Alpha Pianos MPiano im Test: Edel und innovativ

Wie ein Design-Objekt aus dem Windkanal erscheint das MPiano von Alpha Pianos – ein Blickfang auf jeder Bühne, aber auch im Studio oder in der Wohnung. Mit kapazitiven Sensoren in den Tasten erlaubt das Controller-Keyboard zudem innovative Steuerungsmöglichkeiten.

Es hat etwas von einem futuristischen Nurflügler, von einer Konzeptstudie, in der Ingenieure ihre Visionen von der Zukunft der Luftfahrzeuge beschreiben. Doch weit gefehlt: Das schicke Design-Objekt im tastenwelt-Test stammt nicht aus einem Entwicklungslabor einer Elite-Universität, sondern vom niederösterreichischen Hersteller Alpha Pianos und hört auf den Namen MPiano. Dass Design ganz oben auf der Prioritätenliste steht, haben die Österreicher schon bei ihrem ersten Instrument, dem Alpha Studio, gezeigt. Doch während dort eine echte Flügeltastatur im Zentrum steht, bringt das MPiano etwas völlig Neues. Das M in MPiano steht für „mechatronisch“ und beschreibt damit nur vage, was Spieler von diesem Controller-Keyboard – denn nichts anderes verbirgt sich hinter dem Instrument – erwarten dürfen. Wir konnten einige Tage lang das Vorserienmodell testen, das im Spätherbst 2016 auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurde.

Outfit

Von vorne oder hinten sieht man einfach ein schwarz glänzendes Rechteck mit abgerundeten Ecken. Innen sind alle vier Seiten des Rechtecks gewölbt, dennoch ist das MPiano überall nur wenige Zentimeter stark. In der Standard-Version zeigt sich das Instrument glänzend schwarz foliert. Die Innenseite das Unterbaus kann auf Anfrage aber auch bunt foliert oder in RAL-Farben metallic lackiert werden. Von oben sieht man lediglich die 88 Tasten, sonst nichts. Es gibt allerdings noch einen silbernen iPad-Halter und unten drei silberne Pedale. Ein Strom- und ein USB-Anschluss verschwinden ebenfalls in der unteren Querleiste. Was so minimalistisch aussieht, soll doch einiges bieten?

Das MPiano ist rund 40 Zentimeter tief, und die Tasten sind genauso lang. Drückt man eine Taste, sieht man, dass der Drehpunkt ganz hinten liegt. Der Tastenhub soll beim Serieninstrument bei einem Zentimeter liegen, beim getesteten Vorserienmodell ist es noch etwas weniger. Das allererste Spielgefühl erinnert an eine Kirchenorgel mit pneumatischer Traktur. Damit lässt es sich wirklich schnell spielen.

 

Die Tasten sind aus Fichtenholz gefertigt und mit einer Art Folie überzogen. In den Tasten stecken kapazitive Sensoren, die zusätzliche Steuerungsmöglichkeiten erlauben. In ihrer Position gehalten werden die Tasten durch Magneten. Durch Lichtsensoren, wie bei einem Stummschalteklavier, wird das Spiel auf dem MPiano erfasst und in MIDI-Werte übersetzt.

Durch den hinteren Drehpunkt sind Federn nötig, die die Tasten wieder in die Ausgangsposition zurück drücken. Hierfür hat Alpha Pianos superelastische Federn mit einer Formgedächtnislegierung gewählt. Ursprünglich war einmal angedacht, dem Spieler das individuelle Einstellen der Federhärte zu erlauben – was sich aber dann als nicht praktikabel und zu teuer erwies. Nun hat man Tasten mit dem Widerstand einer Synthesizertastatur unter den Fingern. Das Federmaterial soll jedoch den Vorteil bringen, dass der Widerstand über den gesamten Tastenweg identisch ist und nicht mit zunehmender Drucktiefe höher wird. Zudem soll die Feder viele Jahre ihre Eigenschaften beibehalten.

Steuerung

Bedient wird das Alpha Pianos MPiano über die gleichnamige iPad-App. Ein iPad-Tablet gehört allerdings nicht zum Lieferumfang. Verbunden werden MPiano und iPad über WLAN. Das MPiano stellt dafür ein Passwort gesichertes Drahtlosnetzwerk zur Verfügung. Steht die Verbindung erst einmal, müssen auch in der App nochmals Benutzername und Passwort eingegeben werden. In der iPadApp kann man Projekte anlegen und verwalten. Damit lassen sich z.B. auch Set-Listen anlegen, über die dann für jeden Song die nötigen Konfigurationen aufgerufen werden.

Das Editiermenü stellt die Parameter für vier mögliche Tastaturzonen, in der App „Splitarea“ genannt, bereit. Zuallererst bestimmt man den MIDI-Kanal der Zone und ihren Tastaturumfang. Nun legt man über großzügig dimensionierte Slider-Elemente am iPad fest, mit welcher Empfindlichkeit die Sensoren auf Tastendruck reagieren und Noten-on- bzw. Note-off-Befehle senden sollen. Die Bandbreite reicht von minimalen Berührungen bis zum vollständigen Herunterdrücken der Tasten. „Key Press“ regelt, welche Velocity-Werte (0–127) beim Spielen übertragen werden können.

Auch Aftertouch gehört zum Funktionsumfang der MPiano-Tastatur. In der Steuerungs-App kann man nun einstellen, ob ein monofoner oder polyfoner Aftertouch dadurch ausgelöst werden soll. Es lässt sich aber auch jeder andere MIDI-Controller zuweisen. Wie sinnvoll das ist, hängt vom verwendeten Klangerzeuger und dem Einsatzziel ab. Nun können die Slider-Funktion der Tasten einem MIDI-Controller zugewiesen und der Wertebereich zwischen 0 und 127 definiert werden. Abschließend bestimmt man, ob die drei Pedale des MPiano für eine Splitarea aktiv sind. Welche Funktion die Pedale grundsätzlich übernehmen, stellt man im App-Menüpunkt „Pedals“ ein.

Praxis

Der Test des Vorserienmodells macht schon Laune. Die WLAN-Verbindung zwischen iPad und MPiano ist fix hergestellt. Die MPiano-App ist ebenso schnell auf dem Tablet-Computer installiert. Obwohl noch kein Handbuch verfügbar, ist die Bedienung der Steuer-App schnell verstanden, und es kann ans Experimentieren gehen. Wer schon mal ein Masterkeyboard für einen Klangerzeuger eingerichtet hat, kommt auch hier schnell ans Ziel.

Als Klangerzeuger dient im Test das gleiche iPad, auf dem auch die Steuerungs-App installiert ist. Dazu verbindet man den USB-Anschluss des MPiano mit dem Tablet-Computer. Möglich wird dies durch den USB-Lightning-Adapter. Ein extra Interface ist nicht nötig.

Komplexe Zonen-Layouts waren während der Testphase zwar nicht gefragt, dennoch boten sich interessante Möglichkeiten. Weil das MPiano über keinerlei Hardware-Controller abseits der Tastatur verfügt, kann man auch einfach eine Split-Zone mit z.B. nur einer Taste einrichten. Dort lässt sich dem Tasten-Slider beispielsweise der MIDI-Controller für Modulation zuweisen. Benötigt man diesen nun beim Spielen, genügt es, über die Taste zu streichen. Damit nicht aus Versehen ein Ton ausgelöst wird, kann man die Empfindlichkeit für Note-on-Erkennung aufs Maximum heraufsetzen.

In der eigentlichen Splitarea, in der gespielt wird, bietet es sich an, den Slidern den Expression-Controller zuzuweisen. So kann man beim Spielen sehr dynamisch mit der Lautstärke operieren. Der Wertebereich sollte aber nach unten hin deutlich begrenzt sein, damit man nicht zu leise wird. Bei Bläsersounds kommt das sehr gut, braucht aber natürlich auch ein wenig Übung, um dabei überzeugend zu klingen.

Zusammen mit Synthesizer-Apps sind auch noch ganz andere Möglichkeiten gegeben. Hier ergaben sich auch gleichermaßen wunderschöne wie kreative Effekte, wenn Parameter der Klangerzeugung über Slider oder Aftertouch gesteuert wurden. Man erhält dadurch sehr lebendige Klanggebilde – z.B. wenn man durch Streicheln der Tasten beim Spielen Einfluss auf das Filter der Synth-App nimmt oder – je nach Klangerzeuger – auch Morphing-Funktionen auslöst. Hier reiht sich das Alpha Piano MPiano nahtlos in die Reihe exotischer und kreativer Controller-Instrumente ein – von HakenAudio Continuum bis Roli Seabord.

  • Vier Tastaturzonen

    Vier Tastaturzonen lassen sich in der App sehr flexibel konfigurieren.

  • Aftertouch-Funktion

    Die Aftertouch-Funktion arbeitet monofon, polyfon oder übernimmt einen anderen MIDI-Controller.

  • User-Presets

    Damit die Split-Punkte nicht immer wieder neu gesetzt werden müssen, können sie aus anderen User-Presets importiert werden.

Fazit

Mit einem Piano hat das Alpha Piano MPiano lediglich den Tastaturumfang von 88 Tasten gemein. Das ist aber keine Beschränkung, sondern schafft eine große kreative Freiheit. Das Design des Controller-Keyboards ist wohl konkurrenzlos, die Bedienung nahezu selbsterklärend. Die leichtgängige Tastatur spielt sich dabei sehr gut, Glissandi sind jedoch nicht ihre Domäne. Die Pedale könnten dem Spieler stärkere Federn für mehr haptisches Feedback entgegensetzen. Neben dem optischen Aspekt trumpft das MPiano durch die Slider-Sensorik und die freie Zuweisung von MIDI-Controllern auf. Anwendungen und Zielgruppen werden sich hier sicher oft erst noch ergeben. Eines ist jedoch schon jetzt klar: Einiges an Budget muss man für das MPiano schon mitbringen. Der Massenmarkt ist nämlich nicht das Ziel des innovativen österreichischen Herstellers.