Interview zum 50-jährigen Firmenjubiläum: Marco Willroth, Geschäftsführer der Monacor International GmbH & Co. KG

Mit der Marke IMG Stageline hat sich Monacor International in Bremen zu einer festen Größe im Markt der Bühnenelektronik und Beschallung entwickelt. Von der Firma selbst haben viele Musiker eher rudimentäre Vorstellungen. Um das zu ändern, sprachen wir mit Marco Willroth, Geschäftsführer von Monacor International.

Marco Willroth
Marco Willroth: „Unsere Kunden sollen uns als fair und partnerschaftlich wahrnehmen“ (Foto: Monacor International)

Wann und wie wurde der Grundstein der Firma, damals Inter Mercador, gelegt?

1965 begann unser Firmengründer Günter Schilling mit dem Import fernöstlicher Erzeugnisse und hat sehr schnell das Potenzial elektronischer Bauteile und Produkte für den europäischen Markt erkannt. Damals war der Wohnsitz gleichzeitig der Firmensitz. Das ist also eine klassische Gründerstory der damaligen Zeit, denn Herr Schilling startete in seiner Garage.

Spielte die Lautsprecher- und Beschallungstechnik von Anfang an eine Rolle?

Dieser Bereich kam Anfang der 1970er-Jahre hinzu. Damals wurde das Fundament für eines der weltweit umfangreichsten Sortimente für Beschallungs- und Lautsprechertechnik gelegt.

Was waren die ersten Produkte?

Zu den ersten Produkten zählten Audio-Mischpulte, Lautsprecher und Verstärker. Einige dieser Schätze finden Sie heute wieder auf Plattformen wie ebay. Teilweise werden horrende Preise dafür aufgerufen.

Wann wurde die Marke IMG Stage Line ins Leben gerufen?

Das war 1993. Zwar gab es schon vorher Produkte für das Segment Bühnen- und Veranstaltungstechnik im Sortiment, doch diese wurden unter den Brands Monacor oder Monarch vertrieben.

Was war der Grund dafür?

Es sollte eine eigene Marke für den professionellen Anwender geschaffen werden. Die Produkte sollten einen neuen Stellenwert im Produktportfolio erhalten. Den damaligen Produktmanagern war klar, dass dieser Bereich markentechnisch anders behandelt werden muss als z.B. die ELA- oder Sicherheitstechnik.

Was waren die drei wichtigsten Meilensteine der Firmengeschichte?

Interessant ist tatsächlich, dass wir immer kontinuierlich gewachsen sind. Große nachhaltige Ereignisse und Sprünge gab es in der Unternehmenshistorie nicht wirklich. Das ist, denke ich, auch ein Erfolgsrezept. Wichtige Meilensteine sind aber natürlich der Start ins europäische Ausland und der Umzug in die jetzige Unternehmenszentrale mit dem europäischen Logistikzentrum Anfang der 80er. Und obwohl es ein jüngerer Meilenstein ist, nenne ich einmal den Start in unser Zukunftsprojekt in diesem Jahr, denn wir haben ja noch viel vor.

Welche Zahlen stehen für das Wachstum der Firma zwischen 1965 und 2015?

Von den zwei Mitarbeitern zu Beginn auf rund 160 im Jahr 2015, dazu der Umstand, dass wir in über 40 Ländern mit Partnern, Beteiligungen oder den 10 europäischen Niederlassungen vertreten sind. Mittlerweile haben wir rund 4.300 Artikel in den verschiedenen Produktbereichen, die jeweils von Spezialisten geführt werden, im Angebot. Zudem fühlen sich rund 18.000 deutsche Kunden bei uns gut aufgehoben.

Monacor International gestern
Monacor International gestern: In der Garage eines Einfamilienhauses begann Firmengründer Günter Schilling 1965 mit dem Import fernöstlicher Erzeugnisse. (Foto: Monacor International)

Welche baulichen, strukturellen und organisatorischen Maßnahmen wurden getroffen, um diesem Wachstum gerecht zu werden?

Nachdem Günter Schilling rund sieben Jahre von seinem Wohnsitz aus operierte, wurden 1972 neue Büro- und Lagergebäude im Bremer Stadtteil Vahr bezogen. Das Unternehmen wuchs aber unaufhaltsam, und schon bald wurde auch dieser Gebäudekomplex zu klein. 1981 schließlich siedelten wir auf das heutige Firmengelände in Bremen Mahndorf um. Seitdem befindet sich hier der Verwaltungskomplex mit Büros, Werkstätten und natürlich dem Logistikzentrum für den europaweiten Warenumschlag. Aber auch dieser Komplex wurde im Laufe der Jahre immer wieder erweitert.

Welche Eigenschaften zeichnen den ehrbaren Kaufmann hanseatischer Prägung aus, der bis heute zu den Idealen Ihrer Firmenphilosophie gehört?

Unsere Kunden sollen uns als partnerschaftlich und fair wahrnehmen. Zuverlässigkeit und Seriosität – dafür steht Monacor International.

Obwohl Monacor International eine gut gemachte Website hat, drucken Sie jedes Jahr einen dicken Katalog mit mehr als 4.300 Produkten. Ein gewollter Anachronismus?

Ja, noch erwarten die Kunden von uns den Katalog als eine Art Elektronikbibel. Das wird uns immer wieder bestätigt. Wir sind uns aber darüber im Klaren, dass sich das irgendwann ändern wird. Dann werden wir vorbereitet sein. Darum haben wir zuletzt das Marketing im Online-Bereich auch personell verstärkt, um die Multi-Channel-Anforderungen umzusetzen.

Ohne hohen persönlichen Einsatz jedes Einzelnen kann heute kein Unternehmen erfolgreich sein. Wie wichtig ist Ihnen die Wertschätzung Ihrer Mitarbeiter?

Sehr wichtig. Ich denke, dass sich die Mitarbeiter im Unternehmen wohl fühlen, sieht man besonders daran, dass wir hier noch 20-, 25- oder 30-jährige Firmenzugehörigkeiten feiern. Die große Herausforderung für die Zukunft wird es sein, qualifizierte Mitarbeiter, besonders für den technischen Bereich oder das Produktmanagement, zu finden.

Monacor International Gebäude
Monacor International heute: das Firmengelände in Bremen-Mahndorf. (Foto: Monacor International)

Fokussieren Sie beim Nachwuchs auf Deutschland oder kommt hier auch zunehmend die europäische Dimension zum Tragen?

Derzeit schreiben wir die Jobangebote noch auf den üblichen Plattformen aus. Allerdings sind wir im Marketing zuletzt auch direkt an die Hochschulen herangetreten. Zudem bieten wir in der Produktentwicklung Praktikumsmöglichkeiten für Studenten technischer Studiengänge an. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Derzeit suchen wir noch nicht gezielt im Ausland, was ich für die Zukunft aber nicht ausschließen will.

Zur Feier des 50-jährigen Firmenjubiläums haben ein gutes Dutzend Monacor-Mitarbeiter eine Hausband gegründet, die Bandproben fanden zum Teil während der Arbeitszeit statt. Wer hatte diese gelungene Idee?

Die kam aus dem Organisationsteam des Marketings. Wir wussten, dass wir viele Musiker und Sänger in unseren Reihen haben. Das unterstreicht ja unsere Kompetenz in dem Segment. Hier beschäftigen sich Menschen mit den Produkten, die wissen, worauf es ankommt. Schön war es zu sehen, wie viel Spaß die Kollegen hatten. Das fördert natürlich den Zusammenhalt.

Wie viele Produkte aus Ihrem Sortiment haben Sie selbst entwickelt?

Da sind die Grenzen fließend. Selbst Produkte, die extern entwickelt werden, tragen oft zu einem erheblichen Teil Know-how aus unserem Haus in sich. Das hat mit den hohen Qualitätsanforderungen unserer Musterprüfer und Produktmanager zu tun. Ansonsten hält sich das ungefähr die Waage.

Welche Philosophie verfolgen Sie bei der Entwicklung neuer Produkte?

Qualität und Verlässlichkeit stehen an erster Stelle. Natürlich gibt es immer günstigere oder hippere Anbieter. Doch bei uns kann sich der Anwender sicher sein, dass er ein Gerät einsetzt, das umfangreich getestet und damit sicher ist und an dem er deshalb lange seine Freude haben wird.

Fast jeder Kunde erwartet heute prompte Lieferung, möglichst am nächsten Tag. Wie schnell sind Sie?

Die schnelle Bearbeitung von Kundenanfragen ist bei Monacor International eine Selbstverständlichkeit. In der Regel können wir mit einer Lieferfähigkeit von 93 Prozent überzeugen. Auf 9.800 Quadratmetern Lagerfläche halten wir derzeit rund 4.300 Artikel versandbereit. Den Liefertermin bestimmt der Kunde. Geht der Auftrag bis 15 Uhr, am Freitag bis 13 Uhr, bei uns ein, erfolgt der Versand innerhalb Deutschlands noch am selben Tag, und zu rund 90 Prozent ist die Ware am nächsten Tag beim Kunden. In Spitzenzeiten verlassen bis zu 1.200 Paketsendungen unseren Versand. Dazu rund 60 Paletten für In- und Auslandskunden.

Geschäftsführer
Roger Pape (links) und Marco Willroth (rechts), die beiden Geschäftsführer der Monacor International GmbH, begrüßen die Gäste der 50-Jahr-Feier. Dazwischen: Moderator Volker Hirschfeld. (Foto: Monacor International)

Welchen Service bieten Sie Ihren Kunden?

Zum Beispiel ein umfangreiches Schulungsangebot im Technical Training Center. Und das deutschlandweit. Dazu überzeugen der komfortable Webshop sowie eine kompetente Außendienstmannschaft für die intensive Kundenbetreuung und die Unterstützung durch das Marketing. Unser eigener technischer Kundendienst unterstützt unsere Kunden von der Planungsberatung bis hin zum Reparatur-Service. Zusammen mit dem deutlichen Qualitätsversprechen von drei Jahren Gewährleistung ein enormes Angebot.

Welche Artikelgruppe hatte das höchste Wachstum in den letzten fünf Jahren?

Bühnen- und Veranstaltungstechnik sowie Sicherheits- und ELA-Technik sind das solide Fundament unseres Unternehmens und werden auch in Zukunft kontinuierlich weiter wachsen.

Obwohl man Produkte Ihrer Marken auf der ganzen Welt findet, gehören Sie zu jenen Firmen, die in der öffentlichen Wahrnehmung nicht in der ersten Reihe angesiedelt sind. Stört Sie das manchmal? Oder passt das ins Bild hanseatischen Understatements?

Unsere Art und Weise hat dem Unternehmen eine starke Marktposition eingebracht. Aus diesem Blickwinkel gesehen, war der Weg in der Vergangenheit nicht falsch. Allerdings ändern sich die Rahmenbedingungen massiv. Darauf reagieren wir. Ich sehe auch, dass sich die Wahrnehmung schon in den vergangenen drei Jahren fundamental verändert hat. Das bekommen wir von vielen Seiten bestätigt.

Für Musiker ungewöhnlich ist Ihr Vertriebskonzept: In der Händlersuche findet man überwiegend Elektrofachhändler – auch für die Produkte der Veranstaltungstechnik. Welche Rolle spielen der Musikalienhandel oder der Direktvertrieb für Monacor International?

Beide sind wichtige Kanäle. Wir hoffen natürlich, dass größere Teile des klassischen Musikalienfachhandels die gravierenden Marktveränderungen überstehen. Hier ist es wichtig, dass neue Konzepte entwickelt werden um wieder Musiker in die Läden zu locken. Natürlich wird der Online-Handel auch für uns immer wichtiger. Vor solchen Entwicklungen wollen wir uns natürlich nicht verschließen.

Der Markt unterliegt stetigen Veränderungen. In welchem Segment sehen Sie besondere Chancen in der Zukunft?

Potenzial für die Zukunft haben viele Segmente, die wir mit unseren unterschiedlichen Marken bedienen. Da ist zum Beispiel die Sicherheitstechnik oder die elektroakustische Beschallung. Doch auch im Bereich Bühnen- und Veranstaltungstechnik, bei dem man ja im Allgemeinen von einem gesättigten Markt ausgeht, steckt Potenzial. Die rasante technische Entwicklung bietet uns und auch den vielen Anwendern immer wieder neue Möglichkeiten. Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran, auch wenn das auf der Musikerseite nicht jeder gerne hören mag. Das ist für uns sowohl eine große Herausforderung als auch eine riesige Chance.