Kaufberatung: Gesang aufzeichnen, korrigieren und optimieren

Stimmen aufpeppen


Schiefer Gesang macht die beste Aufnahme zunichte. Das muss nicht sein, denn inzwischen gibt es viele Programme, mit denen sich Gesangsaufnahmen optimieren lassen. Wir zeigen einige davon – und was sie leisten.


Früher war ein Studiotermin fällig, heute können Sie es selber: Eine Singstimme für eine Demo- oder Album-Produktion ist zu Hause schnell und auf technisch hohem Niveau aufgezeich­net und nachgebessert. Auf Seiten des Rechners, dessen CPU nicht besonders gefordert ist, benötigen Sie lediglich ein Audio-Interface sowie ein Mikrofon mit Stativ, Spinne und einem Wind- und Poppschutz als Zubehör. Ihr Gesangsmikrofon, das Sie beim Live-Gig verwenden, lassen Sie besser liegen. Es soll­te schon ein Großmembran-Mikrofon sein, um die Stimme fein abzubilden.


Eine schallisolierte Aufnahmekabine wie in großen Studios müssen Sie nicht haben, ein Raum frei von Nebengeräuschen und Nachhall genügt. Auch gibt es schallisolierende Elemente (Diffusoren/Absorber), die man am Mikrofonstativ anschrauben kann. Nutzen Sie zum Beispiel auch einen Laptop, denn bis auf gelegentliches Aufbrausen der Lüfter verursacht der keine Störgeräusche. Der Verzicht auf eine Kabine beziehungsweise der direkte Kontakt mit dem Sänger oder der Sängerin verbessert die psychologische Situation wie auch die Kommunikation. Vor allem unerfahrenere Sänger müssen sich wohl fühlen. Zur Aufnahme genügen fürs Erste kostenfreie Programme wie die DAW MuLab Free oder ein Audio-Editor wie Audacity. 


Intonation und Timing verbessern


Sind die Aufnahmen abgeschlossen und alle Audio-Dateien auf der Festplatte, schlägt die Stunde der Korrektur-Spezialisten. Kaum ein Sänger trifft jeden Ton perfekt, auch das Timing wackelt öfter als erwünscht. Sie müssen den Stimmakrobaten aber nicht bis zum letzten richtigen Ton quälen, sondern können es selber per Software erledigen.


Während etwa das mächtige Programm Autotune 7 Native (ca. 330 Euro) von Antares – der Pionier des Auto-Tunings – die Intonation der Stimmen schnell und präzise verbessert, lautet ein noch besserer Tipp: Melodyne. Denn mit dieser Software des deutschen Herstellers Celemony können Sie Audio-Dateien massiv abwandeln: Der Gesang wird praktisch in Form einer MIDI-Pianorolle dargestellt, bei der Sie alle einzelnen Noten beliebig verändern können. Tonhöhe, Rhythmus, Lautstärke und weitere Parameter lassen sich bearbeiten – das Audiomaterial wird elastisch und formbar.


Melodyne gibt es in mehreren Plug-in-Versionen. Die Spitze bildet der Melodyne Editor (ca. 400 Euro), mit dem Sie sogar bei mehrstimmigen Klängen bestimmte einzelne Töne (z.B. die Quinte eines Septakkords per Akustikpiano eingespielt) herausgreifen und bearbeiten können. Dieses Feature „Direct Note Access“ (DNA) benötigen Sie aber nicht bei Singstimmen oder anderen monofonen Signalen. Empfehlenswert ist daher die Version Melodyne Assistant (rund 200 Euro), die alle wichtigen Funktionen für die Stimmenbearbeitung an Bord hat, so beispiels­weise ein Formant- und Amplituden-Werkzeug.


Anders als bei der neuen Version 2.0 des Melodyne Editors fehlen beim Assistant erweiterte Timing-Werkzeuge zu einer noch filigraneren Neu-Phrasierung des Gesangs, Skalenfunktion für ethnische Musik und die Rewire-Unterstützung. Wenn Sie nur Tonhöhe und Timing verändern oder erst einmal wenig investieren möchten, nehmen Sie die günstigste Variante, die Melodyne Essential (ca. 100 Euro) heißt. Bei Gefallen können Sie sich dann für ein Upgrade entscheiden. Die DAW Studio One Professional 2 (399 Euro) von PreSonus hat Melodyne Essential übrigens gleich integriert.


Die Arbeit mit der Celemony-Software gestaltet sich einfach. Tutorials geben praktische Einführungen, das Handbuch kann meist geschlossen bleiben. Nach kurzer Zeit können Sie den aufgezeichneten Gesang editieren. Das Wichtigste: Die überarbeiteten Stimmen klingen sehr natürlich und nicht wie per Computer modelliert. Mit Melodyne können Sie auf weiteren Audiospuren die passenden Chorstimmen entwickeln. Natürlichkeit durch filigrane Variation ist hierbei wichtig. Lassen Sie die zweite Stimme nicht ständig in Terzen mitlaufen, sondern variieren Sie durch Intervalle und Tonverdoppelungen.


(ms)


(Lesen Sie weiter in der Ausgabe 2/12)


 




Rubrik "Software": Kaufberatung: Gesang aufzeichnen, korrigieren und optimieren | Test: Capella Audite 7.0 | Workshop: Apple iPad für Musiker (8)



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