | Recht: Rechtsfragen bei der CD-Produktion (2) | Film-Tipp: Pianomania
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