Workshop iPad für Musiker (34): Steinberg Cubasis 2

In diesem Workshop zeigen wir Ihnen den Umgang mit der DAW-App Cubasis 2. Kompakt und in erstaunlich hoher Qualität bietet die App alle Komponenten fürs mobile Musikproduzieren. Erfahren Sie, welche neue Features der aktuellen Version 2 die beliebte iDAW noch attraktiver machen.

Die sehr leistungsstarke iDAW Steinberg Cubasis bietet – wie Apples GarageBand auch – in Version 2 einige Optimierungen, die den Start in die Musikproduktion noch einfacher und zudem stilistisch aktueller werden lassen. Erstmals in Ausgabe 4/2015 haben wir uns mit dieser App beschäftigt und skizziert, wie Sie mit diesem flexiblen Audio/MIDI-Sequencer relativ schnell von der musikalischen Idee zum fertigen Song inklusive Automation und Mixing kommen können. Diesmal werden wir keinen Rundumschlag liefern, sondern einige der besonders praktischen Neuheiten der aktuellen Version 2 herausgreifen.

Tempo-Flexibilität vereinfacht Arrangieren

Der Einsatz von Audio-Loops (bei Cubasis 2 nun im Format „FLAC“ mit hoher Audioqualität) ist eine feine Sache, denn gerade bei Drums, Gitarre oder auch Vocals bekommen Sie realistisch klingende Phrasen sehr einfach in die Musikproduktion. Allerdings passt das Tempo eher selten zum gewünschten Songtempo. Hier hilft das neue Time-Stretching, das Sie unbedingt nutzen sollten. Gehen Sie zunächst zur MediaBay und wählen dort unter „Projects“ ein neues leeres Songprojekt, das Template „Create Project with MIDI and Audio Track“. Auf Audiotrack 2 fügen wir nun einen Drum-Groove ein, der gefällt. Sie finden ihn im Bereich „Audio“ in der MediaBay. Tippen Sie zweimal schnell hinterein­ander auf die FLAC-Datei „130 Who Groove 01“, die nun im Arrangierfenster importiert erscheint. Wie Sie sehen und hören, weicht die Audio-Datei mit 130 bpm leider vom aktuellen Songtempo ab.

Mit der Funktion Time-Streching bringen Sie das File „130 Who Groove 01“ nun auf 120 bpm. Selektieren Sie diese Datei, tippen rechts oben auf das Symbol „Stretch“ und danach auf „Auto“. Fertig, der zweitaktige Drum-Groove passt nun genau zum Songtempo! Wenn Sie sich die Time-Stretch-Option etwas genauer betrachten, sehen Sie drei verschiedene Algorithmen: „Pro“ sorgt für eine maximale Audioqualität, „Mobile“ belastet die CPU minimal und „Efficient“ ist ein Kompromiss zwischen „Pro“ und „Mobile“. Bei einem schnellen iPad wie iPad Air kommen Sie mit „Pro“ gut zurecht. Nach einem Import von Audio-Files müssen Sie sich selber ums Time-Stretching kümmern, was schnell geht, zumal sich mehrere Audio-Dateien eines Songs gleichzeitig stretchen lassen. Bitte im Ganzen nicht übertreiben: Als Faustregel können Sie sich merken, dass man höchstens 20 bis 30 Prozent vom originalen Tempo abweichen sollte, um den Part weiterhin authentisch wirken zu lassen.

Praktische Klangwerkzeuge

Wenn Sie tonale Phrasen (Gesang, Bläser, Gitarre, etc.) als Audio-Loops importieren, profitieren Sie nicht allein vom Time-Stretching, sondern können selbst die Tonhöhe abändern. Auch bei Drum-Loops (vor allem bei elektronischer Musik) können und sollten Sie ruhig transponieren, um den Soundcharakter zu beeinflussen. Dies können Sie wiederum mit dem File „130 Who Groove 01“ ausprobieren. Tippen Sie auf das Symbol „Transpose“, öffnet sich ein Fenster mit den Einstellmöglichkeiten. Bei laufendem Loop können Sie jetzt beliebig die Tonhöhe verändern und (im Algorithm-Pro-Mode) die Formanten verschieben. Bitte nach jeder Aktion den „Apply“-Taster betätigen. Schnell werden Sie vielleicht merken, dass diese Transpose-Funktion durchaus für klangliche Experimente willkommen ist.

Bleiben wir beim Klangbearbeiten: In Cubasis 2 finden Sie einen Kanalzug mit den vier Komponenten „Cut Filter“, „Noise Gate“, „Compressor“ und „Saturator“. Sie finden diesen „Channel Strip“ bei den Insert-Effekten. Um die CPU zu entlasten, sind drei Bestandteile abgeschaltet („Bypass“); der Kompressor ist aber bereits aktiv. Mit ihm verleihen Sie einer Spur mehr Druck und Transparenz, insbesondere bei rhythmischen Spuren wie Drums und Bass. Wie sich der Klang dynamisch verändert, probieren Sie durch intuitives Spielen an den Reglern. Bei den Parametern „Make up“ und „Release“ sollten Sie zur Vereinfachung auf die Auto-Taste tippen. Häufig können Sie auch den „Cut Filter“ des Channel Strips einsetzen. Hiermit können Sie schon einmal grob den Bass- oder Höhenbereich ausblenden, so etwa bei rhythmischen Begleitmustern (Klavier, Gitarre, Synth, etc.), die irgendwo im mittleren Frequenzbereich platziert werden. Die Feinarbeit erledigen Sie dann mit dem Insert-Effekt „StudioEQ“. Wenn Sie sich bei der Dynamikbearbeitung unsicher sind, lassen Sie den Kanalzug deaktiviert und übergeben die exportierten Einzelspuren einem Kollegen, der mit dem Mixing besser vertraut ist.

Die erweiterte Effekt- und Soundauswahl sorgt für neue Ideen. Für MIDI-Spuren bietet Cubasis 2 frischen Wind. Die internen Klangerzeuger verfügen über weitere Sounds. Für den virtuell-analogen Synthesizer MicroLogue bekommen Sie 76 neue Klangkreationen, die Sie in der MediaBay sofort an dem Namenszusatz „NEW“ entdecken. Wie der jeweilige Sound musikalisch funktioniert, können Sie schnell erfahren, indem Sie auf den Play-Button tippen. Die Demo-Phrasen enthalten einige schöne Klangmodulationen, die Sie bei eigenen Phrasen selber später per Automation ermöglichen sollten. Beim Aufnehmen Ihrer persönlichen MIDI-Sequenzen sollten Sie die neue Funktion „AutoQuantize“ nutzen, die Sie rechts oben bei der Quantisierung finden. Passt das Ergebnis nach der MIDI-Aufnahme nicht ganz, setzt „Undo“ einzig die automatische Quantisierung zurück und Sie können anderweitig die MIDI-Noten bearbeiten. In der Praxis ist dies wirklich hilfreich.

Der Sampler von Cubasis 2, MicroSonic, bringt sieben neue Instrumente ins Spiel, die mit „Tape“ bezeichnet sind. Diese Sounds imitieren das in den 60er und 70er Jahren beliebte Mellotron (ein Sampler, der mit Tonbändern funktioniert). Mit diesem Instrument wurden Streicher, Chöre oder Flöten imitiert. Heute versprühen diese Klänge nostalgischen Charme und sind bei TripHop und für Retro-Musik allgemein verlockend. Auch fürs Sounddesign und Remixen ist Steinbergs iDAW stärker denn je. Unbedingt antesten sollten Sie den neuen „Spin FX“, der bei den Insert-Effekten von Cubasis 2 enthalten ist. Das Spielfeld für diesen Effekt sind hauptsächlich Drum-Loops. Kehren Sie also bitte ruhig zur Audio-Spur mit dem File „130 Who Groove 01“ zurück und rufen Sie Spin FX auf. Wie Sie schnell beobachten können, ist er zum Erzeugen rhythmischer Variationen (Stotter-Effekte) und anderer Effekte, die elektronische Popmusik so spannend machen, bestens geeignet.

Allrounder mit verbessertem Workflow

Rund 50 Euro für eine App sind eine klare Ansage. Dafür bietet Cubasis 2 nicht nur langjährigen Steinberg-Fans ein qualitativ hochwertiges Studio, das intuitiv auf dem iPad bedienbar und für ganz unterschiedliche Musikstile offen ist. Im Unterschied zum preiswerteren GarageBand punktet es weiterhin vor allem durch die Mischpult-Darstellung und die zahlreichen Effekte, die sich per „In-App-Kauf“ noch erweitern lassen. Wer richtig fit mit diesem System werden möchte, sollte nicht die zahlreichen Online-Tutorials verpassen und natürlich viel Zeit und Geduld investieren – es lohnt sich!

Statement

Cornel Hecht, GUI-Designer bei Steinberg, war maßgeblich an der Entwicklung von Cubasis 2 beteiligt: „Wir haben uns bei der Entwicklung von Cubasis 2 bewusst dafür entschieden, unerfah­renen Anwendern den Zugang zu einer komplexeren App zu ermöglichen, ohne dass eine langwierige Einarbeitungszeit notwendig ist. Dazu haben wir nicht nur zahlreiche Kundenwünsche analysiert, sondern auch verschiedenste Musiker im Studio bei dem Umgang mit Cubasis über die Schultern geschaut, um den Workflow an verschiedensten Stellen zu verbessern und zu optimieren. Dabei sind viele Anregungen und Wünsche direkt in Cubasis 2 eingeflossen und realisiert worden.

Für mich als Designer ist es wichtig, dass eine App nicht nur gut und übersichtlich aussieht, sondern sich auch gut bedienen lässt. Das Design ist nun deutlich reduzierter, aber auch edler. Es leitet den Musiker unterstützend durch alle musikalischen Prozesse. Echtzeiteffekte wie das neue Time-Stretching funktionieren intuitiv und unterstützen den Musiker bei der Umsetzung seiner Ideen. Beliebiges Audiomaterial kann nun automatisch oder per Gestensteuerung an den Song angepasst werden. Dies kann sogar in verschiedenen Qualitätsstufen erfolgen, entweder qualitativ hochwertig oder aber nicht so rechenintensiv lässt sich hier ein guter Kompromiss zwischen Qualität und Auslastung des iPads finden. Wir haben einen Channel Strip integriert, der hochwertige professionelle Bearbeitung auf höchst musikalische Weise ermöglicht. Der Traum von einem Studio in der Hosentasche ist schon lange Realität.

Aber Cubasis soll nicht nur als Studio, sondern auch als Kreativtool dienen. Mit Spin FX haben wir ein Plug-in realisiert, welches automatisch die angesagten Stotter- und Filtereffekte ermöglicht. In der Vergangenheit musste der Musiker mühsam viele Effekte und PlugIns hintereinander verschalten, um diese Art der Effekte zu erhalten. Wir haben uns überlegt, wie wir dem Musiker ein einfach zu bedienendes Kreativwerkzeug anbieten können, mit dem schnelle und aufregende Ergebnisse auf Knopfdruck möglich werden. Denn nur wenige Anwender sind ausgesprochene Tasten-Virtuosen. Darum gibt es in Cubasis auch die Möglichkeit, ganze Akkorde auf ein Pad zu legen, um mit einem Finger komplexe Harmonien spielen zu können. So lassen sich harmonische Muster erzeugen, die man sonst niemals spielen würde. Die MIDI-Auto-Quantisierung sorgt dann dafür, dass rhythmische Ausrutscher automatisch von Cubasis angepasst und korrigiert werden. Schließlich kann man Cubasis-Projekte in Cubase weiter bearbeiten. Daneben gibt es aber auch viele weitere Exportmöglichkeiten wie iCloud oder Dropbox.“