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Ganz Ohr am PC


Gehörbildungs-Software


Wer sein Gehör schulen will, kann sich von seinem PC und spezieller Software helfen lassen. Neben gekauften Programmen mit breitem Leistungsspektrum hat auch Freeware aus dem Internet einiges zu bieten.


Aktiv Musik hören hilft, das eigene Spie­len zu verbessern. Wer wahrnimmt, mit welchen Mitteln Musiker das gleiche Lied unterschiedlich arrangieren, erhält eine Menge Ideen, das eigene spielerische Reper­toire zu erweitern. Wer sich intensiv in die vielen Musikstile vom Swing bis zum Rap einhört, kann an seinem Instrument besser umsetzen, was diese Stile ausmacht und wird bald ein gefragter Musiker sein.


Komplexe Kompositionen
in kleine Einheiten zerlegt


Um musikalische Zusammenhänge zu erfassen, hat die Musikwissenschaft die Diszi­plin der Gehörbildung geschaffen. Diese zerlegt komplexe Kompositionen in sehr kleine Einheiten, die trainiert werden. Ziel ist es, am Ende diese kleinen Einheiten im Kontext ganzer Stücke wieder zu erkennen und somit komplette Titel über das Hören zu erschließen. Die Lerninhalte der Gehörbildung sind Intervalle, Tonleitern, Akkorde, Rhythmen, Melodien und Kaden­zen. Mittlerweile gibt es umfangreiche Soft­ware, mit der jeder am Computer ohne Lehrer trainieren kann.


Neben den professionellen Musik-Soft­ware-Anbietern wie Sibelius Software oder EarMaster ApS offerieren auch andere Her­steller gute Programme. Zudem gibt es Free­ware (siehe Kasten), die in abgespeck­ter Version ausgewählte Bereiche der Gehör­bil­dung trainiert. Während Windows-Nut­zer sich unter mehreren deutschsprachigen Programmen entscheiden können, müssen sich Mac-User mit englischsprachiger Soft­ware begnügen. Sie haben die Wahl zwischen der englischen Version von „Auralia“ von Sibelius und dem (auch für Windows) englischsprachigen Programm „Music Lessons“ von MiBAC Music Soft­ware.


Sibelius Auralia: Eine Fülle
interaktiver Übungen


Mit den vier Themenkomplexen Intervalle und Tonleitern, Akkorde, Rhythmus sowie Tonhöhe und Melodie bietet Auralia eine Fülle an interaktiven Übungen, die nach Schwierigkeitsgrad gestaffelt sind. Mit knapp 180 Euro für die Einzellizenz ist es das teuerste deutschsprachige Programm. Wie die meisten Wettbewerbsprodukte erklärt es sich nahezu von selbst und lässt sich leicht bedienen. Wer eine Übung startet, kann die Antwort je nach Frage über Multiple-Choice-Tasten, Noteneingabe, MIDI-Keyboard oder Singen via Mikrofon eingeben. Es wird z.B. eine Ton­leiter vorgespielt. Auf dem leichtesten Übungslevel geben Sie über Multiple Choice ein, ob es sich um eine Dur- oder Molltonleiter handelt. Auf dem schwierigsten Level stehen 14 verschiedene Tonleitern zur Wahl.


Oder Sie probieren es mit einem Rhyth­musdiktat. Ein Rhythmus wird vorgespielt, und Sie geben die richtigen Notenlängen in das vorgegebene Notensystem ein. Je höher der Level, desto komplexer der Rhyth­mus. Pro Aufgabe gibt es zwei Versuche. Wer richtig liegt, erhält ein visuelles und akustisches OK. Das Programm zeigt weder das richtige Ergebnis, noch erklärt es den Fehler. Im Menüpunkt „In­forma­tio­nen“ bietet es lediglich etwas Basiswissen mit Klangbeispielen für die Übungen. Sämtli­che Ergebnisse werden aufgezeichnet und können so auch den Lerner­folg über einen längeren Zeitraum festhalten. Au­ralia ist bestens als Ergän­zung zum Unter­richt geeignet, daher auch die Möglichkeit, eigene Tests zusammenzustellen.


EarMaster Pro: Viel Leistung
für wenig Geld


Ein ähnliches Leistungs­spektrum für et­was weniger als den halben Preis bietet EarMaster Pro von EarMaster ApS. Es enthält in individuell angepas­sten Schwierig­keitsstufen Übungen zum Erkennen von Inter­val­len, Ska­­len, Ton­alitäten, Akkorden, Ak­kord­um­keh­rungen, zur Transkrip­tion von Rhyth­men und Melo­dien sowie zum Le­sen und Spie­len von Rhyt­h­men. Wie es sich für ein Profi-Programm gehört, kommt die Rück­mel­dung auf die einzelnen Übungen sofort, visuell und akus­tisch. Die Inter­aktion erfolgt über eine Noten­system­einga­be, über Multi­ple-Choice-Tas­ten, über ein virtuelles Bild­schirm­instru­ment wie Klavier, Gitarre, Bass oder Violine, über Singen, Klatschen oder ein akus­tisches Instru­ment via Mikrofon­an­schluss sowie über MIDI. Sta­tis­ti­sche Aus­wer­tungen über mehrere Tage, Wochen oder Monate dokumentieren die Lernkurve. Auch eigene Übungen können als Ergänzung zm Unterricht zusammegestellt werden.


Capella audite: Historische
Stimmungen an Bord


Audite von capella, erhältlich für knapp 90 Euro, weist mit den Methoden Hören und Benennen, Hören und Schreiben, Hören und Spielen und zahlreichen Übun­gen zu Skalen, Intervallen, Akkorden, Rhyth­men, Kadenzen und Melodien, einer Lernkontrolle und der Möglichkeit, eigene Aufgaben zusammenzustellen, ähnliche Features auf. Zusätzlich ist mit Hermode Tuning eine Technologie implementiert, die neben der für Keyboards üblichen wohl­temperierten Stimmung historische Stimmungen auf der Soundkarte und somit reinere Klänge erzeugt. Zudem kann man auch selbst mit einem MIDI-Key­board völlig frei in jeder Stimmung musizieren und neue Stimmungen kreieren.


Schott: Computerkolleg
Musik-Gehörbildung


Mit knapp 50 Euro eine günstigere Version ist das „Computerkolleg Musik-Gehör­bil­dung“ von Schott, das in Zusam­menarbeit mit der Forschungsstelle Mu­sik- und Me­dien­technologie und dem Fach Musik/Musikwissenschaft an der Universität Osna­brück entwickelt wurde. Das interaktive Lernprogramm bietet Übungen in mehreren Schwierig­keitsgraden zu den Bereichen Intervalle, Skalen, Rhythmen, Akkorde, Kadenzen und Melodien. Glei­chermaßen vermittelt es musiktheoretisches Basiswissen. Als Leistungs­nach­weis können die Lernergebnisse der einzelnen Kurse sowie das Gesamtergebnis in Zertifikaten ausgedruckt werden.


Liane Mletzko


 


Gehörbildungs-Programme


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