Interview Ralph Siegel: Mr. Hitproduzent

Im März dieses Jahres wurde Ralph Siegels Musical „Johnny Blue“ im tschechischen Brünn uraufgeführt – die Erfüllung eines Lebens­traums für Siegel (hier mit Drehbuchautor und Regisseur Stanislav Moša).

Wenn Ralph Siegel Muße hat, setzt er sich auch gerne mal an den Flügel zum Spielen. (Foto: Michael Tinnefeld)

Herr Siegel, Sie sind jetzt 70. Was ist Ihr Fazit nach Jahrzehnten im Musikgeschäft? Ist alles vielleicht zu schnelllebig geworden?

Alles ändert sich im Leben – teils zum Guten, manches ist aber auch gewöhnungsbedürftig oder sogar unerfreulich. Schnelllebiger bedeutet leider auch Abnützung und Wegwerfprodukte, die nur ein kurzes Leben erfahren. Chart rein, Chart raus und vergessen – next!

Können Sie das präzisieren?

In Massen produzierte Titel, die durch Computereinheitsbrei sowie formatgerechte Sounds und Grooves in ihrer Ähnlichkeit kaum noch zu unterscheiden sind, dann im Internet bzw. auf Youtube und in anderen Portalen angeboten werden, machen es dem einzelnen Künstler mehr als schwer, seine individuelle kreative Vorstellung von Liedern und Darbietungen an die Öffentlichkeit zu bringen.

Hat das Internet nicht auch vielfältige Platt­formen für Musiker geschaffen, um sich zu präsentieren? Und wird das Musik-Business dadurch nicht vielseitiger und spannender?

Das Internet ersetzt die verlorene deutschsprachige Radio- und Fernsehlandschaft nicht: Zwei oder drei Sendungen, wie „Die Feste“ von Florian Silbereisen und Carmen-Nebel-Shows, reichen einfach nicht aus, um neuen Talenten eine Bühne für ganz Deutschland zu ermöglichen. Vielseitiger ja und nein, denn das Formatdenken engt die ­eigentlich vorhandene Vielseitigkeit ein. Spannender nur in der Hinsicht, dass man nicht mehr weiß, wie lange sich deutsche Autoren und Komponisten noch entwickeln, ihren Lebensunterhalt verdienen und ihren Beruf professionell ausüben können, ohne dabei zu Grunde zu gehen.

Was unterscheidet Ihrer Meinung nach die Künstler Ihrer Anfangszeit von heutigen?

Eigentlich recht wenig. Künstler müssen etwas können und die Möglichkeit erhalten, sich zu entwickeln. Videodrehs erleichtern und verschleiern Vieles, aber die Wahrheit der Begabung zeigt sich spätestens bei einem Live-Auftritt auf der Bühne. Allerdings scheint in den alten Tagen die Intelligenz der Interpreten und Produzenten weitaus größer gewesen zu sein, denn fast alle sangen in ihrer Muttersprache und waren somit glaubwürdig, ehrlicher und eben auch authentischer, somit besser. Ausnahmen gab es zu allen Zeiten, nur selten aber in einer Fremdsprache und das nur mit „One-Hit-Wonders“.

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