Buchtipp: „100 Jahre Jazz“

Als nachhaltigster und originellster Beitrag der USA zur Kultur gilt vielen die Kreation einer ganz neuen, erfindungsreichen Musikrichtung: Jazz. Philippe Margotin porträtiert die vergangenen 100 Jahre Jazzgeschichte in einem lesenswerten und reich bebilderten Buch.

„Jazz ist eine ungefähr um 1900 in den Südstaaten der USA entstandene, ursprünglich überwiegend von Afroamerikanern hervorgebrachte Musikrichtung, die in vielfältiger Weise weiterentwickelt wurde, häufig im Crossover mit anderen Musiktraditionen und Genres“, beginnt der Wikipedia-Beitrag zu Jazz. Und diese lange Entwicklungsgeschichte ist für Philippe Margotin und den Delius Klasing Verlag der Anlass, in „100 Jahre Jazz“ auf mehr als 400 großformatigen und reichbebilderten Seiten die wichtigste Musikrichtung des letzten Jahrhunderts feierlich zu zelebrieren: in Form einer kompletten Stilgeschichte und mittels eines Panoptikums von Porträts der grandiosen Stars, die mit Trompete und Posaune, Saxofon und Vibrafon, Klarinette, Gitarre und Schlagzeug diese Gattung geprägt und populär gemacht haben − und nicht zu vergessen die Sänger/innen.

In zwei Hauptkapitel ist der Band gegliedert, die identisch sind mit den prinzipiellen Epochen des Jazz. Zunächst die Anfänge in New Orleans mit dem Hot Jazz und die Swing-Ära der großen Bigbands mit ihren genialen Solisten. An erster Stelle steht hier Louis Armstrong, gefolgt von Dutzenden weiterer illustrer Namen: Duke Ellington, Count Basie, Sidney Bechet, Benny Carter, Tommy Dorsey, Artie Shaw etc. Aber auch der Hot Club de France mit Django Reinhardt und Stéphane Grappelli wird hier gebührend gewürdigt.

In der zweiten Epoche entfaltet sich der Jazz in seiner ganzen Differenziertheit. Angeführt wird dieser Abschnitt von den großen Diven Ella Fitzgerald, Billie Holiday, Mahalia Jackson u.a.. Dann geht es um die aufregenden Entwicklungen der Nachkriegsjahre: Bebop, Cool Jazz, West Coast Jazz, Third Stream, Hard Bop, Soul Jazz sowie die allerneuesten Klangwelten. Auch hier pralle Porträts von allem, was Rang und Namen hat: Charlie Parker, Miles Davis, John Coltrane, Thelonious Monk, Stan Getz sowie eben Carla Bley, Jan Garbarek, Keith Jarrett und Esbjörn Svensson. Künstlerbiografien, Stilmerkmale, Karrierehöhepunkte, persönliche Geschichten und Fotos satt. Die Musik dazu stellt sich von selbst im Kopf ein.

Philippe Margotins „100 Jahre Jazz“ umfasst 424 Seiten mit 195 S/W-Fotos. Das Buch kostet 59,90 Euro (D) (61,60 Euro in Österreich) und ist im Delius Klasing Verlag „Edition Delius“ erschienen. (ISBN 978-3-667-10607-0).