65 Jahre Orgel-Magie

Hersteller von elektronischen Orgeln gibt es auf dem deutschen Markt nicht mehr viele. Einer von zweien ist die Traditionsmanufaktur Böhm, die seit 65 Jahren immer wieder auch Pionierarbeit leistet. Grund genug für ein Porträt des Orgelherstellers.

Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens beginnt bereits 1956, in Zeiten des berühmten Wirtschaftswunders. Genau 65 Jahre sind das in diesem Jahr, ein halbrundes Jubiläum also, und somit auch ein Grund zum Feiern. In einem kleinen Rundgang durch die Jahrzehnte wollen wir beleuchten, wie die Firma Böhm in dieser Zeit und bis heute den deutschen Orgelmarkt entscheidend mitgeprägt hat und wie ihr Produkt-Portfolio heute aussieht.

Wirtschaftswunderzeit: 50er und 60er

Die Geschichte beginnt damit, dass Dr. Rainer Böhm zunächst in den 1950er-Jahren eine Aufsatzreihe in einer Fachzeitschrift für Elektronik und schließlich ein Fachbuch über die Konzeption elektronischer Orgeln zum Selbstbau veröffentlichte. Diese Publikationen fanden viele Interessenten, viele wollten die Ideen von Dr. Böhm umsetzen und es kamen immer mehr Anfragen nach den benötigten Bauteilen beim Autor an. Und so kam dieser schnell auf die Idee, die für den Orgelbau benötigten Teile auch in Form von kompletten Bausätzen zu verkaufen. Nach den ersten Modellen noch mit Röhrentechnik entwickelte Dr. Rainer Böhm die erste Transistororgel und verschiedenste Modelle in dieser damals neuartigen Technik.

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„nT“ nannte sich die damalige Baureihe, wobei „nT“ für „niederohmige Transistortechnik“ steht. Die „FnT“ sollte die erste dreimanualige „Elektronen-Orgel“, von der man damals noch sprach, werden. Und so wurde aus einigen Fachartikeln letztlich eine bis heute andauernde weltweite Erfolgsgeschichte – wer hätte das geahnt?
Mit dem Namen Böhm verbinden viele, die den Orgelmarkt schon länger kennen, vor allem immer noch Selbstbau-Orgeln. Tatsächlich vertraten Böhm und ein paar Jahre später auch der Mitbewerber Wersi bis in die 80er-Jahre hinein das Konzept, dass man Orgeln als Bausatz kaufen und mit dem heimischen Lötkolben selbst zusammenbauen konnte. Zwar eine etwas zeitaufwendige, aber auch schöne Arbeit, die über drei Jahrzehnte für viele den Bastelspaß mit dem Spaß an der Musikverband. Vor allem aber eine attraktive Möglichkeit, bares Geld zu sparen, denn die Bausatzpakete für eine Orgel schlugen rundgerechnet ungefähr mit der Hälfte dessen zu Buche, was man für die gleiche betriebsfertige Orgel hätte bezahlen müssen. Nur so wurde das Instrument Orgel über einen langen Zeitraum für viele überhaupt erschwinglich. Gerade zur damaligen Zeit ein revolutionärer Schritt von Dr. Böhm, denn „Heimorgeln“ waren auf dem deutschen Markt noch nicht so richtig angekommen. Es gab zwar schon welche, dann aber vor allem aus Amerika stammend und für viele schlicht unbezahlbar. Heute gibt es übrigens keine Selbstbau-Orgeln mehr, spätestens seit den 90er-Jahren, seit Mikroelektronik das Geschehen bestimmt und Lötstellen Millimeter-Bruchteile groß sind, ist das technisch nicht mehr möglich.

Besonderheiten im Vertrieb

Der Vertrieb der Orgeln erfolgte, ähnlich, wie man es von Autos kennt, über eine Reihe von Niederlassungen in ganz Deutschland. Auch das war schon etwas Besonderes und es hatte regelrechten Kultstatus, wenn man die Niederlassung in seiner Nähe besuchte. Das war nicht einfach nur ein „Orgelgeschäft“, sondern (abgesehen davon, dass man natürlich auch selbst spielen und probieren konnte) da gab es auch regelmäßig „Ladenpartys“, zu denen als besondere Highlights auch regelmäßig die Stars der Szene kamen und spielten. Außerdem hatten Firmen wie Böhm auch angestellte Vorführer, die regelmäßig spielten und kleine Konzerte gaben, vor allem samstags. Live-Musik im Laden, da war einfach richtig was los! Solche Niederlassungen von Böhm gab es auch über Deutschland hinaus im Ausland. Ladenpartys und Vorführkonzerte waren übrigens bis weit in die 80er hinein gang und gäbe. Dr. Rainer Böhm selbst zog sich bereits 1982 aus dem Unternehmen zurück und fortan wurden aus den „Dr. Böhm“-Orgeln einfach nur noch „Böhm“-Orgeln. [...]

 

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