Richard Galliano in Leverkusen
Akkordeon mit Leib und Seele
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Dynamik pur: Perlende Läufe, donnernde Bässe – Richard Galliano reizt die Möglichkeiten seines Knopf-Akkordeons aus. (Foto: Olaf Fagerstroem) |
Der französische Akkordeonist Richard Galliano gilt als wichtigster Jazz-Akkordeonist weltweit. Anfang November gastierte er beim Leverkusener Jazzfest.
Mit markigen Worten in Richtung Mischpultmann stellt Richard Galliano die akustischen Weichen: „Ich mache hier die Dynamik und nicht Sie, okey?“ Ein Meister lässt sich eben nicht ins Handwerk pfuschen, auch wenn der Tontechniker es noch so gut gemeint hat. Ob laut oder leise, hoch oder tief, das alles hat seinen Sinn im Spiel des Franzosen Richard Galliano, der es als Akkordeonist immerhin zu internationaler Berühmtheit gebracht hat.
Mit vier Jahren begann Galliano das Akkordeonspiel, mit 12 Jahren gewann er erste Preise und seit den 80er Jahren ist er Stammgast auf den großen Jazzfestivals weltweit, zudem Träger zahlreicher Preise und Auszeichnungen wie dem französischen „Prix Django Reinhardt“ und „Victoire de la Musique“.
Akkordeontypisches von Tangomusik bis zur „Musette Neuve“
Hier beim Leverkusener Jazzfest spielt er mit dem Vibraphonisten Gary Burton und einer unauffällig im Hintergrund agierenden Rhythmusgruppe, bestehend aus Philippe Aerts am Kontrabass und Clarence Penn am Schlagzeug. Vorwiegend Stücke seines Freundes, Mentors und Vorbilds Astor Piazolla, des großen Erneuerers des argentinischen Tangos, stehen auf dem Programm. Daneben aber auch Klassikbearbeitungen und Eigenkompositionen, deren Stil Galliano selbst mit „New Musette“ beschreibt. Darunter versteht der 1950 in Cannes geborene Ausnahmemusiker die Fusion traditioneller Akkordeonmusik mit den Elementen des Jazz.
Nicht enden wollende Suche nach Ausdrucksformen
Mit dem Piazolla-Werk Libertango beginnt das Konzert, und schon nach wenigen Minuten hat das Quartett das Publikum mit seiner emotionalen Musik in den Bann geschlagen. Dabei mischt sich der leicht süßliche Vibraphonklang von Burton ausgezeichnet mit dem Akkordeon.
Doch wo Gary Burton auf eine Klangfarbe beschränkt bleibt, lotet Galliano sein Instrument bis aufs Letzte aus. Scheinbar mühelos perlen Läufe in der rechten Hand, donnern Bässe und Akkorde dagegen, aber alles mit einer atmenden Leichtigkeit, die aus der Musettemusik stammt. Eine gewaltige Palette an Emotionen entlockt Galliano dem Akkordeon. Und wird nie müde, sein Instrument immer wieder aufs Neue zu erforschen und neue Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen. Doch so perfekt die Formation ihr Repertoire auch beherrscht, es stellt sich nach einer Weile ein gewisser Ermüdungseffekt beim Publikum ein. Vielleicht sollte man diese Musik doch lieber entspannt sitzend auf sich wirken lassen und nicht stehend in der etwas herben Athmosphäre des Leverkusener Forums.
Klaus Tenner
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