Archiv




Rick Seratte


Im Kleinen groß


Rick Seratte war mit Whitesnake und Foreigner unterwegs und ist auf den großen Bühnen dieser Welt zu Hause. Jetzt hat er einen Abstecher in die kleinen Clubs des Niederrheins gemacht.


Es ist immer wieder erstaunlich, wie der Klaus-Lage-Bassist Martin Engelien internationale Musikgrößen für seine Go Music Sessions am Niederrhein gewinnen kann. So hat es nun auch Rick Seratte nach Dinslaken verschlagen, wo der aber die Athmosphäre offensichtlich genießt: „In solchen Clubs habe ich damals auch angefangen“, erzählt Rick Seratte und wirkt fast ein wenig gerührt. „In diesen Clubs, in denen man den Leuten in die Augen schauen kann, und wo man merkt, wie sie sich fühlen. Da findet noch ein echter Austausch statt. Bei Großveranstaltungen wie „Monsters of Rock“ in Mannheim mit über 100.000 Leuten ist man dagegen doch weit entfernt vom Publikum und spielt wie auf einem eigenen Planeten.“


Große Bühnen
waren immer das Ziel


Doch in den Clubs seiner kleinen kalifornischen Heimatstadt hat es ihn nicht lange gehalten, ebenso wie einige Kollegen, die später bei Journey und anderen bekannten Bands landeten. Zunächst schwer eingeschüchtert landete er im gewaltigen Los Angeles, wo er sich mit Studiojobs als Keyboarder und Sänger über Wasser hielt. Bald kamen die ersten Engagements mit Poco und Three Dog Night. In einer erbitterten Audition-Schlacht über fünf Runden konnte er später sogar Lionel Richies musikalischen Direktor aus dem Rennen um den Keyboardposten bei Rick Springfield werfen. Oft musste er auch als Keyboard-Feuerwehr einspringen, wenn es Probleme gab: „Einmal rief mich ein Kollege aus Japan an. Er sagte, ich schicke die Aufnahmen, lern’ die Show, wir sehen uns in zwei Wochen in Florida. Dort habe ich der Band hallo gesagt und dann gingen wir auf die Bühne und haben gespielt – vor 20.000 Leuten.“


Seine Stimme kann man auch auf dem Foreigner-Album „The Best And Beyond“ hören. Lou Gramm, der Sänger der Band lud ihn damals zur Studiosession ein, an der auch eine bis dato unbekannte, frischgebackene Lehrerin namens Sheryl Crow teilnahm. David Coverdale, den Sänger von Whitesnake, konnte er vor allem durch seinen Gesang für sich gewinnen: „Ich sang einfach einen Blues und habe alles gegeben. David fiel fast um und sagte sofort: Das ist der Typ, den ich haben will. Er hat mich auch immer wieder ermuntert, meine eigene Band zu machen. Die hatte ich später auch eine Zeitlang mit John Entwistle, dem Bassisten von The Who. Es ist gerade als Keyboarder enorm vorteilhaft, wenn man auch gut singen kann, besonders, wenn man so viel Konkurrenz hat, wie in einer Stadt wie Los Angeles.“


Lieber das Original
als eine Simulation


Presets benutzt Seratte meistens nicht: „Ich habe von all den Touren und Studioaufnahmen eine riesige Sammlung von Sounds, die ich dafür maßgeschneidert habe. Ich benutze auch immer die Originalmodule. Ich liebe einfach diese fetten Filter. Plug-ins klingen immer nur fast so wie das Original, da nehme ich doch lieber gleich das echte Ding. Ähnlich ist es auch mit Harddiskrecording. Der Sound einer Bandmaschine mit der typischen Tape-Compression ist einfach bislang unerreicht. Ich finde es auch schade, dass die Studioszene so weggebrochen ist. Heute sitzt jeder mit Pro Tools zu Hause und ruft höchstens die Typen an, die er kennt. Früher hat man jemanden im Club live spielen gesehen, sich die Nummer geben lassen und ihn eingeladen.“


Serattes Idole sind vor allem Nat King Cole und Ray Charles. „Bei beiden kommt so viel Feeling rüber, und Nat King Cole hat einfach eine unglaubliche Stimme, wie pure Seide. Das Feeling – darum geht es in der Musik, und deshalb werde ich auch gebucht. Viele Dinge in der Musik macht man eben aus dem Gefühl heraus, sonst ist man nur Techniker oder Maschinist.“ Und um das zu unterstreichen, kramt Nick Seratte eine kleine Anektdote aus seiner Erinnerung: „Bei einem Workshop kam jemand auf mich zu und fragte, wann ich bei der Orgel das Leslie ein- und ausschalte. Der wollte tatsächlich so etwas wie mathematische Regeln oder eine Bedienungsanleitung. Und ich sagte nur, ich weiß es nicht, ich fühle, wann ich es schneller oder langsamer machen muss. Es ist einfach ein Mittel für den musikalischen Ausdruck.“


Klaus Tenner



Die Themen: Christoph Siegenthaler | Serenty Gray | 25. Ingolstädter Jazztage |
10 Jahre L.U.C.A.S | Recht: Bandnamen nach der Auflösung | Online-Extra Rick Seratte



Die aktuelle Tastenwelt jetzt bestellen



© 2005-2011 Tastenwelt - ein Magazin der PPVMEDIEN GmbH - Impressum