Klavier lernen zu jeder Zeit mit Skoove

Klavier lernen steht bei vielen Menschen hoch im Kurs. Damit die erste Hürde leichter zu nehmen ist, hat Dr. Florian Plenge zusammen mit Stephan Schulz die Lernplattform Skoove geschaffen. Die dort angebotenen interaktiven Klavierkurse wurden von Dominik Schirmer entwickelt. Mehr über das Online-Kurskonzept, die Didaktik dahinter und das Klavierüben im Allgemeinen verraten sie im Interview.

Was findet man in Skoove?

Florian Plenge (FP): Skoove ist ein komplettes interaktives Kursangebot, das sich an die Spieler anpasst und ihnen Feedback gibt. Es handelt sich quasi um einen virtuellen Klavierlehrer. Wir haben die Plattform für Anfänger und Wiedereinsteiger konzipiert, die Klavier lernen wollen. Man lernt hier alle Fähigkeiten, die man beim Klavierspielen so braucht: Noten lesen, Musiktheorie und Technik. Vor allem aber geht es darum, Melodien zu spielen. Unser Anspruch ist es, den einfachsten Weg für einen Anfänger zu entwickeln, um ins Klavierspielen einzusteigen und schnell Erfolge und Spaß zu haben.

Wie sind die Kurse aufgebaut?

Dominik Schirmer (DS): Wir haben ein ausgefeiltes didaktisches Konzept hinter den Kursen. Es gibt zum Beispiel Beginnerkurse für den absoluten Einsteiger, der noch nie ein Tasteninstrument gespielt hat. Die Kurse bauen aufeinander auf, und wir verwenden darin bekannte Melodien. Das hat den Vorteil, dass die Lernenden schon vorher wissen, wie ein Stück klingen soll. Diese Melodien sind extra so arrangiert, dass sie ein Beginner spielen kann. Es gibt aber auch Melodien, die für Fortgeschrittene arrangiert sind. So werden die Spieler an die Hand genommen und bekommen Technik und Musiktheorie vermittelt. Dabei wird besonders Wert gelegt auf das Üben und die Konsolidierung des Erlernten.

FP: Im Moment haben wir zehn Kurse und fügen etwa jeden Monat einen Kurs hinzu. Jeder Kurs besteht aus etwa 20 Lektionen. Jede Lektion kann man in etwa einer Viertel- bis halben Stunde absolvieren. Man sollte aber natürlich noch länger üben, bis das Gelernte internalisiert ist. Enthalten ist eine schöne Mischung aus klassischen Stücken und aktuellen Sachen aus verschiedenen Genres. In jedem Kurs versuchen wir, breite Angebote zu machen.

Findet man in den einzelnen Lektionen des Skoove-Kurssystems vollständige Spielstücke oder werden mitunter auch nur Melodiefragmente erarbeitet?

DS: In den 20 Lektionen eines Kurses werden die Klavierstücke teilweise auseinander genommen und dann Teil für Teil eingeübt, bevor das Stück schließlich wieder zusammengesetzt wird. Innerhalb einer Lektion werden die Hände erst einmal einzeln geübt und dann zusammengeführt, sodass nach und nach der gesamte Song sicher gespielt wird.

FP: Am Anfang sind das natürlich keine ganzen Stücke, sondern typischerweise der Refrain oder die bekanntesten Teile. Später im Kurs werden das dann ganze Stücke.

In der Software der Lernplattform sieht man Noten und Hände. Bekommt man auch Erklärungen in Form von Texten oder Videos angezeigt?

FP: Das stimmt: Man sieht die Noten und die Hände von oben, so dass sich die Technik erschließt. In jeder Lektion wird man durch mehrere Schritte geleitet und bekommt bei jedem Schritt Erklärungen durch Pop-ups. Das können Erklärungen zur Technik, zur Musiktheorie oder zum Fingersatz sein. Der Clou am Ganzen ist, dass die gelernte Theorie praktisch im Song-Arrangement verarbeitet ist, so dass die Theorie nicht Theorie bleibt, sondern gleich in die Praxis umgesetzt wird.

Die Software überprüft ja quasi die Fortschritte der Spieler. Welche Aspekte können dabei analysiert werden?

FP: Das hängt auch davon ab, wie weit man im Kurs ist. Im Übrigen ist das auch ein Thema, das wir kontinuierlich weiterentwickeln. Der aktuelle Stand ist, dass wir Feedback geben, ob die gespielten Noten richtig sind und ob das Tempo passt.

Auf der Skoove-Homepage steht, dass die Kurse nach den neuesten musikpädagogischen Erkenntnissen gestaltet seien. Welche sind diese Erkenntnisse?

DS: Es geht gerade darum, wie man übt. Das Schlagwort heißt: Synapsen-Konsolidierung. Im so genannten Wartemodus unserer App stellen wir sicher, dass die Lernenden erst dann weiterspielen, wenn sie die Noten richtig gespielt haben. Dadurch sorgt die Plattform für ein sehr effektives Lernen, weil man sich im Grunde nichts Falsches beibringen kann.

Wie das?

DS: Zu jeder gespielten Note wird ein Feedback gegeben, ob sie richtig oder falsch ist. In diesem Wartemodus kann man nicht weiterspielen, ohne dass man korrigiert wird – und zwar sofort. So füttern wir das Gehirn nur mit richtigen Informationen – den gewollten Informationen, die sich dann praktisch konsolidieren können. Die Software achtet darauf, dass sich Fehler nicht einschleichen können, weil dem Gehirn nur das geliefert wird, was es auch wirklich lernen soll.

FP: Die Grundmethode nennen wir: listen, learn and play. Es wird dabei immer erst die Melodie über das Gehör internalisiert. Dann folgt das Üben im Wartemodus, das Ganze fest zu verdrahten. Im letzten Schritt wird alles zusammengeführt und auch im richtigen Tempo gespielt, und dann bekommt man auch noch einmal Feedback, ob man das richtig gemacht hat oder nicht.

Auf welche Aspekte hat man selbst Einfluss? Kann man selbst bestimmen, wie langsam man übt?

FP: Unsere Maxime ist Einfachheit. Es ist schon kompliziert genug, Klavier zu lernen. Und weil wir alles so einfach wie möglich machen wollen, machen wir uns auch möglichst viele Gedanken, was für die Lernenden genau das Richtige ist. Wir wollen also immer eher weniger Möglichkeiten bieten, als mehr. Wir richten uns ja vor allem an Anfänger und Wiedereinsteiger, und für die ist es generell eine Überforderung, das richtige Tempo zu wählen. Deswegen legen wir das fest. Für die Fortgeschrittenen wird es dann immer wichtiger, das Tempo auch selbst einstellen zu können.

Wenn ein Kurs aus 20 Lektionen besteht: Wird dann ein Stück in 20 Häppchen gelernt oder findet man hier 20 verschiedene Stücke?

DS: Momentan werden meist fünf bis sechs Songs pro Kurs erarbeitet. Diese sind in unterschiedliche Portionen aufgeteilt. In den Anfängerkursen sind es außerdem keine kompletten Songs, sondern eher die Refrains. Da lernt man in ein bis zwei Lektionen den gesamten Refrain.

In der Übe-Theorie wird das Üben von Varianten empfohlen: Tonleitern z.B. nicht nur gleichmäßig, sondern auch mal punktiert usw. Sind Varianten auch im Skoove-Kurssystem berücksichtigt?

FP: In den Fortgeschrittenen-Lektionen und -Kursen werden auch verschiedene Interpretationsmöglichkeiten thematisiert – zum Beispiel Staccato- oder Legato-Spiel und Akzentuierungen. Den Lernenden wird dann freigestellt, wie sie Stücke interpretieren können. Das ist aber – wie gesagt – erst ein Thema für die Leute, die schon weiter sind. Für die Anfänger sollte man diese Variablen sicher weglassen, um sie nicht zu verwirren.

Von welcher Übefrequenz geht die Software aus bzw. welche wird auf der Plattform empfohlen?

FP: Wir geben die Empfehlung, täglich mindestens eine Viertelstunde zu spielen. Über die Auswertung der Daten können wir außerdem sagen, dass unsere Anwender im Moment durchschnittlich 75 Minuten pro Woche mit der App spielen. Wie viel sie daneben noch ohne die App spielen, wissen wir natürlich nicht. Das finden wir einen ganz hervorragenden Wert und bestätigt unsere Annahmen, bevor wir Skoove gebaut haben.

Betreiben Sie auch anderweitige Nutzerforschung?

Nach dem ersten Monat haben wir Anfänger eingeladen, um die Applikation bei uns auszuprobieren. Wir laden auch jetzt noch immer wieder Leute ein, die wir vor unser System setzen und ihnen dann über die Schulter schauen. Für mich als Konzepter ist die frappierendste Erkenntnis, wie oft und wie lange die Leute üben. Es macht ihnen einfach sehr viel Spaß, mit dieser Applikation zu üben. Das ist extrem auffällig. Leute vor einem Notenblatt haben nicht annähernd die gleiche Beharrlichkeit, immer wieder dasselbe Stück zu üben, wie sie das mit so einer Software machen.

Gibt es zusätzliche Anreize wie etwa ein Punktesystem für absolvierte Übe-Einheiten?

FP: Im Moment gibt es das nicht. Ich glaube sogar, dass es das gar nicht braucht. Die Leute sind auch so durch ein tolles Instrument und die Applikation motiviert und ganz besonders auch durch den Lernerfolg.

DS: Unsere Methodik und Didaktik ist auf Erfolgserlebnisse ausgelegt. Anwender bestätigen uns, dass sie die Melodien wiedererkennen – und zwar so wie sie sie spielen. Dadurch fühlen sie sich motiviert, weiterzuspielen und weiter zu lernen. Als Musiklehrer sehe ich, dass sich die Leute Neuem öffnen und sich darauf freuen zu spielen. Sie lernen besser, weil die Frustration extrem niedrig ist. Und durch die Erfolgserlebnisse entsteht der Wunsch, wieder mit Skoove zu spielen und neue Erfolgserlebnisse zu haben.

Welches Feedback bekommen Sie sonst noch von Anwendern?

DS: Die Anwender schätzen, dass sie dann üben können, wenn sie Lust darauf haben, und dass sie in diesem Moment auch immer begleitet sind, ständig Feedback bekommen. Das ist beim konventionellen Musikunterricht nicht immer der Fall. Da bekommt man nur Feedback, wenn man in der Stunde beim Lehrer sitzt und nicht mehr dann, wenn man wirklich übt. Bei uns ist das anders. Da ist das immer ein begleitetes Üben.

Die Software nimmt mir also etwas von der Selbstverantwortung beim Üben ab und gibt mir das Feedback, vor dem man sich selbst gerne drückt, vor allem, wenn es um eine ehrliche Betrachtung der eigenen Leistung geht.

DS: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Und weil die Leute mit der Software, die ihnen das Feedback gibt, alleine sind, verlieren sie teilweise auch die Scham, etwas Falsches zu spielen. Oder Sie haben einen Song schon zwölfmal gespielt, und es hakt noch an einer Stelle: Dann können Sie sich selbst helfen, mit dieser Software besser zu werden.

FP: Wir hören oft, das sei der geduldigste Lehrer der Welt. Wir glauben nicht an ein Highscoring, sondern an ausführliche Feedbacks, denn es motiviert auch schon, wenn man direkt erfährt: Das und das hat schon super geklappt, aber an dieser und jener Stelle kannst du noch besser werden, deshalb mach’ doch noch diese Übung oder spiele doch noch mal in diesem Modus! Wir glauben, dass das der entscheidende Faktor ist, den die Leute suchen: ein sehr reiches Feedback. Deshalb wird diese Funktion auch noch größer werden.

Da wäre es doch praktisch, wenn man in der App auch gleich ein Übe-Tagebuch führen könnte, in dem man auflistet und nachschauen kann, was in der letzten Zeit gut geklappt hat und woran man noch arbeiten muss.

FP: Das ist eine super Idee, und ist auch nach vorne schauend für mich besonders spannend. Das Stichwort dazu heißt ‚learning contract’. Dabei schließt man mit sich selbst einen Vertrag, in den man festlegt, wie viel man lernen möchte. Das gibt es noch nicht als Funktion bei uns, aber der ganze Reigen an motivatorischen Tools ist für uns sehr spannend. Da werden wir in Zukunft noch einiges ausprobieren.