Bearbeitungsrecht: Darf Heino das?

In diesem Workshop geht es um das Bearbeitungsrecht, aufgehängt an zwei aktuellen Diskussionen, die in den letzten Wochen die Gemüter erhitzten: Darf Heino das? Und: Haben wir beim ESC-Finale ein Plagiat am Start?

Unglaublich, wie viel in den letzten Wochen über den Schlagersänger Heino in den Medien berichtet wurde. Grund dafür war die Tatsache, dass Heino vor kurzem ein neues Album auf den Markt gebracht hat, auf dem er Songs bekannter deutscher Künstler, die mit dem Genre Schlager/ Volksmusik nicht das Geringste zu tun haben, nachgesungen hat. Hierzu zählen beispielsweise Titel von den Ärzten oder Rammstein. Mit diesem Album schaffte es Heino zum ersten Mal in seiner Karriere auf Platz 1 der deutschen Albumcharts.

Aus rechtlicher Sicht stellt sich im Zusammenhang mit dem Nachspielen der Songs die spannende Frage, ob Heino diese Titel überhaupt veröffentlichen durfte, ohne zuerst die Rechteinhaber an den Original-Songs um Erlaubnis zu fragen. Das Bearbeitungsrecht, um das es hierbei geht, wurde im Rahmen dieser Workshop-Serie schon mehrfach thematisiert. In § 23 UrhG ist geregelt, dass die „Bearbeitung“ eines Werkes der Zustimmung der Original-Urheber (Text und Komposition) bedarf. Handelt es sich bei den Interpretationen von Heino also um zustimmungspflichtige Bearbeitungen oder um ein reines Nachspielen (= covern) der Originale? Da bei einem Cover keine Veränderungen an der Original-Komposition vorgenommen werden, ist das Bearbeitungsrecht nicht betroffen, da dies ja bereits begriffnotwendig eine Bearbeitung, also eine Umgestaltung des Originals voraussetzt.

Ist also beispielsweise die Version „Junge“ von Heino identisch mit der Version von den Ärzten? Wie immer kann man sich hierüber wohl trefflich streiten, da es in der Version von Heino ein paar kleine Abweichungen zum Original gibt. Ob diese allerdings so gravierend sind, dass die Schwelle des reinen Nachspielens überschritten wurde, kann letztlich nur ein Gericht entscheiden. Allerdings haben die Rechteinhaber bisher darauf verzichtet, die gegebenenfalls erfolgten Rechtsverletzungen gerichtlich überprüfen zu lassen.

Neuschöpfung oder Plagiat

Auch in einem anderen Fall wird aktuell die mögliche Verletzung des Bearbeitungsrechts nach § 23 UrhG heiß diskutiert. Während sich bei Heino die Frage stellt, ob es sich bei seinen Versionen schon um eine Bearbeitung handelt, wurde der Musikgruppe „Cascada“, die für Deutschland am Finale des Eurovision Song Contests in Malmö teilnimmt, von den Medien vorgeworfen, die Gruppe hätte sich an dem Sieger-Song von 2012 „Euphoria“ in einer Art bedient, dass es sich um kein eigenständiges Werk handle, sondern noch um eine Bearbeitung des letztjährigen Sieger-Songs, also ein Plagiat. Daraufhin hatte der NDR zur Klärung dieser Frage ein musikwissenschaftliches Gutachten in Auftrag gegeben, das zu dem Ergebnis kommt, es handle sich nicht um eine Bearbeitung, sondern um eine neue, eigenständige Komposition; lediglich würde es sich bei dem Cascada-Song um stilistische Ähnlichkeiten zum Sieger-Song von 2012 handeln, die Arrangements würden nur eine „oberflächliche Berührung ohne urheberrechtlichen Belang“ aufweisen. Auch hier könnte letztlich wieder nur ein Gericht entscheiden, ob es sich nun um ein Plagiat oder eine eigenständige „Neu-Schöpfung“ handelt. Sie sehen: Musikrecht lebt, und es gibt viel Spielraum für Diskussion und Interpretation.

Auf den Punkt gebracht

  • Für das reine Nachspielen (=covern) von Originalen ist keine Zustimmung der Original-Urheber erforderlich
  • Wer nicht nur nachspielt, sondern ein Original verändert, der benötigt die Zustimmung der Original-Urheber
  • Die Ähnlichkeit eines neuen Werkes mit einem vorbestehenden Werk bedeutet nicht unbedingt, dass das vorbestehende Werk bearbeitet wurde
  • Die Entscheidung, ob es sich bei einem Werk schon oder noch um eine zustimmungspflichtige Bearbeitung handelt oder nicht, kann letztlich nur von einem Gericht getroffen werden