Bugari Evo Haria P41 im Test: Digitale Evolution

Der italienische Akkordeonbauer Bugari baut das digitale Akkordeon Evo Haria P41. Die Digitaltechnik ist von Roland lizenziert, dennoch hat das Instrument einen ganz eigenen Charakter. Ist es so zukunftsweisend wie es der Serienname Evo – für Evolution – nahelegt?

Bugari steigt in die Produktion digitaler Akkordeons ein: Die Serie heißt Evo und besteht aus derzeit zwei Instrumenten – dem Knopfakkordeon Evo Haria B55 und dem Tastenmodell Evo Haria P41. Letzteres stellt sich dem Praxistest. Und der wirft unter anderem die Frage auf, ob das Bugari-Instrument tatsächlich die aktuelle Spitze der Evolution im Akkordeonbau darstellt, wie es das Kürzel „Evo“ als Namensgeber der Akkordeonserie nahelegt.

Die Evolution des Akkordeons beginnt spätestens mit dem ersten Patent von 1829. Seit damals kann das Instrument per Knopfdruck einen vollständigen Akkord wiedergeben; die Ära der Begleitautomatik beginnt. Mittels orgelähnlicher Register, die zur Nachbildung eines sinfonischen Klangapparats heranreifen, wird dieses Ur-Homekeyboard populär und prägt die Volksmusik vieler Länder. Mit Tasten statt Knöpfen für die rechte Hand wird das Ak­kordeon zunehmend auch für Pianisten attraktiv. Während es in der Tanzmusik aber schon von den E-Orgeln zurückgedrängt wird, entsteht zeitgleich eine konzertante Originalliteratur, welche die einzigartigen Möglichkeiten des Akkordeons voll ausschöpft. Seither führt es ein Doppelleben – als tradiertes Volks-/Popmusik-Instrument einerseits und als „Geheimwaffe“ eines kleineren Insiderkreises andererseits. Dank Digitaltechnik stehen inzwischen neue Anwendungsmöglichkeiten bereit, die zusätzlich für Aufmerksamkeit sorgen und sich po­sitiv auf das Image der gesamtem Instrumenten­gattung auswirken können.

Bedienoberfläche

Ganz an die Funktionsweise akustischer Akkordeons angelehnt, kommt das Bugari Evo Haria P41 mit sieben Registerdrückern links, 14 Registerdrückern rechts, drei Kinnregistern und dem so genannten „Palm Switch“, auch „Master Bar“ genannt. Da 

alle Klänge intern digital erzeugt werden, können die Register für jedes der 100 möglichen Sets in­dividuell belegt werden, für die beiden Orchester-Sektionen rechts sogar doppelt mit je 28 Sounds. Die zu registrierende Sektion lässt sich schnell mit Knöpfen über dem Registerbrett auswählen und layern. Rechts sind möglich: Akkordeon + Orchester1 + Orchester2 oder Orgel. Links kann man einstellen: Standardbass/Einzeltonbass-Akkordeon + zusätzliche Sounds je für die Grundbassreihen und Akkorde/Einzeltöne.

Die Bedienoberfläche hebt die Bugari-Evo-Digi­talakkordeons von ihrer akustischen Verwandtschaft ab: Hier findet man vier Dreh-Potis für die vier Effektprozessoren, ein Steuerfeld der internen Loop-Funktion und des Audio-Players. Der dazugehörige USB-Schacht für Wiedergabe/Aufnahme ist unsichtbar an der Rückseite vor dem Spielerbauch eingelassen. Weiter gibt es ein Drehrädchen und vier Taster zum Editieren auf dem Farbdisplay, das für den Zuschauer ebenfalls unsichtbar oben eingebaut ist. Ein Knopf, um den Diskant in ein Bass­akkordeon zu verwandeln, ein Zuschalter für Drumsounds und das User-Programmmenü als kraftvolles Feature für den Live-Betrieb vervollständigen die Bedienelemente.

Großartige Möglichkeiten für Arrangement und Performance ergeben sich daraus, dass sich eine Momentaufnahme der kompletten im Set vorgenommenen Klangkonfiguration in einem von 1400 User-Programmen speichern lässt. Das Testinstrument – zur Verfügung gestellt von Mister Music – bietet mit den hauseigenen Presets bereits eine breite stilistische Palette, sodass ohne Programmieraufwand musiziert werden kann. Diese User-Programme können in Listen sortiert, ex- und importiert werden und lassen sich mit den zuweisbaren Kinnregistern oder dem kompatiblen Fußpedal 

Roland FC-300 durchzappen. Mit Hilfe von Kinn­registern können überdies Modulation, Pitchbend, Rotary etc. oder externe Steuerbefehle für jedes Set zugewiesen werden, so dass sich die Finger ganz dem Akkordeonspielen widmen können. Beide Hände können anschlagdynamisch spielen; auf Aftertouch an der Tastatur wurde allerdings verzichtet. Stattdessen übernimmt der „Palm Switch“ diese Funktion.

Fazit

Bei Bugaris Evolution geht es nicht um den Kampf ums Überleben. Das Digitalakkordeon Evo Haria P41 erschließt vielmehr einen neuen Interessentenkreis, indem es Barrieren einreißt, die klassische Akkordeonspieler oft abschrecken, den Eintritt in die Welt elektronischer Musik zu wagen. Keyboarder und Entertainer bekommen mit dem Bugari Evo Haria P41 einen ausdrucksstarken, vielseitigen und beweglichen Controller, der die Brücke schlägt vom modernen Keyboarding zum ursprünglich Handgemachten. Damit steht Bugari neben dem V-Accordion-Erfinder Roland an der Spitze einer innovativen Bewegung, die dem Akkordeon neues Leben einhaucht und ihm Aussicht auf einen Platz im Zentrum der aktuellen Popkultur bieten kann. Knopfakkordeonspieler finden im Bugari Haria B55 den passenden Partner.

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