Im Test: Gesangsmikrofone Electro-Voice ND76, 76S, ND86 und ND96

Vier Gesangsmikrofone findet man in der neuen ND-Mikrofonserie von Electro-Voice. Alle sind mit starken Neodymmagneten ausgestattet, um hohe Signalpegel zu produzieren. Was ND76/76S, ND86 und ND96 sonst noch drauf haben, zeigt unser Test.

Erfolg und den erklärten Willen, Produkte weiterzuentwickeln kann man auch in Jahren messen: 1984 brachte Electro-Voice mit der N/DYM-Mikrofonserie die ersten Mikrofone mit Neodym-Magneten auf den Markt – das ist 32 Jahre her. 2016 heißt die jüngste Weiterentwicklung ND-Serie. Allen gemeinsam ist ein überdurchschnittlich starkes Ausgangssignal, dank des Einsatzes starker Magnete. Wir haben die Gesangsmikrofone ND76/76S, ND86 und ND96 unter die Lupe genommen und ausprobiert, welche Vorteile die Technologie für den praktischen Einsatz bringt.

Alle Mikrofone der neuen ND-Serie werden in Kartons geliefert, die neben einer Polsterung den zum Mikrofon passenden Mikrofon-Clip zur Stativmontage beinhalten. Das Mikrofon selbst ist zusätzlich durch eine widerstandsfähige, gepolsterte Tasche geschützt, deren langer Reißverschluss sich bequem öffnen lässt. Das mattschwarz/silberne Design verleiht den ND-Mikrofonen eine edle Anmutung, und die Verarbeitung gibt keinerlei Anlass zur Kritik. Der Mikrofonschaft besteht jeweils aus robustem Zink-Druckguss und ist mit mattschwarzem Polyurethanlack beschichtet.

Herz der ND-Mikrofone ist eine von Electro-Voice neu entwickelte Neodym-Großmembrankapsel. Sie ist eine Weiterentwicklung der Kapsel aus der N/DYM-Serie und soll laut Hersteller noch bessere akustische Eigenschaften mitbringen. Die Kapsel wird geschützt durch einen stabilen engmaschigen Memraflex-Grill, der dem Mikrofon auch bei rauem Bühnen-Einsatz ein langes Leben ohne sichtbare Schäden bescheren soll.

Alle vier Gesangsmikrofone sind dynamisch und kommen deshalb ohne zusätzliche Stromversorgung aus. Für die Orientierung innerhalb der Modellbezeichnungen gibt es eine einfache Regel: Ist die Modellnummer größer als 70, handelt es sich um ein Gesangsmikrofon, kleinere Numern stehen für Instrumentalmikrofone.

ND76

Das erste Gesangsmikrofon aus der Serie ist demzufolge das ND76, ein Allround-Mikrofon mit einem klaren und ausgewogenen Klangbild, das sowohl für männliche, als auch für weibliche Gesangsstimmen zu empfehlen ist. In der Nahbesprechung erweitert sich der Frequenzgang nach unten bis zu hörbaren 30 Hz, wobei die Sprachverständlichkeit durch den etwas betonten Hochtonbereich trotzdem gut erhalten bleibt. Der Mittenbereich, auf den das menschliche Gehör besonders sensibel reagiert, ist etwas abgesenkt und sorgt so für einen angenehmen, gut auflösenden Gesamtklang des Mikrofons.

Die neu entwickelte Neodym-Kapsel mit ihrer Mylar-Großmembran verfügt über hervorragende akustische Eigenschaften. Die große Membranfläche ermöglicht eine gute Wiedergabe des gesamten Frequenzbereichs, und das sehr leichte Mylar-Material liefert eine schnelle Ansprache der Membran und daher ein sehr gutes Impulsverhalten. Die Verwendung einer Doppelschwingspule sorgt für den so genannten „Humbucking-Effekt“, der das Mikrofon gegenüber elektromagnetischen Einstreuungen durch in der Nähe befindliche Wechselstromleitungen oder Lautsprecher unempfindlich macht. Zusätzlich liefert die Neodym-Magnet-Technologie ein ungewöhnlich starkes Ausgangssignal, das auch bei längeren Kabeln ohne nennenswerte Klangverluste am Mischpult ankommt. Dort muss der Vorverstärker aufgrund des kräftigen Signals nicht so hoch aufgedreht werden, was wiederum zu reduziertem Grundrauschen und geringerer Feedback-Empfindlichkeit führt.

Vibrationen oder Griffgeräusche werden durch eine neu entwickelte Vier-Punkt-Aufhängung mit einer pneumatischen Auflage des Kapselbodens sehr effektiv unterdrückt. Im Einsprechkorb wird die Kapsel zusätzlich zum engmaschigen Geflecht durch eine Schaumstoffauflage vor Feuchtigkeit geschützt. Eine zusätzliche Lage aus Wasser abweisendem Gewebe über der Kapsel bildet eine weitere Hürde gegen Feuchtigkeit und soll das Leben der Mikrofonkapsel verlängern, ohne Klangverluste herbeizuführen.

Die ausgeprägte Nierencharakteristik schirmt das Mikrofon gegen seitlich oder von hinten auftreffende Nebengeräusche anderer Stimmen oder Instrumente gut ab. Kurzum: Das ND76 eignet sich durch seine robuste Bauweise hervorragend für den professionellen Live-Einsatz auf der Bühne und liefert ein sauberes, kräftiges Signal, das akustisch lebendig, gut verständlich und ausgewogen klingt.

Das ND76S ist als Modellvariante mit einem Ein-/Aus-Schalter versehen. Abgesehen vom Schiebeschalter am Schaft ist es aber baugleich mit dem ND76, alle übrigen Aussagen treffen also ohne Abstriche auch hier zu. Der Schaltvorgang selbst erfolgt ohne hörbare Nebengeräusche.

ND86

Das High-Performance-Mikrofon ND86 wurde speziell für den Einsatz in großen Räumen konzipiert. Die Super-Nieren-Charakteristik bündelt die von vorne kommende Stimme noch besser als die Niere beim ND76 und schirmt sie optimal gegen andere Audiosignale auf der Bühne ab. Ansonsten besitzt das ND86 das gleiche innovative Innenleben wie die kleineren Geschwister. Auch das ND86 verfügt über einen erweiterten Frequenzgang bis zu 30 Hz im unteren Grenzbereich bei Nahbesprechung. Dank angehobener Höhen sind auch dann immer noch eine sehr gute Sprachverständlichkeit und ein angenehmer Gesamtklang gegeben.

Die Pegel am Mischpult sind – wie in der ganzen Mikrofonserie – erstklassig. Besonders fällt beim ND86 noch seine hohe Rückkopplungssicherheit auf, die wohl ein Nebeneffekt der Super-Nieren-Charakteristik ist. Insgesamt besticht das Mikrofon durch seinen herausragenden vollen, runden Klang, der durch crispe, angenehme Höhen glänzt und sich durch seine hervorragenden Klangeigenschaften in jedem Mix durchsetzt.

ND96

Das ND96 hat einen speziell abgeflachten Memraflex-Korb, damit die Stimme noch näher an die Membran rücken kann. Wie die Bauweise schon verrät, richtet sich dieses Mikrofon besonders an Sänger, die oft auf sehr lauten Bühnen auftreten und daher gezielt und häufig den Nahbesprechungseffekt nutzen, um ihrer Stimme hohen Druck und das entsprechende Volumen im unteren Frequenzbereich zu geben. Die gesamte Konzeption des ND96 zielt auf besonders hohe Rückkopplungssicherheit bei extremen Lautstärken.

Willkommenes Extra: Da beispielsweise im Rock- und Metal-Genre meist die Gitarren den unteren Mittenbereich für sich beanspruchen, bietet das ND96 einen extra zuschaltbaren Frequenzfilter, der gerade diesen Bereich bei der Stimme etwas absenkt, dafür aber im oberen Mittenbereich die Vocals umso präsenter erklingen lässt. Natürlich lässt sich auch eine lineare Frequenzeinstellung wählen, wenn dieser kleine Kunstgriff nicht benötigt oder gewollt wird. Damit die Frequenzumschaltung nicht versehentlich passiert, ist der Schalter versenkt in den Mikrofonschaft eingelassen.

Ansonsten kann das ND86 mit allen positiven Eigenschaften punkten, die auch beim ND76, ND76S und beim ND86 zu finden sind. Insgesamt ist das ND96 ein Mikrofon, mit dem man den Sänger oder die Sängerin im Gesamtmix der Band gut „nach vorne“ bringen kann.

Fazit

Electro-Voice sichert sich mit den Gesangsmikrofonen der ND-Serie einen festen Platz auf der Live-Bühne. Ein sehr günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis, eine erstklassige Verarbeitung und nicht zuletzt überzeugende Soundergebnisse sprechen für alle vier Testkandidaten: ND76, ND76S, ND86 und ND96. Auch der hohe Signalpegel bei gleichzeitig geringem Rauschen und die hohe Rückkopplungsfestigkeit überzeugen. Wie gut die Mikrofone zu Ihrer Stimmlage passen, müssen Sie allerdings selbst ausprobieren.

Wertung

+ Natürlicher und runder Klang

+ Hohe Signalstärke

+ Geringe Empfindlichkeit gegenüber elektromag. Einstreuung

+ Design und Verarbeitung