Cornelius Vogel im Interview: Mixing über ein Apple iPad

Cornelius Vogel betreibt ein Unternehmen für Veranstaltungstechnik und betreut Künstler und Kunden in ganz Deutschland und Europa. Wir sprachen mit ihm über seinen Einsatz auf der Frankfurter Musikmesse 2016, wo er die Jamiroquai Groove Section über sein iPad mixte.

 

Cornelius Vogel und Jamiroquai Groove Section
Funk vom Feinsten präsentierte die Jamiroquai Groove Section am Stand von Yamaha auf der Frankfurter Musikmesse 2016. Cornelius Vogel mischte die Jamiroquai Groove Section über sein Apple iPad. (Fotos: Karl Stechl)

Auf der Musikmesse haben Sie für Yamaha die Jamiroquai Groove Section per iPad gemischt. Auf welches Mischpult haben Sie dabei zugegriffen?

Für die Main Stage habe ich ein Yamaha TF5 mit NY64D-Dante-Karte benutzt, außerdem drei digitale Stageboxen vom Typ Yamaha TIO1608D.

Wurde die Verbindung zwischen iPad und Mischpult direkt aufgebaut oder kam weiteres Equipment zum Einsatz?

Es wurde zusätzlich ein W-LAN-Router eingesetzt, ein TP-Link Archer C5 AC1200 W-LAN Dual-Band-Gigabit-Router (802.11b/g/n/ac, 1200 Mbit/s)

Was ist Ihrer Meinung nach der Vorteil beim Mixen über das iPad?

Zwei Punkte sind entscheidend: Erstens kann das Mischpult irgendwo im Raum stehen (z. B. neben der Bühne), und man kann zum Sound machen mit dem iPad eine ideale Hörposition einnehmen. Zweitens kann man zum Monitormischen direkt neben dem Musiker auf der Bühne stehen und die Monitorwünsche erfüllen. Eine nicht mehr wegzudenkende Erleichterung des Mixing-Alltags. Aber auch Bands, die keine Person am Mischpult haben, sind so in der Lage, den Sound viel effizienter und besser einzustellen. Musiker können ihren Mix z.B. direkt an ihrer Spielposition erstellen und auch während des Spielens optimieren.

Kennen Sie ein Beispiel aus der Praxis?

Im Herbst war ich mit Klaus Lage und Band auf Tour. Wir haben für FOH (Saalmix) und Monitoring ein Yamaha CL5 benutzt. Kanal 1 bis 32 waren Kanäle für FOH, Kanal 33 bis 64 für Monitoring. Es wurden 32 Mic-Preamps benutzt und im Mischpult doppelt aufgelegt. Ich habe immer mit einem iPad die Anpassung an die Halle gemacht. Die fünfköpfige Band war an jeder Position mit einem iPad ausgestattet, und jeder Musiker konnte während des Soundchecks und der Show seinen eigenen Monitormix machen. Das Ergebnis war hervorragend. Um die W-LAN-Verbindung sicherer zu machen, habe ich auf der Bühne einen Repeater eingesetzt.

Mit welchen Schwierigkeiten muss man rechnen?

Das häufigste Problem sind W-LAN-Abbrüche. Deshalb ist darauf zu achten, dass der W-LAN-Router die Frequenzbänder 2.4 GHz  sowie 5 GHz unterstützt.

Über welche Distanz klappt Ihrer Erfahrung nach die drahtlose Verbindung zwischen iPad und Mischpult ohne Probleme?

Das hängt vom Raum ab. Ich habe schon sichere Verbindungen bei Distanzen von 100 m gehabt, aber auch schon Probleme bei 30 m.

Sind oder werden die Knöpfe und Fader an Digitalmischpulten jetzt überflüssig?

Nein, definitiv nicht. Für den den professionellen Einsatz gilt jedenfalls: Eine Hardware-Oberfläche garantiert die Betriebssicherheit, die hier benötigt wird.