Interview: „Wir haben jetzt ein Piano für Profis“

Im Anschluss an die Casio-Pressekonferenz im Stilwerk Berlin stellten sich führende Köpfe des Unter­nehmens den Fragen der tastenwelt-Redaktion: Kazuhiro Kashio, President & Chief Operating Officer, Hiroshi Nakamura, Senior Executive Officer & Member of the Board sowie Hitoshi Ando, Executive Officer und Senior General Manager, Electronic Musical Instruments Division.

Gesprächspartner im tastenwelt-Interview
Gesprächspartner im tastenwelt-Interview: Hiroshi Nakamura (ganz links), Kazuhiro Kashio (Mitte, mit Übersetzerin) und Hitoshi Ando (ganz rechts). (Foto: Gunther Matejka)

Herr Kashio, haben Sie selbst eine persönliche Beziehung zur Musik?

Kazuhiro Kashio: Als Kind habe ich Klavier spielen gelernt. Zwei Jahre, bevor ich zum COO ernannt wurde, waren meine Aufgaben im Musik- bzw. Endkundenbereich angesiedelt. Es hat mich fasziniert, wie viele Leute man damit erreichen kann – und wie weit diese Sparte gehen kann. Bei Casio legen wir viel Wert auf die Musiksparte.

Wann gab es die Initialzündung zur Kooperation mit C.Bechstein?

Hitoshi Ando: Das ist ziemlich genau ein Jahr her – und fand am gleichen Ort statt: Wir waren im letzten Juli hier im Stilwerk Berlin bei C. Bechstein und haben der Unternehmensführung die Idee einer Zusammenarbeit vorgeschlagen. Das war der Anfang.

Es gibt noch andere Pianohersteller mit Tradition und Weltruf. Warum Bechstein?

Hiroshi Nakamura: C. Bechstein ist weltbekannt als Hersteller von akustischen Klavieren und Flügeln. Aber die Firma ist auch für ihre Innovationskraft bekannt; das Unternehmen hat auch fundierte Kenntnisse über digitale Technik. Ich persönlich bewundere C.Bechstein schon seit mehreren Jahren, deshalb war die Firma mein persönlicher Wunschpartner. Ich liebe den Ton ihrer Instrumente. Dass die Firma gegenüber digitaler Technik offen ist, war natürlich sehr hilfreich und eine gute Basis für die Zusammenarbeit.

Das Celviano Grand Hybrid soll – so hörte man in der Pressekonferenz – ein neues Kapitel in der Geschichte von Casio aufschlagen. Können Sie das genauer begründen?

Hiroshi Nakamura: Digitalpianos der Marke Celviano haben wir seit vielen Jahren im Programm. Tatsächlich hatten wir bei unseren bisherigen Entwicklungen aber vorrangig ein Preisniveau bis etwa 2000 Dollar im Auge. 2003 haben wir dann das erste Privia-Modell vorgestellt, das zu dieser Zeit zu den kleinsten und leichtesten Digitalpianos gehörte. Dieses Mal war es Herrn Andos großes Ziel, ein Digitalpiano sozusagen als authentisches Piano zu entwickeln. Er trägt diese Idee schon seit mehr als fünf Jahren mit sich herum. Konkretisiert wurde sie aber erst im letzten Jahr, zusammen mit C. Bechstein. Es war eine gewaltige Aufgabe, einen wirklich akzeptablen Bechstein-Sound zu entwickeln, eine Sache von „Try and Error“. Am Ende waren wir dann aber überrascht, wie schnell wir zu einem guten Ergebnis gekommen sind.

Konsumenten verbinden Casio mit bezahlbaren Keyboards, Uhren, Kameras und Lifestyle-Produkten – nicht aber unbedingt mit Premium-Digital­pianos. Wie wollen Sie die neue Linie im Bewusstsein von Pianisten verankern?

Hiroshi Nakamura: Tatsächlich ist es so, dass wir unsere Position z.B. bei Uhren sehr verbessert haben. Das gleiche gilt für Kameras, die wir nicht auf dem europäischen, sondern auf dem asiatischen Markt vertreiben. Sie kosten über 1.000 Euro und verkaufen sich außergewöhnlich gut, speziell in den chinesischen Ländern. Unsere Position hat sich also in den letzten vier, fünf Jahren deutlich verbessert. Das müssen wir jetzt auch bei den Musikinstrumenten erreichen, und die Kooperation mit C. Bechstein ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Wie definieren Sie die Hauptzielgruppe des Celviano Grand Hybrid?

Hiroshi Nakamura: Fest steht: Wir sind nicht mehr nur für die Einsteiger da, wir haben jetzt auch ein Instrument für Semiprofis und Profis im Portfolio. Und es ist für uns das erste Mal, dass wir ein Piano vorstellen, das über 3.000 Euro kostet. Das ist neu für uns.

Warum nutzen Sie kein Soundboard-System, um einen möglichst authentischen Flügelklang zu errreichen?

Hitoshi Ando: Das war von vorneherein nicht unsere Intention, auch weil wir uns darauf konzentriert haben, das Instrument so kompakt wie möglich zu halten. Für uns lag die Herausforderung darin, mechanische Geräusche und Resonanzen über Lautsprecher so wiederzugeben, als ob sie echt wären – und diese Aufgabe haben wir, wie ich glaube, sehr gut gemeistert.