Interview mit Mario Aiwasian zum MPiano und zur Zukunft von Tastaturen

Der österreichische Hersteller Alpha Pianos präsentiert mit dem MPiano seine Version eines Masterkeyboards für die Zukunft. Bereits zur Musikmesse 2015 angekündigt, soll es in diesem Jahr konkrete Form annehmen. Wir sprachen mit Alpha-Pianos-Chef Mario Aiwasian über das „mechatronische“ Tastaturkonzept und die technischen Hürden, die bei der Entwicklung zu überwinden waren.

Mario Aiwasian
Mario Aiwasian, Geschäftsführer Alpha Pianos (Foto: Christian Modler)

Auf Ihrer Website erklären Sie den Namen des MPianos, demnach steht M für „mechatronisch“. Was meinen Sie damit?

Man kann sich das so vorstellen, dass unter jeder Taste ein mechatronisches Element steckt, das der Taste einen einstellbaren Widerstand bzw. eine Gegenkraft verleiht, damit der Keyboarder das Gefühl hat, die Taste ändere sich in ihrer Gewichtung – und zwar physikalisch und nicht alleine über die Anschlagdynamik, wie man das von konventionellen Keyboards kennt.

Kann man das mechatronische Element in wenigen Worten beschreiben?

Wir verwenden ein Federelement mit „Form­gedächtnislegierung“, kurz FGL. Gemeint ist eine Legierung auf der Feder, die sich durch Ändern einer anliegenden elektrischen Spannung in ihrer Härte ändert. Oder genauer: Durch Variieren der Spannung ändert sich die Temperatur, dadurch zieht sich das Material zusammen oder dehnt sich aus. Für den Keyboarder ändert sich das Spiel­gefühl deutlich in Richtung härter oder weicher.

Wie bzw. wo sind Sie auf diese Idee gekommen?

Beim Zahnarzt. Denn der macht sich die gleiche Technik bei Wurzelbehandlungen zunutze: Der Bohrer muss zunächst weich sein, um durch die feinen Wurzelkanäle zu gelangen. Am Ziel angelangt, wird er verstellt – dann ist er wieder hart und kann bohren. Allerdings kennt diese
Feder nur zwei Zustände: hart und weich.

Wieviele Härtestufen sind beim MPiano möglich?

Wesentlich mehr – wir haben uns für acht Stufen entschieden. Ich denke, dass wir damit eine gute Bandbreite anbieten können. Theoretisch wäre es aber ausbaufähig.

Was bietet diese Tastatur sonst, was eine normale Tastatur nicht kann? Lässt sich das Spielgefühl beschreiben?

Die Taste ist 40 cm lang, etwa wie bei einer Kirchenorgel, und am hinteren Ende gelagert. Das heißt, sie hat einen anderen Hebel als eine normale Taste. Der Tastenhub entspricht mit etwa einem Zentimeter einer Flügeltastatur, daran schließt sich eine für den Aftertouch genutzte Wegstrecke von 6 mm an.

Kann man das MPiano so einstellen, dass sich der Eindruck einer Flügelmechanik ergibt, oder ist das gar nicht gewollt?

Aufgrund der Federmechanik und des nach hinten verschobenen Drehpunkts kann man den Eindruck gewinnen, es handle sich um eine Flügelmechanik. Doch will das MPiano nicht nur Flügel sein – dafür haben wir das Alpha Piano. Das MPiano soll sich als neuartiges Instrument profilieren, als Multitalent, das sich jeder Situation anpasst.

Hat die Tastatur einen Druckpunkt?

Ja, beim Übergang vom normalen Tastenhub zum Aftertouch-Bereich ergibt sich ein Druckpunkt.

Wie kann man sich das Spielgefühl bei der leichtesten Einstellung der MPiano-Tastatur vorstellen?

So wie bei einer typischen Keyboard- oder Synthesizer-Tastatur: ganz leichte Tasten, die schnell wieder zurück kommen. Das ist auch wichtig, wenn man mit der Tastatur Percussion-Instrumente oder sonstige Sounds mit schnellem Attack spielen will. In diesem Fall sollte die Taste möglichst schnell repetieren.

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