Piano-Entertainer auf höchstem Niveau

Er ist wahrscheinlich der aktuell erfolgreichste Pianist Deutschlands, ein grandioser Entertainer und ein sympathischer Mensch ohne jede Allüren: Joja Wendt. In diesem Porträt zeigen wir die vielfältigen Facetten von Joja Wendt auf. Außerdem stand uns der Pianist für ein Interview Rede und Antwort.

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Joja Wendts Werdegang und Erfolgsliste lesen sich alles andere als typisch für einen Pianisten. Klavierstudium am Konservatorium in Hilversum (Niederlande) und der Manhattan School of Music in New York, soweit noch nachvollziehbar. Dann: Die Entdeckung durch Rock-Legende Joe Cocker vor über 30 Jahren, die vielleicht sogar als Initialzündung für Jojas Karriere verstanden werden kann. Das ist für einen Solopianisten mit Sicherheit außergewöhnlich!

Unter Stars

Es folgten Auftritte mit Legenden wie Jerry Lee Lewis oder Chuck Berry und auf internationalen Jazzfestivals mit Monty Alexander und Lou Rawls, ferner Soloauftritte beim Montreux Jazz Festival oder dem internationalen Jazzfestival Paris. Das spricht für sich. Support Act von Fats Domino war er, dasselbe wiederholt bei Tourneen von Joe Cocker. Am 24./25. August 2001 war er Gaststar eines Mega-Acts und spielte auf Einladung der berühmten deutschen Popband PUR vor über 100 000 Menschen in der Schalker Arena. Weiterhin sind unzählige Fernsehauftritte zu nennen, 2000/01 gab es sogar eine eigene Fernsehsendung, die „Joja Wendt-Show“, und auch in der NDR-Musik-Show „Wer kennt die Hits?“ stellte er neben seinen musikalischen Fähigkeiten sein Talent als TV-Moderator unter Beweis. Weiterhin kommen bis heute mehr als 30 CDs hinzu, darunter „Pacifique“, aufgenommen mit der Jazz- und Soul-Legende Les McCann in Los Angeles.
Doch auch sein am 10. April 2000 bei der EMI veröffentlichtes Debüt-Album „Der Pianist“ ist hier sicher noch einmal zu nennen, das er zusammen mit dem Babelsberger Filmorchester einspielte. Zu einer erneuten Zusammenarbeit mit diesem kam es im Januar 2002 für das Album „Showtime“ mit berühmten Filmklassikern.

Filmmusik

Für Otto Waalkes schrieb Joja Wendt die Filmmusiken zu „Sieben Zwerge – Männer allein im Wald“ sowie auch zur Fortsetzung „Der Wald ist nicht genug“. Darin bedient er das Märchengenre mit orchestralen Kompositionen, erneut unterstützt vom Filmorchester Babelsberg. Joja Wendt ist Träger des Louis-Armstrong-Preises, einem renommierten Jazz-Preis, der von „Swinging Hamburg e. V.“ einmal im Jahr an herausragende Musikerpersönlichkeiten verliehen wird, die sich um den Jazz in Hamburg und in Deutschland besonders verdient gemacht haben. Außerdem ist er einer der Steinway-Künstler.

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Musikalischer Grenzgänger

Was ist Joja Wendt eigentlich – Jazzpianist, klassischer Konzertpianist oder ein nicht zu beschreibender Grenzgänger? Ihn einfach als Jazzpianisten zu betiteln, würde sicher entschieden zu kurz greifen. Dass seine musikalischen Wurzeln dort liegen und sein Herz bis heute für diese Musikrichtung schlägt, ist unverkennbar. Er selbst bekennt sich im Interview auch klar dazu. Doch darf man nicht unterschätzen, dass er Rachmaninov und Rimsky-Korsakov mit ebensolcher Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit auf die Bühne bringt. Auf „Klassik Radio“ hat er einen eigenen Podcast, in dem er bekannten und unbekannten Meistern auf der Spur ist und seine persönlichen Lieblingsstücke der
Klassik präsentiert. Vladimir Horowitz nennt er sein großes klassisches Vorbild. Weiterhin gibt es bei ihm auch die kompositorische Komponente. Bereits 2016 erschien sein erstes Album mit ausschließlich eigenen Kompositionen. Auch nicht zu vergessen ist die 2018 veröffentlichte CD mit dem dazu gehören Tourneeprogramm „Stars on 88“, worauf Joja erstmals Popinterpretationen auf dem Klavier vertont hat. Sein Spektrum ist also enorm breit, hat sich vielleicht auch im Laufe der Jahre immer mehr erweitert. So wundert es kaum, dass man ihn auch als Stargast auf Events wie „Circus meets Classic“ im Circus Roncalli antrifft.

Eine eigene Marke

Vor allem aber: Er hat etwas geschafft, das letztlich wenigen Pianisten auf solchem Niveau gelingt und ihn herausragend macht. Er hat einen völlig eigenen Stil kreiert, eine eigene Marke geschaffen, und das in jeder Hinsicht – nicht nur musikalisch, sondern auch in der Form der Präsentation. Letztere ist bei ihm außergewöhnlich. Ein Joja-Wendt-Konzert ist ein unvergessliches Erlebnis, und zwar für Jung und Alt. Das weiß man inzwischen weltweit. Auch in Südafrika, Singapur, China oder Russland und natürlich New York ist sein Name ein Begriff. Unvergesslich wird vielen Fans zum Beispiel jene Darbietung bleiben, bei der auf dem Flügel synchron Tischtennis-Rundlauf gespielt wurde – mit Joja nicht nur als Pianisten, sondern auch Tischtennis-Turnierteilnehmer. Das ist Unterhaltung pur, aber anspruchsvoll und geistreich. Als technisch überragenden Entertainer auf höchstem Niveau könnte man ihn wohl am treffendsten bezeichnen.

Der Live-Performer

Von den vielen Projekten, denen er sich widmet, sind die Live-Konzerte eindeutig Joja Wendts Favoriten. In ihnen begegnet er seinem Publikum regelrecht wie ein Freund. „Klavierspielen macht Spaß!“ ist dabei die Botschaft, die er transportieren will. Dass dies bei ihm nicht nur eine hohle Floskel, sondern Berufung ist, merkt man in jeder Sekunde. „Für jedermann und jede Frau“ soll seine Musik sein. Erklärtes Ziel ist es,
die Hemmschwelle herabzusetzen, ein Klavierkonzert zu besuchen. Denn ein Klavierkonzert im klassisch-klischeehaften Sinne ist es eben auch nicht. „Meine ursprüngliche musikalische Heimat ist der Club“, sagt er selbst. Genau das helfe ihm in vielen Situationen, „die naturgegebene Distanz eines Konzertsaals zu verringern“. Welche Bühnenpräsenz und welches Nervenkostüm es dabei braucht, Konzertsäle wie in der Alten Oper Frankfurt, der Hamburger Elbphilharmonie oder dem Prinzregententheater in München mutterseelenallein zu füllen und zu stehenden Ovationen hinzureißen, mag man sich ausmalen können. In seiner Heimatstadt Hamburg ist die Nachfrage so groß, dass er schon mehr als einmal mehrere Konzerte hintereinander geben musste. Über Pfingsten 2009 beispielsweise gab es zu der CD „Mit 88 Tasten um die Welt“ gleich vier Konzerte mit insgesamt über 7000 Besuchern!

Jojas Piano Academy

tastenwelt Magazin Ausgabe 06 / 2021Ein solches Niveau erreicht – und vor allem hält – man nicht ohne eine entsprechend strenge Übungsdisziplin. Das Üben ist für jeden Instrumentalisten eine lebenslange Sache und hört auch für den Profi nie auf. Noch heute bereitet sich auch ein Joja Wendt ausgiebig und intensiv auf jede Tournee vor. Aber auch sein Wissen an den Nachwuchs (egal welchen Alters) weiterzugeben, ist ihm wichtig. 2016 gründete er „Jojas Piano Academy“, eine Online-Klavierschule, die möglichst vielen Menschen das Klavierlernen von zu Hause aus eröffnen soll. Anders, als man vielleicht erwarten könnte, sind die Kurse überhaupt nicht nur für Fortgeschrittene (oder gar Profis), sondern ausdrücklich für Anfänger geeignet. Natürlich wird auf der Homepage zwar damit geworben „der Starpianist verrät dir seine Geheimnisse“, doch ein abgehobener Meisterkurs des Superstars ist es keineswegs. Ganz im Gegenteil, sogar Spielen ohne Noten wird angeboten, es gibt das „Riff of the day“ anhand aktueller und älterer Hits. Musiktheorie wird leicht verständlich erklärt, Stars wie Udo Lindenberg, Otto Waalkes und viele andere mehr sind mit dabei und können hinter den Kulissen einmal ganz anders erlebt werden. Man kann Künstler sogar zu ihrer freigestellten Stimme begleiten oder zusammen mit dem Filmorchester Babelsberg spielen. Vor allem gibt es ständig Nachschub an neuem Material, und dabei kosten alle Kurse lediglich 29 Euro pro Monat. Auch hier wieder eine große Nähe zu den Fans. Dass der Kurs eine offizielle Empfehlung von Steinway bekommen hat, mag schon einem Ritterschlag gleichkommen.

Spiel doch mal leiser!

Um den Blick in die aktuellen Neuigkeiten abzuschließen: Vor kurzem hat Joja Wendt seine Autobiografie veröffentlicht. Schon der Titel, „Spiel doch mal leiser!“ und der süffisante Kommentar im Untertitel, „Warum es gut war, dass ich darauf nicht gehört habe!“, lassen schmunzeln und ein gewisses Kopfkino entstehen. Wer solche Erfolge eingefahren und eine halbjährige „internationale Weltreise“ in Sachen Musik über vier Kontinente unternommen hat, weiß viel zu erzählen. Und das kann Joja Wendt meisterlich. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass auch dieses Werk des Entertainers erneut zum Erfolg wurde und die Erstauflage schon nach kurzer Zeit ausverkauft war. Was neben aller Musikalität festzuhalten bleibt, ist vor allem die sympathische Ausstrahlung dieses Ausnahmekünstlers, der bei allen herausragenden Erfolgen ungeahnt bodenständig geblieben ist und die Nähe zu den Menschen sucht. Er bewältigt ein Schaffenspensum, das manchem nur beim Lesen Schweißperlen auf die Stirn zaubert. Beim Erscheinen dieser tastenwelt sind zwar viele Termine der aktuellen Tour seit ein paar Tagen vorbei, aber vor Redaktionsschluss kamen
noch zahlreiche weitere Termine hinzu. Diese sind im Infokasten und im Detail auf der Homepage www.jojawendt.de nachzulesen. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich ein Konzert nicht entgehen lassen, denn wie der Untertitel „Alles andere als piano“ der Tour 2017, „Die Kunst des Unmöglichen“, schon richtig verriet: Joja Wendt macht Klavierkonzerte zu einem außergewöhnlichen Erlebnis!

 

Weitere Artikel über Joja Wendt finden Sie in der tastenwelt 06 / 2021

 

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