Klavierspiel als Medizin – Mit neuester Technik zum Klaviertalent

In einer Studie mit sensomotorischen Klaviersystemen überprüften Forscher der TU München, ob sich durch Klaviertraining neue Verbindungen im Gehirn entwickeln und sich die Sensomotorik der Finger funktionell verbessert. Ihre Ergebnisse präsentieren sie gemeinsam mit den Studienteilnehmern nun in einem großen Abschlusskonzert.

Sensomotorisches Klaviersystem
Probanden am sensomotorischen Klaviersystem. (Foto: TU München)

Musik heilt. Das Erlernen eines komplexen Instruments wie des Klaviers hat positive Effekte, die sich psychisch und physisch bemerkbar machen. In einer Klavierstudie mit sensomotorischen Klaviersystemen, die mit achtzehn Kindern und Erwachsenen mit motorischer Behinderung, und sechs Kindern ohne Einschränkung durchgeführt wurde, überprüften Forscher der Technischen Universität München, ob sich durch Klaviertraining neue Verbindungen im Gehirn entwickeln und sich die Sensomotorik der Finger funktionell verbessert. Mehr als zwei Jahre forschten die Wissenschaftler aus den Bereichen Medizin, Physik, Neurowissenschaften und Mathematik um Frau Prof. Dr. Renée Lampe. Ihre Ergebnisse präsentieren sie gemeinsam mit den Studienteilnehmern im großen Abschlusskonzert am Freitag, den 29.07., um 10.00 Uhr in der Mehrzweckhalle im ICP München, Garmischer Straße 241.

„Die positiven Erfahrungen und vielversprechenden Ergebnisse aus einer ersten Klavierstudie zeigten, dass sich die Gehirnvernetzung im handmotorischen Areal neu organisiert und die Handmotorik sich funktionell verbessert hat. Dies motivierte uns, auf diesen Erfahrungen aufzubauen“, erklärt Prof. Dr. Lampe. Hierzu entwickelten die Forscher ein Klaviersystem mit verschiedenen Modulen, die je nach Fähigkeit miteinander kombiniert werden können. „Das sensomotorische Klaviersystem ermöglicht Menschen mit spastischen Lähmungen, sensorischen Defiziten, Wahrnehmungsstörungen und Lernschwierigkeiten, Klavierspielen trotz Einschränkung zu erlernen“, versichert Prof. Dr. Lampe.

Klavierkonzert der besonderen Art - Ein Orchester aus Klavieren

Die Klavierlehrerinnen und Klavierlehrer studierten mit den Kindern und Erwachsenen den 1. Satz des Orchesterparts von Wolfgang Amadeus Mozarts D-Moll-Konzert für Klavier und Orchester ein. Dieses Stück präsentieren die Studienteilnehmer am Freitag, den 29.07. zum Projektabschluss auf einem Digitalpiano von Casio - einem Celviano Grand Hybrid. Davor stellt Prof. Dr. Lampe die wichtigsten Ergebnisse der Studie vor.

Digitale Pianos und neueste Technik

Das Trainingssystem basierte zunächst auf dem Leuchttasten-Piano Privia PX-500L von Casio mit 88 Tasten. Auf den neueren Digitalpianos, den Modellen Privia PX-360, die Casio für die Studie stiftete, wird eine LED-Leiste über der Tastatur angebracht. Für den Klavierunterricht werden sowohl vom Klavierlehrer, als auch vom Schüler Handschuhe benutzt, die miteinander kommunizieren. Im Schülerhandschuh sind Vibrationsmotoren und LEDs integriert, die helfen, die gelähmten Finger der spastischen Hand visuell voneinander zu unterscheiden und über sensorischen Input zu spüren. Schlägt der Lehrer mit dem Finger eine Taste an, vibriert und leuchtet der korrespondierende Finger des Schülers. Vor, während und nach dem Unterricht fanden Messungen zur Handmotorik und elektroenzephalographische (EEG) Messungen zur Aktivität im handmotorischen Areal statt.