Keyboard üben

Musik denken, fühlen, genießen: Ein Statement zum Keyboard üben von Roman Sterzik, Musiker und Musikschulleiter.

Im Keyboard-Unterricht wird der Schüler immer wieder mit der Vorstellung konfrontiert, dass er, um sicher Keyboard zu spielen, entsprechende Passagen nur häufig genug wiederholen müsse. Durch kopfloses, hartnäckiges Wiederholen wird man oft verhindern, dass man ein Musikstück später sicher musizieren kann. Bestenfalls wird erreicht, dass sich die wiederholten Bewegungsabläufe als Reflexe motorisch festsetzen.

Vergleicht man das Ausführen von Musik mit dem Ausführen von Sprache, so sind die Buchstaben in einem geschriebenen Text den einzelnen Noten in einem Notentext vergleichbar. Ebenso wenig wie man beim Lesen oder Sprechen eines geschriebenen Textes in Buchstaben denken kann, ist es natürlich auch nicht möglich, in einem virtuosen Notentext, während des Spiels, in einzelnen Tönen mitzudenken. Der Schlüssel zum sicheren musikalischem Spiel liegt in einer inneren Klangvorstellung. Aber wie gelange ich zu einer Klangvorstellung?

In einem instrumentalen Notentext erkennt man, dass 8tel- oder 16tel-Noten stets in Gruppen unter einem Balken geordnet sind. Stellen Sie sich solche melodischen Gruppen wie Wörter vor. Singen Sie Ihre Melodie- oder ihre Bassstimmen. Dabei kommt es nicht auf Schönheit an, sondern auf das Erfassen der musikalischen Sinneinheiten (Motive, Phrasen, musikalische Abschnitte) und des Spannungsverlaufs.

Das Keyboard ermöglicht mit der Keyboard-Percussion rhythmische Elemente von der Melodik zu trennen. So kann die Koordination zwischen rechter und linker Hand z.B. mit der Bass- und Snare-Drum rhythmisch eingeübt werden, bevor anschließend die Melodik mit weiteren Klangfarben hinzugefügt wird. Die Zerlegung von Rhythmik und Melodik ermöglicht einen schnelleren Zugang komplexer Motive.

Die Bedienung weiterer Spielhilfen wie Pitchbend, Fill-in und Registrierungswechsel sollten zunächst im langsamen Tempo motorisch sicher in den Bewegungsablauf mit eingebunden werden. Dabei gilt auch der Grundsatz: Mehrere kurze Übe-Einheiten sind sinnvoller, als eine lange.

Meine Empfehlung: Üben nicht als Zweck, sondern – mit einer guten Tasse Tee oder Kaffee und ohne  zeitlichen Druck – als lustvolle Beschäftigung mit der schönsten Nebensache der Welt zu genießen.