Ein Digitalflügel Alpha Grand für Prince: Purple Pain

Einen purpurfarbenen Digitalflügel von Alpha Pianos wollte Prince auf seiner Europatournee 2016 „Piano And A Microphone“ spielen. Das Instrument stand kurz vor der Auslieferung, als der Künstler am 21. April überraschend verstarb. Ein schmerzhaftes Ereignis für die Fangemeinde, ein GAU für Mario Aiwasian, den Chef von Alpha Pianos.

Alpha Pianos Alpha Grand
2016 wollte Prince nur mit einem Piano auf Tour gehen – der Alpha Grand als Begleiter war bereits bestellt. (Foto: Markus Nass für Studio F. A. Porsche)

Der österreichische Hersteller Alpha Pianos hat sich in der Popwelt längst einen Namen gemacht: Die mit kompletter Flügeltastatur ausgestatteten Hybridpianos vom Typ Alpha Studio überzeugten bereits Künstler wie Lenny Kravitz, Roger Hodgson, Chick Corea und Konstantin Wecker. Auch Poplegende Prince hätte gerne ein Instrument von Alpha Pianos gespielt, doch leider wurde daraus nichts.

Zur Vorgeschichte: Anfang November 2015 konkretisierten sich die Gerüchte um eine große Europatour von Prince. Unter dem Motto „Piano And A Microphone“ wollte sich der Künstler nicht wie üblich mit Band, sondern solo am Klavier präsentieren. Zum Auftakt der Tour sollte Prince am 24. November im Wiener Konzerthaus spielen, doch nach den Terroranschlägen in Paris am 13. November wurde das Konzert abgesagt, die Tour auf unbestimmte Zeit verschoben.

Ebenfalls im November fand in Wien die Audio-Messe „klangBilder“ statt, wo Alpha-Pianos-Chef Mario Aiwasian einen Manager von Schubert Music Publishing kennenlernte. Schubert nimmt als Sub-Verleger in Europa die Verlagsrechte vieler Prince-Titel wahr. „Zudem war der Verlagsmanager früher mal Tourmanager bei Prince“, erinnert sich Mario Aiwasian. „Er hat mir erklärt, dass Prince ein neues Piano für die geplante Wiederaufnahme der Europatournee suche. Und er hat versprochen, den Kontakt zum Management herzustellen.“ Offenbar mit Erfolg, denn Aiwasian bekam nach kurzer Zeit ein positives Feedback.

„Ich habe dann ein neues Piano-Modell in die Diskussion gebracht, das eigentlich erst ein Jahr später auf den Markt kommen sollte“, erklärt Mario Aiwasian. „Ich meine den Alpha Grand, ein Alpha Piano in Flügelform, auf drei Beinen und mit 97 Tasten nach dem Vorbild des Bösendorfer Imperial.“ Als Klanglieferant sollte die Vienna Symphonic Library zum Einsatz kommen. Und das Gehäuse wünschte sich „Mr. Purple Rain“ natürlich violett lackiert. Kein Problem für Mario Aiwasian: „Wir haben auf die Schnelle Computer-Renderings gemacht, an das Management geschickt und ein OK bekommen. Mit dem Neustart der Europatour hätte folglich auch das Alpha Grand auf der Bühne gestanden.“

Bereits im Februar war das Instrument so gut wie spielfertig: „Was wir noch offen gelassen haben“, ergänzt Mario Aiwasian, „waren Kleinigkeiten – welche Farbe beispielsweise die Drehknöpfe am Gerät haben sollten. Auch war zu diesem Zeitpunkt noch unklar, ob die Klangerzeugung direkt in das Instrument eingebaut oder auf einen externen Rechner ausgelagert werden sollte.“ Mit dem unerwarteten Tod von Prince, am 21. April, zerplatzten Mario Aiwasians Träume von der Zusammenarbeit mit einem der größten Helden der Popmusik neben Zappa und Jackson.

Der Alpha-Pianos-Chef sinniert: „Als die ganze Welt über den Tod von Prince berichtete und wir das Piano bei uns im Lager hatten, war das schon ein komisches Gefühl. Irgendwie sind wir aber froh, dass wir ein Instrument für ihn bauen und somit Teil seiner Geschichte werden durften“. Was ihn zudem positiv stimmt: „Inzwischen haben sich nicht nur für das Prince-Piano verschiedene Interessenten gemeldet, sondern auch für einen Alpha Grand aus der Serienproduktion.“ Die soll im Dezember dieses Jahres anlaufen; den Preis für den neuen Digitalflügel beziffert Aiwasian mit etwa 40.000 Euro.