CD-Veröffentlichung trotz ausgeschiedener Band-Mitglieder

In diesem Workshop zeigen wir Ihnen an einem Fallbeispiel, wie wichtig es ist, für eine CD-Veröffentlichung alle Rechte abzuklären.

Zwei Musiker (A und B) wandten sich mit dieser Fragestellung an mich: Als Duo machten sie seit einigen Jahren gemeinsam Musik. Später wurde die Formation um zwei Musiker (X und Y) erweitert. Nun wurde gemeinsam ein Album aufgenommen; die Kosten trugen jedoch die Musiker A und B alleine. Kurz nachdem die Aufnahmen abgeschlossen waren, haben allerdings die Musiker X und Y nach einem Streit die Band verlassen. Nun hatten die Musiker A und B Sorge, wie es um die rechtliche Situation bezüglich der Aufnahmen stand: Kann diese in der vorliegenden Situation kommerziell verwertet werden oder können Musiker X und Y die Verwertung verbieten? Müssen A und B die Musiker X und Y an den Erlösen beteiligen?

Grundsätzlich benötigt man alle erforderlichen Rechte, um eine ungestörte Auswertung von Ton-Aufnahmen durchführen zu können: dies sind insbesondere die Leistungsschutzrechte des Tonträgerherstellers, die Leistungsschutzrechte der ausübenden Künstler (Musiker) und die Urherberrechte des Komponisten und des Texters.

Leistungsschutzrechte des Tonträgerherstellers: In unserem Beispiel organisieren und finanzieren die Musiker A und B die Aufnahme. Sie sind deshalb Inhaber der Leistungsschutzrechte des Tonträgerherstellers.

Leistungsschutzrechte der ausübenden Künstler: Fraglich ist es, wie es um die Leistungsschutzrechte der Musiker X und Y steht: X und Y haben nach dem Gesetz die Rechte an den von ihren musikalischen Darbietungen gemachten Aufnahmen erworben. Diese Rechte benötigen A und B jedoch, um die Aufnahme auswerten zu können.

In einem solchen Fall kommt es darauf an, welche Absprachen von A und B mit den Musikern X und Y bezüglich der Aufnahmen getroffen wurden. Wenn klar war, dass die Aufnahmen kommerziell verwertet werden sollen, wäre es unlauter, wenn X und Y eine kommerzielle Verwertung verhindern wollten. Anders könnte es aussehen, wenn X und Y nur davon ausgingen, man mache die Aufnahmen nur für das eigene, rein private Vergnügen, ohne dass diese Aufnahmen je die Öffentlichkeit erreichten. Und so weiter. Es kommt also immer auf die konkreten Umstände des jeweiligen Einzelfalls an.

Lösung für das Dilemma

Wenn es nun zum Streit kommt, muss jede Partei die ihr günstigen Tatsachen beweisen. Das bedeutet: Für A und B wäre es sehr hilfreich, wenn sie belegen könnten, dass eine kommerzielle Auswertung geplant war. Hier kann beispielsweise auch ein E-Mail-Verkehr hilfreich sein. Falls es keinerlei Dokumentation über die Absprachen gibt, kann es womöglich unangenehm werden.
Allerdings ist es häufig so, dass man sich zwar über diese Themen streitet, dass aber tatsächlich jemand ernst macht und gegen die Verwertung solcher Aufnahmen vorgeht, ist dann doch eher die Ausnahme. Dennoch gilt der dringende Rat: Wenn man schon Geld in die Hand nimmt und eine Aufnahme finanziert, sollte man von Anfang an all diese Fragen klären.

Wie es sich in dem vorliegenden Fallbeispiel mit den Rechten der Urheber verhält, besprechen wir im nächsten Rechts-Workshop in der tastenwelt-Ausgabe 4/14.