Bösendorfer Konzertflügel 280VC: Neue Spitze

Mit seinem neuen Modell 280VC entwickelt Bösendorfer den traditionellen Konzertflügel in vielen Details weiter – mit dem Ziel, der Marke Bösendorfer im inter­nationalen Konzertbetrieb zu noch mehr Präsenz zu verhelfen. Denn an der Spitze ist die Luft bekanntlich dünn.

Bösendorfer Model 280 VC
Eine weiterent­wickelte Mechanik und ein neues Tastatur-Design sollen für
eine verbesserte Ansprache mit mehr Möglichkeiten zur Nuancierung seitens der Spielers sorgen. (Foto: Bösendorfer)

Der Schein trügt: Während elektronische Tasteninstrumente aufgrund der schnellen Entwicklung bei den Prozessoren, Speichern und Sampling-Verfahren alle paar Jahre durch ein besseres Nachfolgemodell ersetzt werden, gelten Konzertflügel quasi als zeitlos. Doch auch hier ändern sich über die Jahre die Anforderungen an ein professionelles Instrument. So steht heute beispielsweise mehr romantische Musik auf den Konzert­programmen, gespielt von größeren Orchestern als früher. Da müssen auch die Hersteller von Konzertflügeln reagieren. Mit seinem neuen Modell 280VC (Vienna Concert) hat der Hersteller Bösendorfer dies nun getan und präsentiert ein Instrument, das gezielt für den zeitgemäßen Konzertbetrieb entwickelt wurde. Es soll dem typischen Bösendorfer-Klang treu bleiben und sich mit seiner Klangstärke im Konzertbetrieb des 21. Jahrhunderts behaupten.

Eine Frage der Resonanz

Das Herz eines Flügels ist der Resonanzboden. Er ist maßgeblich für Klang, Dynamik und Tonlänge verantwortlich. Von besonderer Bedeutung ist dabei das Verhältnis von Saitendruck und Wölbung des Bodens. Ferdinand Bräu, Chef-Konstrukteur bei Bösendorfer, verdeutlicht dies mit einem Vergleich aus der Architektur: „Vor rund 100 Jahren baute man geradlinige Häuser, heute dominieren organisch-fließende Formen.“ Genauso verhält es sich mit einem modernen Resonanzboden, der eben anders gearbeitet ist als einer von früher. Möglich wurde die detailgenaue Planung und Optimierung durch Computerberechnungen und 3D-Simula­tionen. Während Klavierbauer früher empirisch arbeiteten, d.h. durch Ausprobieren ihr Instrument Stück für Stück weiterentwickelten, übernimmt diese Optimierung heute immer öfter die Simula­tion. Für das 280er-Modell bedeutet dies: Der Neue bietet eine stärkere Projektion, ein größeres Dynamikspektrum und ist geeignet für eine breitere Stilpalette. Gerade die Projektion ist ein wichtiger Faktor, denn bei einem unverstärkten Klavierkonzert mit großem Orchester will immerhin ein großer Saal akustisch ausgefüllt werden.

Worauf es wirklich ankommt

Um überhaupt zu wissen, worauf es Musikern heute ankommt, ist der Kontakt zu den Künstlern unverzichtbar. So entsteht ein aktuelles Bild der Bedürfnisse, die der Hersteller seinen Planungen zugrunde legen kann. An erster Stelle steht hier eine gute Projektion. Nicht nur laut, sondern auch durchsetzungsfähig sollte ein gutes Instrument sein, damit es sich mit seiner klanglichen Struktur gut von anderen Instrumenten abhebt und im Live-Konzert besser zur Geltung kommen kann. Da der Konzertbetrieb heute eher kurzfristig organisiert ist – d.h. der Künstler hat nicht viel Zeit, sich auf ein vor­handenes Instrument einzustellen –, werden Instrumente mit bestimmten Standards gewünscht, sodass ein Musiker in etwa weiß, was auf ihn zukommt. Auch ein reaktionsfreudiges Instrument kommt dem Spieler entgegen – immerhin ist die Klavierliteratur anstrengend und erfordert mitunter einen großen Körpereinsatz. Und auch die Stimmstabilität ist ein wichtiges Thema, denn Konzert­flügel wechseln oft den Raum bzw. die Bühne.

Statement

Ferdinand Bräu

Ferdinand Bräu, Chefkonstrukteur bei Bösendorfer: „Der Kernpunkt ist, dass wir den typischen Bösendorfer-Klang, der sich durch Wärme und Farbenreichtum auszeichnet, weiter entwickelt haben. Die extrem aktive akustische Anlage des 280er – damit meine ich die Gesamtheit aller Komponenten wie Resonanzboden, Rippen, Stege und so weiter – bietet einen enormen Wirkungsgrad, der eine breite Palette an Klangfarben und dynamischen Abstufungen ermöglicht. In dieser Konsequenz lässt sich das nur realisieren, wenn man von vornherein dreidimensional konstruieren kann. Deshalb sind 3D-basiert CAD-Konstruktion und CNC-unterstützte Fertigungstechnologie beim neuen Konzertflügel noch wichtiger als bei anderen Bösendorfern.“

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