Digitalpiano Casio Celviano Grand Hybrid GP-500BP im Test: Aufsteiger des Jahres

Erstmals bietet Casio ein Digitalpiano in der 4000-Euro-Klasse an – mit Top-Samples und neuer Holztastatur hat man auch Profi-Pianisten im Blick. Welchen Gesamteindruck hinterlässt das GP-500BP im Test?

Casio GP-500 von vorne
Betrachtet man das GP-500 direkt von vorne, könnte man fast annehmen, man habe einen echten Flügel vor sich. (Foto: Casio)

Das Auge wird magisch angezogen vom großen Messingschild, vorne am neuen Celviano Grand Hybrid, das auf die Zusammenarbeit mit dem deutschen Pianohersteller C. Bechstein hinweist. Fast könnte man den dezenten Casio-Schriftzug am Notenständer übersehen. Gepflegtes Understatement offenbar, denn faktisch gäbe es keinen Grund, sich hinter dem Namen der tradi­tionsreichen Pianomanufaktur zu verstecken. Den größten Teil der Entwicklungsarbeit hat der japanische Hersteller geleistet. Und kooperiert wurde in erster Linie beim Klangdesign des neuen Piano-Samples „Berlin Grand“, für das der große C.Bechstein-Konzertflügel D282 als akustische Vorlage diente. Ob die Qualitäten des Pianos in Kombina­tion mit der neu entwickelten Holztastatur ausreichen, um anspruchsvollen Pianisten einen Wechsel von der akustischen zur digitalen Klangerzeugung schmackhaft zu machen, zeigt dieser Test.

Outfit

Betrachtet man das GP-500 direkt von vorne, könnte man tatsächlich annehmen, man habe einen echten Flügel vor sich. Das schwarze Hochglanzfinish, die Konsolenbeine mit Messingapplikationen und ein Klavierdeckel, der nach dem Öffnen eine plane Fläche hinter der Tastatur bildet, sorgen für ein sehr elegantes Erscheinungsbild.

Die obere Abdeckung lässt sich aufklappen und gibt durch eine Plexiglasscheibe den Blick auf die Hammerköpfe frei. Das Auge hört bekanntlich mit, und auch bei einem echten Flügel sieht man im Augenwinkel die Bewegung der Mechanik. Der Klavierdeckel lässt sich in drei Positionen arretieren. Leider ist der Mechanismus etwas fummelig und halb hinter dem Notenpult versteckt, so dass man einige Versuche benötigt, um den Deckel wieder zu schließen. Das Notenpult ist groß genug für mehrere Seiten. Wegklappen oder den Neigungswinkel verändern geht leider nicht; das Pult wird aufgesteckt und lässt sich nur komplett entfernen.

Links von der Tastatur befindet sich die Bedien­einheit mit Powerbutton und vierzeiligem LC-Display, auf der rechten Seite findet man den Lautstärkeregler. Unterhalb des Spieltisches, mittig in einer schwarzen Box, sind zusätzliche Anschlussbuchsen platziert – jeweils zwei 6,3-mm-Klinkenbuchsen (Line-in und Line-out R/L), zwei MIDI-Buchsen (in/out) und ein USB-Port für die Verbindung zum Computer. Die zwei Kopfhörerbuchsen findet man nur nach längerem Suchen, da sie an der Unterseite des Spieltisches versenkt eingebaut sind. Hier wäre eine kleine Box, die man schnell ertasten kann, die bessere Lösung.

Alle Einstellungen erfolgen mit dem relativ kleinen Bedienpanel links neben der Tastatur. Das vierzeilige LC-Display lässt sich gut ablesen und stellt ausreichend Informationen zur Verfügung. Mit den darunter liegenden Cursor-Tastern muss man sich bei den vielfältigen Einstellmöglichkeiten aber durch das ein oder andere Menü wühlen. Eine App, um die Bedienung per Handy oder Tablet zu ermöglichen, gibt es bei Casio bis jetzt noch nicht. Die Menüs sind aber übersichtlich strukturiert, sodass man sich schnell orientieren kann. Die Hauptklänge lassen sich mit drei Tastern praktischerweise direkt anwählen.

Casio GP-300 leicht schräg
Die Concert-Play-Funktion gibt dem Spieler beim Casio GP-500 die Möglichkeit, mit einem Orchester zu spielen. Hierfür stehen Live-Aufnahmen eines echten Orchesters bereit. (Foto: Casio)

Die Klavierklänge sind bestens gelungen. Im direkten Vergleich zeigen sie ganz unterschiedliche Charaktere und empfehlen sich dadurch für unterschiedliche Stilistiken. Ganz hervorragend ist die Ansprache der Klänge im Piano- und Pianissimo-Bereich. Da haben die Techniker von Casio bei der Abstimmung von Tastatur und Klang ganze Arbeit geleistet. Von allen Klängen gibt es zwei Varianten („Mellow“ und „Bright“), wobei letztere prinzipiell sehr scharf geraten ist und sich nur für akustisch besonders dumpfe Räume mit viel Teppichboden eignen.

Insgesamt zehn Parameter der AiR-Klangerzeugung (Acoustic and intelligent Resonator) lassen sich verändern. Dazu gehören die Resonanzen der hohen Saiten, das Schwingungsverhalten der un­gedämpften Saiten bei gedrücktem Haltepedal, die Resonanzen der Duplexskala sowie diverse Tasten- und Spielgeräusche, auch die Öffnung des Gehäusedeckels. Neben der Werksvoreinstellung (Default) und Off gibt es zehn Intensitätsstufen für jeden Parameter; der Gehäusedeckel lässt sich in vier Stufen öffnen. Die Klangveränderungen, die diese Parameter bewirken, reichen von sehr subtil (Key-on/off Action Noise) bis deutlich wahrnehmbar (Lid-Position, Open-String Resonanz) und ermöglichen eine sehr individuelle Klanggestaltung. Hat man einmal seine Lieblingseinstellung gefunden, kann man diese zusammen mit zusätzlichen Parametern (Hall, Brillanz) als Klangszene auf insgesamt zehn Speicherplätzen sichern.

Zusätzlich zu den drei Hauptklängen und deren Variationen finden sich auf den Programmplätzen 10–15 sechs weitere Pianoklänge, die entsprechend der angepeilten Genres wie Rock, Dance oder Honky Tonk eher etwas schrill und blechern klingen. Besonders gut gelungen sind die E-Pianos, Orgeln, Streicher, Bass- und Padsounds, die das GP-500 auf den Programmplätzen 16–35 in ausreichender Anzahl zur Verfügung stellt.

Soundsystem

Ein 3-Wege-Lautsprechersystem mit sechs Lautsprechern, von denen zwei nach oben und vier nach unten abstrahlen, sorgt für einen satten und druckvollen Klang. Die Anordnung der Lautsprecher simuliert die Klangentwicklung eines akustischen Flügels. Das heißt, der Klang des Resonanzbodens, der hauptsächlich von unten kommt, wird auch von den entsprechenden Lautsprechern übertragen.

Mit dem klappbaren Gehäusedeckel lässt sich die Präsenz der oberen Lautsprecher beeinflussen. Bei geöffnetem Deckel wird der Klang räumlicher und brillanter. Das Soundsystem überträgt die insgesamt große dynamische Bandbreite der Klavierklänge absolut souverän.

Info: Casio GP-300 - Die feinen Unterschiede

Für 2799 Euro bietet Casio den kleineren Bruder des GP-500 an: Das GP-300 verfügt nur über 26 Sounds, die drei Pianoklänge Berlin, Hamburg und Vienna Grand sind aber mit an Bord. Abstriche muss man bei der Simulation der Saitenresonanzen machen, was sich im direkten Vergleich mit dem großen Bruder durchaus bemerkbar macht. Die Klänge verfügen aber über das gleiche Dynamikspektrum und die gute Ansprache bei leisem Spiel. Nicht verfügbar ist dagegen die Szenen-Funktion. Das GP-300 ist nur in Mattschwarz erhältlich.

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