Ksenija Sidorova exklusiv bei Deutsche Grammophon

Ksenija Sidorova ist die derzeit wohl exponierteste Botschafterin des Akkordeons. Die Deutsche Grammophon unterstreicht dies mit einem Exklusivvertrag inklusive Debüt-Album: „Carmen“ ist für die lettische Künstlerin Karrieresprung und Herzensangelegenheit in einem.

Ksenija Sidorova mit Akkordeon
(Foto: Stefan Hoederath/Deutsche Grammophon)

Natürlich ist es völlig egal, wie eine Künstlerin aussieht – Hauptsache, sie spielt genial. Würde dieser Satz stimmen, müssten sich Klassik-Labels nicht soviel Mühe geben, ihre Protagonistinnen wie Models zu stylen. Der dafür nötige Aufwand dürfte sich bei Ksenija Sidorova jedoch in Grenzen halten: Die 27-jährige Akkordeonistin sieht nicht nur blendend aus, sondern hat Persönlichkeit und Ausstrahlung. Sie lebt in London, wo sie an der Royal Academy of Music bei Owen Murray studiert hat, einem der Pioniere des klassischen Akkordeons. Ihre Ansichten über das Akkordeon und den Rest der Welt formuliert sie in geschliffenem Englisch mit charmantem Akzent – sie stammt nämlich aus Lettland.

Ist es eigentlich normal für eine Akkordeonistin, so fragen wir, einen Vertrag mit der Deutschen Grammophon an Land zu ziehen? Normal sei das heute noch nicht, meint sie gutgelaunt, in Zukunft aber hoffentlich schon: „Das Akkordeon verdient es, zu den Top-Instrumenten gezählt zu werden.“ Das gelbe Label hat übrigens schon 2010 seine Nähe zum Akkordeon bewiesen, als man den französischen Jazz-Akkordeonisten Richard Galliano unter Vertrag nahm: „Bach ... on accordion“ hieß damals das Debut-Album, dem bislang drei weitere CDs folgten.Für die klassisch orientierte Musikerin Sidorova ist Galliano „nicht das, was man ein Idol nennen würde“. Aber er sei für jeden Akkordeonisten ein leuchtendes Beispiel dafür, was man an diesem Instrument erreichen könne. „Ich erinnere mich an den Tag, als ich meine Aufnahmeprüfung an der Akademie in London hatte. Am Abend zuvor war ich in einem Galliano-Konzert, das mich sehr beflügelt hat. Anschließend hatte ich nur noch einen Gedanken: Go out there and do it!“ Rückblickend kann man sagen: Sie hat’s getan!

Ksenija Sidorova: Carmen
Mit „Carmen“ begibt sich Sidorova auf Augenhöhe zu ihrem großen Kollegen Richard Galliano, den die Deutsche Grammophon ebenfalls unter Vertrag hat. (CD-Cover: Deutsche Grammophon)

Mit dem Akkordeon aufgewachsen

In Ksenija Sidorovas Heimat Lettland gehört das Akkordeon zur Alltagskultur wie im alpenländischen Raum die „Diatonische“. Von ihrer Großmutter wurde sie als Sechsjährige an das Akkordeon herangeführt, was bei ihren Eltern keinerlei Begeisterung hervorrief: „Als ich damit anfing, galt das Instrument eher als ,folky’“, erinnert sich Ksenija. Ihre Eltern fanden, das Akkordeon genieße nicht genügend Ansehen. Es wäre ihnen lieber gewesen, wenn ihre Tochter Klavier oder Geige gelernt hätte. Unterstützt von der Großmutter aber blieb Ksenija beim Akkordeon und erhielt als Achtjährige in der Musikschule ihrer Heimatstadt Riga Unterricht bei Marija Gasele. „Sie war eine so wunderbare Lehrerin und gleichzeitig wie eine zweite Mutter für mich“, erinnert sich Sidorova.

Ein Jahrzehnt später wurde Ksenija von Freunden auf die Akkordeon-Klasse an der Royal Academy of Music in London aufmerksam gemacht. Sie bekam Kontakt zu Professor Owen Murray, schickte ihm eine Demo-CD, wurde zum Vorspielen eingeladen und schließlich aufgenommen – mit einem vom Rektor der Akademie bewilligten Stipendium. Das war 2005. „Ich kam mit 16 Jahren nach London und dachte, ich wüsste alles über das Leben“, lacht Ksenija. „Dem war zwar nicht so, aber das Schöne an diesem Alter ist ja, dass man glaubt, alles tun, alles erreichen zu können.“

Und in der Tat hat sie bis heute vieles erreicht: 2009 gab sie ihr Debüt-Konzert in der Wigmore Hall, von Kennern als einer der akustisch besten Konzertsäle der Welt geschätzt. 2012 wurde ihr der erste International Award der Bryn Terfel Foundation zuerkannt. Bei den Classic Brit Awards trat sie im gleichen Jahr als Partnerin des Gitarristen Milos Karadaglic auf, was ihr den Weg zur Zusammenarbeit mit anderen Künstlern ebnete – etwa dem Tenor Juan Diego Flórez oder dem israelischen Mandolinen-Virtuosen Avi Avidal, „Teamkollege“ bei der Deutschen Grammophon. Mit Avidal als Duopartner ist Ksenija Sidorova seither regelmäßig in Konzerten zu hören.

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