Die Hobbypianistin und ihr Bösendorfer: Der Traum vom Flügel

Warum investiert jemand eine hohe fünfstellige Summe in einen Flügel, obwohl das Interesse am Klavierspielen rein privater Natur ist? Dr. Katharina Zeitvogel, Ärztin im Ruhestand, hat’s getan – ihren Traum verwirklicht und einen Bösendorfer Modell 155 gekauft.

Eigentlich müsste dieser Artikel in Wiener Neustadt beginnen. An einem herrlichen Samstagmorgen, als Frau Dr. Katharina Zeitvogel das erste Mal „ihren Bösendorfer“ sieht. Im Auswahlzentrum der Bösendorfer Manufaktur tritt sie an das Instrument heran, spielt ein paar Takte, und weiß sofort: „Der oder keiner!“.

Die Kieferorthopädin im Ruhestand hat zu dieser Zeit schon viele Klaviere und Flügel gespielt, aber mit diesem Piano kommt sofort eine besondere Verbindung zustande. Zuerst die optische Anziehung und nach den ersten Tönen auch die klangliche – genauso sollte ihr Flügel sein. Der Beginn einer Leidenschaft. Und der Beginn einer langen Grübelei, die jeder kennt, der schon einmal in einer vergleichbaren Situation war. „Soll ich wirklich? Ist es das wert?“

Lange Gespräche mit dem Ehemann. Der, humorvoll und direkt, bringt es auf den Punkt: „Mach’s doch einfach, das Leben ist kurz.“ Als das nicht gleich greift, macht er ihr Mut: „Das hast du dir doch immer gewünscht“. Damit trifft er den richtigen Ton. Der Zauber des Instruments und die Aufmunterung durch den Gatten verfehlen ihre Wirkung nicht. Nach einer Nacht ohne Schlaf ruft sie Dr. Peter von Seherr-Thoss, Sales and Marketing Manager Europe bei Bösendorfer, an und bestellt beim ihm genau dieses Instrument: einen Bösendorfer Modell 155 Mignon mit SH Silent System. Aktueller Listenpreis: 78.910 Euro.

Als Kind keine Lust auf Gitarre

Ortstermin Würzburg, viele Monate später. Bei strahlendem Sonnenschein treffe ich, zusammen mit einem Fotografen, in der unterfränkischen Metropole ein. Unser Ziel ist ein schmuckes Einfamilienhaus in guter Lage. Katharina Zeitvogel und ihr Ehemann begrüßen uns in bester Laune. Wir setzen uns ins Wohnzimmer mit direktem Blick auf den „Lebenstraum-Flügel“, dessen Besitzerin einiges zu erzählen hat.

Die Leidenschaft für das Klavierspielen habe sich bei ihr schon als Kind geregt, erinnert sich Katharina Zeitvogel, doch aufgrund der beengten Wohnverhältnisse der Nachkriegszeit war buchstäblich kein Platz für diese Passion. „Man hat mir eine Gitarre in die Hand gedrückt, aber die konnte ich nicht leiden“, lacht Katharina Zeitvogel. „Erst als ich schon zum Medizinstudium in Würzburg war, gab es in meinem Elternhaus ein Klavier.“

So blieb der Wunsch, Klavier zu spielen, weiter ein Traum. Als sie dann ihre eigene kieferorthopädische Praxis eröffnete, fehlte zunächst die Zeit, das Instrument von Grund auf zu lernen. Die Jahre vergingen: „Irgendwann hatte ich eine Freundin in der Praxis, die mir vom Klavierunterricht ihrer Kinder berichtete – und dass der Lehrer noch Stunden frei habe.“ So mietete sie sich kurzerhand ein Bechstein-Klavier und begann mit dem Unterricht.

Der Funke springt über

Den ersten Kontakt zu Bösendorfer hatte Katharina Zeitvogel über einen der so genannten Piano-Docs-Klavierkurse, die der Hersteller regelmäßig für Mediziner veranstaltet. „Ich habe die Einladung sehr lange und sehr oft in der Hand gehabt“, erzählt sie. „Auf der einen Seite hatte ich große Lust, auf der anderen Seite stand in dem Schreiben etwas von einem gemeinsamen Konzert.“ Sie lacht. Das erste Mal vor Publikum spielen kostet Überwindung – und dass dieses Konzert auch noch gleich im Bösendorfer Saal im Mozarthaus Wien stattfindet, baut zusätzlich Druck auf.

„Und doch habe ich zugesagt – ein wirklich tolles Erlebnis.“ Das war 2011, mittlerweile ist Katharina Zeitvogel Wiederholungstäterin. „Mir hat Bösendorfer mit seiner Geschichte und der beeindruckenden Manufaktur von Anfang an gefallen.“ Der Funke springt über. Doch von ihrem Bechstein Flügel mag sie sich noch nicht trennen. „Ich habe eine so üble Zeit durchgemacht und verbinde viele schöne Erlebnisse mit diesem Instrument, das gibt man nicht einfach weg“, sagt sie.

Das Festhalten am 2-Meter-Flügel wird erstmals ins Wanken gebracht, als Katharina Zeitvogel die Silent-Piano-Technik kennenlernt. „Ich wollte auch mal nur für mich spielen. Man gibt ja selbst beim Üben sehr viel von sich selber preis“, sinniert sie. Auch wenn sie im gleichen Zug ihren toleranten Ehemann lobt, der sich bisher zu keiner Tages- und Nachtzeit beschwert habe, war ihr dieses exponierte Spielen nicht immer recht.

Entscheidung nie bereut

Die Wahl fiel zunächst auf ein Digitalpiano, das dem Flügel zur Seite gestellt wurde, aber im direkten Vergleich nicht überzeugen konnte. „Der Anschlag war zäh, es war einfach nicht dasselbe“, urteilt sie im Rückblick. Dann las sie das erste Mal vom Bösendorfer Modell 155, dem kleinsten Flügel im Portfolio des Herstellers, zugleich dem ersten Modell, das mit der Silent-Piano-Technik ausgestattet wurde.

2013 fuhr sie wieder nach Wien, um ein weiteres Mal an einem Piano-Docs-Seminar teilzunehmen. „Ich dachte mir damals, wenn da dieses neue Modell steht, dann spiele ich den doch mal.“ Dr. Peter von Seherr-Thoss ermöglicht ihr eine ganze Stunde alleine im Auswahlzentrum. Danach ist sie sich sicher, ihr Instrument gefunden zu haben. „Der Bösendorfer hatte einfach diesen warmen, weichen Klang.“ Und nun sind wir wieder beim Beginn unserer Geschichte.

Ich frage sie, ob sie es jemals bereut hat, sich diesen Traum zu erfüllen. „Nein, niemals“, sagt sie sofort. Man hätte das Budget ja in eine sehr schöne, lange Reise investieren können. „Aber die Reise ist trotzdem schnell vorbei, und der Bösendorfer steht hier – und ich habe täglich meine Freude.“

Info: Mediziner als Musiker

Angeblich spielen rund zwei Drittel der Mediziner ein Musikinstrument. Bei Bösendorfer hat man deshalb schon vor Jahren eine spezielle Seminarreihe ins Leben gerufen – die „Bösendorfer Piano Music Docs Klavierkurse“. Mit Wolfgang Ellenberger fand man den idealen Seminarleiter: Ellenberger ist selbst Mediziner und zugleich professioneller Konzertpianist. Und er hat die Gabe, Menschen für das Instrument zu motivieren und ihnen vielfältige Techniken für einen gelungenen Auftritt zu vermitteln. Darüberhinaus mischt Bösendorfer die Reise nach Wien mit einem gemeinsamen Konzertbesuch, einer Manufakturbesichtigung in Wiener Neustadt, dem heutigen Sitz des Unternehmens, sowie Stunden des Übens. Gekrönt wird das Ganze durch ein gemeinsames Konzert, um das Gelernte zu präsentieren. Besucherinnen und Besucher sind dabei durchaus Wiederholungstäter: Die Seminare sind immer schnell ausgebucht; Interessierte sollten sich bereits früh einen Platz sichern. Der nächste Kurs findet vom 6. bis 9. Oktober in Wien statt. Weitere Informationen: http://docs.boesendorfer.com

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