Bösendorfer gewährt Blick hinter die Kulissen Anlässlich der Vorstellung des Konzertflügels 280VC

Premiere bei Bösendorfer: In Wien wurde der neue Konzertflügel 280VC Vienna Concert vorgestellt – eine gute Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der traditionsreichen Piano-Manufaktur zu werfen. Zudem im Interview: Sabine Grubmüller, die neue Geschäftsführerin von Bösendorfer.

Ferdinand Bräu, Chefkonstrukteur bei Bösendorfer, erläutert Details der Konstruktion und Fertigungsmethoden (Foto: Lepsifoto).

Wien im Oktober: Die historischen Kasematten des Palais Coburg bilden die Kulisse für die Bösendorfer-Präsentation, zu der Journalisten aus der ganzen Welt in die österreichische Hauptstadt gereist sind. Kein Wunder, denn der traditionsreiche Hersteller hatte nichts weniger als „den Konzertflügel für das 21. Jahrhundert“ versprochen. Mit seinen Qualitäten soll das Modell 280VC die komplette Bandbreite von Kammer­musik bis zum Klavierkonzert mit großem Orchester abdecken, von Klassik über Jazz bis zur Popmusik. Dann die Premiere: Gemeinsam mit der neuen Bösendorfer-Chefin Sabine Grubmüller zieht Grand­seigneur Paul Badura-Skoda das goldene Tuch vom Instrument und gibt unter Blitzlichtgewitter den Blick auf den neuen Konzertflügel frei. Doch bevor dieser zum ersten Mal erklingt, betritt Ferdinand Bräu die Bühne. Er ist Senior Product Designer, der 280VC Vienna Concert sein „Baby“: Jahrelang habe er mit einem Team von Klavierbaumeistern und Pianisten am neuen Konzept gearbeitet, dabei auch moderne CAD-Fertigungsverfahren in den traditionellen Flügelbau integriert, erklärt Bräu und lobt den „typisch singenden, farbenreichen und warmen Klangcharakter des Instruments, erweitert durch eine kraftvolle, dynamische Tonentwicklung“. Die akustische Realität dieser Aussage
unterstreichen Paul Badura-Skoda und die junge Pianistin Nareh Arghamanyan durch ihr facetten­reiches Spiel.

Mit dem Reisebus zur Manufaktur

Ortswechsel: Seit vielen Jahren ist Bösendorfer nicht mehr direkt in Wien ansässig (wenn man von einer Verkaufsausstellung im Musikverein absieht), sondern vor den Toren der Metropole in Wiener Neustadt. Um der Piano-Manufaktur einen Besuch abzustatten, müssen wir knapp 60 Kilometer mit dem Reisebus zurücklegen. Ziel ist ein schmuckloses Industrieviertel, das wenig gemeinsam hat mit dem Glanz internationaler Konzertsäle, die der Bösendorfer 280VC künftig mit seinem edlen Klang füllen soll. Hervor sticht allerdings das moderne, erst 2010 eröffnete Auswahlzentrum; von dort startet die Tour durch die Manufaktur.

Fürs erste zeigt Ferdinand Bräu den primären Rohstoff eines jeden Bösendorfers: das Holz. Auf dem 4.500 Quadratmeter großen Hof der Manufaktur liegen hunderte Meter Fichtenholz, akribisch nach Art und Alter sortiert. Für die Fertigung kommen ausnahmslos im Winter gefällte Bäume aus den österreichischen Alpen zur Verarbeitung: Der niedrige Feuchtigkeitsanteil des Holzes zu dieser Jahreszeit ist ideal. Auch spielt die Fällhöhe von mindestens 800 Metern über dem Meeresspiegel eine wichtige Rolle: Nur so können sehr enge Jahresringstrukturen erzielt werden, die durch ihre besondere Stabilität einen großen Beitrag zum Klang liefern. Neben dem Fichtenholz werden vor allem Rotbuche, Ahorn, Weißbuche, Linde und Erle verwendet. Wenn das Holz fünf Jahre auf dem Gelände getrocknet ist, beträgt seine Feuchtigkeit noch etwa 12 Prozent. In einem speziellen Trocknungsraum wird die Feuchtigkeit im Anschluss auf 7 bis 8 Prozent weiter reduziert. Das Holz hat nun die perfekte Beschaffenheit für den Instrumentenbau.

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