Interview Klaus Gassmann: Ein ehemaliger SAP-Manager produziert Music-Shows

Der ehemalige SAP-Manager Klaus Gassmann hat zum Ausklang seiner Berufskarriere einen persönlichen Lebenstraum verwirklicht: Er produziert mit 50 Künstlern hochkarätige Shows rund um die Soul-Musik. Ein Interview zum Thema, warum man schon ein wenig verrückt sein sollte, um Erfolg im Leben zu haben.

 

Produzent Klaus Gassmann spielt bei einigen seiner Shows auch selbst als Saxofonist mit. (Foto: Q-Agency AG)

Klaus Gassmann, Sie haben sich mit Ihren Music-Shows komplett der Soulmusik verschrieben. Warum?

Mit 14 habe ich angefangen, Gitarre zu spielen. Das war 1962, die Zeit der Beatles und Stones. Mitte der 1960er Jahre schwappte dann zum ersten Mal die Soulwelle nach Deutschland rüber. Ich hab’ damals viel den amerikanischen Radiosender AFN gehört.

Das haben sicher viele gemacht, aber nicht jeder wurde damit zum Soulfan. Warum Sie?

1967 kamen erstmals die großen Soulkünstler nach Europa. Da habe ich zum ersten Mal Wilson Pickett in der Jahrhunderthalle in Höchst erlebt. Die Musik hat mir vorher schon super gefallen, aber als ich gesehen habe, was da live auf der Bühne abgeht, war für mich klar: Jetzt mach’ ich nur noch Soul!

Das hieß damals wohl: Soul als wichtigsteFreizeitbeschäftigung?

Zunächst war ich ja noch Schüler. Anschließend habe ich eine Lehre gemacht und danach studiert. Das war einer der ersten Kombi-Studiengänge, den es in Deutschland gab: BWL und EDV nannte man das damals. Später wurde ich Manager bei SAP. Musik habe ich immer nebenberuflich gemacht.

Was war Ihr erster Schritt nach dem Wilson-Pickett-Konzert?

Den Montag darauf bin ich in das Musikhaus Metz in Weinheim gestürmt und habe mir ein Saxofon samt Grifftabelle gekauft; ein paar Monate später hatte ich schon eine Soulband. Saxofon habe ich ebenso autodidaktisch gelernt wie Gitarre.

Sind Sie mit der Band auch öffentlich aufgetreten?

Klar, wir sind innerhalb Deutschlands durch die amerikanischen Clubs getingelt. Die Band hieß „United 6“, aber aus den sechs Mitgliedern sind schnell 10 bis 12 geworden, weil das die Soulmusik halt brauchte. Später wurde daraus die Gruppe „Soulfinger“, und die gibt’s bis heute.

Wie wurde Soulmusik bei uns angenommen?

In der zweiten Hälfte der 60er Jahre war Soulmusik total in, auch hier in Deutschland. Die Beatmusik war am Abklingen, und die Soulmusik hat diesen Raum besetzt. Interessant ist ja auch, dass Beatles, Stones & Co. ursprünglich mit schwarzer Musik angefangen hatten. Die haben viele Songs von Soulsängern nach­gespielt.

Beispiele?

Denken Sie an „Money (that’s what I want)“ von Barrett Strong – das war der erste Hit des Motown-Labels, den haben sowohl die Beatles als auch die Stones auf ihren ersten LPs ge­covert. „Do you love me“ von „The Contours“ wurde von den Beatles ebenso adaptiert wie „Please Mr. Postman“, die Debut-Single der Marvelettes.

Wie hat sich aus einer Soulband die „Sweet Soul Music Revue“ entwickelt?

Bis 2009 war das ein anspruchsvolles Hobby. Mit dem Vorteil aus heutiger Sicht, dass ich schon damals US-amerikanische Sänger und Sängerinnen kennengelernt und als Gäste zu Auftritten eingeladen habe. Sie stammten aus dem großen Fundus der Metropol-Regionen Rhein-Neckar, Rhein-Main und Kaiserslautern, wo viele Amerikaner stationiert waren. In Heidelberg befand sich damals das European Headquarter der US Army.

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