Porträt: Udo Jürgens

Udo wieder solo


Stolze 75 – und noch kein bisschen müde: Nach drei Jahren Pause wird Udo Jürgens wieder Open-Air-Soloabende veranstalten. Wir spra­chen mit dem Künstler über die bevorstehende Tournee und was ihn seit Jahrzehnten umtreibt.


Dieser Mann ist voller Energie: Wie sonst ist es zu erklären, dass der erfolgreichste deutsch­sprachige Entertainer, der im vergange­nen Jahr seinen 75. Geburtstag beging und seit über vier Jahrzehnten erstaunliche Erfolge feiert, schon wieder nach vorne blickt und an seiner nächsten Konzerttournee arbeitet? Alles eine Frage der Sicht­weise, denn Udo Jürgens hat seine Open-Air-Solo­konzerte einmal scherz­haft als „eine Art Urlaub mit Mu­sik“ bezeichnet. Für viele Fans sind seine Solokonzerte jedenfalls zur belieb­ten Tra­dition geworden. Wer Udo Jür­gens bislang „nur“ mit Orchester aus den großen Hallen kennt, dürfte von den Solokonzerten einige neue
Ein­drücke mitnehmen. Gefragt nach dem be­son­deren Reiz die­ser Veranstaltungen, ant­wor­tet der Entertainer zu­nächst: „Hier sind die Lieder ab­gespeckt von jeglichen Effek­ten, genau so, wie ich die Songs am Klavier komponiere.“ Für den Akteur selbst stellen die Kon­zerte eine besondere Her­aus­forderung dar: „Es ist schon eine große Konzen­tra­tionsleistung und Vorberei­tung, sich ein Programm auszudenken, das allein am Klavier vorgetragen noch wirkt. Alles lastet auf meinen Schultern“, resümiert Jürgens, um aber zugleich die positiven Aspekte hervorzuheben: „Andererseits habe ich auch mehr Freiheiten. So kann ich spontan das Programm, die Einleitung oder ein Solo ändern, wenn ich das Gefühl habe, es ist gerade passend.“


Tritt das musikalische Beiwerk in den Hintergrund, so liegt der Fokus auf Songs mit besonderen Texten. „Aus der gestalterischen Freiheit und der stärkeren Bedeutung der Texte ergibt sich das tiefe, warme Gefühl, mit Menschen zusammen meine Musik inten­siv erleben zu dürfen“, bringt Jürgens das Beson­dere dieser Abende auf den Punkt. Doch auch die großen Hits wie „Aber bitte mit Sahne“ und „Grie­chi­scher Wein“ werden am Ende nicht ausgespart – liefern sie doch die Grundlage für die bereits obligatorischen Standing-Ovations. „Die Stimmung bei diesen Konzerten ist gegen Ende auch nicht anders als in den großen Sälen“, bemerkt Jürgens und ergänzt launig: „Das liegt wohl auch an meiner sehr rhythmischen Art, Klavier zu spielen.“ Den wichtigsten Grund dürfte indes die Person Udo Jürgens selbst liefern. Immerhin handelt es sich hier um eine lebende musikalische Legende, die selbst zugibt, immer wieder erstaunt darüber zu sein, wie viel er als Künstler in seinem Leben er­reicht hat: „Wenn ich meine Biografie lese, dann glaube ich sie fast nicht“, bekennt Udo Jür­gens beim Blick zurück. Und: „Ich lese das staunend, als wäre es ein anderer. Als wäre es ein Mensch, den ich beinahe schon ein wenig bewundere für diese vielen Aktivitäten, die in seinem Leben passiert sind.“


(Mehr lesen Sie in der Ausgabe 5/10)




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