Ludovico Einaudi, Pianist & Komponist, im Porträt: Einfach schön?

Essenz der Musik oder einfach sentimental? Der italienische Komponist und Pianist Ludovico Einaudi kombiniert Einfachheit mit Emotion – und füllt damit die größten Konzertsäle. Wir porträtieren ein Phänomen.

 

Ludovico Einaudi am Piano mit Orchester
Ludovico Einaudi: Weltweit füllt der populäre Komponist und Pianist die renommiertesten Konzertsäle mit seiner Minimal Music. (Foto: Emile Holba)

Kompliziert ist nicht sein Ding. Und so spielt und komponiert der italienische Musiker frei nach dem Motto: „weniger ist mehr“. Musikalisch drückt sich das in lang gezogenen Arpeggien, langsam-tastenden Melodien und breiten Klangflächen aus und lädt ein zum Träumen und Runterkommen. Viele Jahre hatte sich Einaudi aufs Komponieren konzentriert – unter anderem stammen die Filmmusiken zu „Black Swan“ (2010) und „Ziemlich beste Freunde“ (2011) aus seiner Feder. Heute ist Einaudi einer der erfolgreichsten klassischen Komponisten überhaupt: Seine Konzerte von der Sidney Opera bis hin zur Royal Albert Hall sind ausverkauft, und die CD-Verkaufszahlen können sich sehen lassen. Mit seinem Album „Onde“ hatte er es bereits 1998 bis in die britischen Popcharts geschafft, und vor rund zwei Jahren standen seine Alben „Islands“ und „In a Time Lapse“ in den deutschen Charts – noch vor Stars wie Lang Lang und Placido Domingo. Eine kleine Deutschlandtournee führte ihn kürzlich u.a. in die Berliner Philharmonie und den Kuppelsaal in Hannover.

Musikalische Kindheit

Am 23. November 1955 kommt Einaudio in Turin auf die Welt – im letzten Amtsjahr seines Großvaters Luigi als italienischer Staatspräsident. Bereits als Kind ist der junge Ludovico von Kunst und Musik umgeben. Dafür sorgt vor allem die Mutter, die ihren Sohn zum Klavier bringt. Mit sechs Jahren erhält er seine ersten Unterrichtsstunden auf diesem Instrument. Einige Jahre darauf lernt er auch noch das Gitarrespielen.

Mit 16 Jahren beginnt er ein Musikstudium in Turin und später in Mailand, wo er von dem berühmten Avantgarde-Komponisten Luciano Berio unterrichtet wird. Dieser ermöglicht auch erste Aufführungen von Orchesterwerken seines Schülers. 1982 erhält Einaudi ein Stipendium, mit dem er sein Studium in Massachusetts zu Ende bringt. Nach diversen Filmaufträgen entstehen in den 1990er-Jahren seine Solo-Klavierprogramme mit Eigenkompositionen, die sich stilistisch an Kom­ponisten wie Philipp Glass und Erik Satie orientieren, aber nach eigenen Angaben des Komponisten auch Einflüsse von Radiohead, Björk und Coldplay aufweisen.

Irgendwann merkt Einaudi, dass er auch selber gerne auf der Bühne stehen bzw. als Pianist im Rampenlicht sitzen möchte: „Ich wollte das Publikum spüren und unterwegs sein. Ich bin ein Mensch, der, wenn er zu lange im Studio verweilt, sich ein­gesperrt fühlt“, sagte er einmal in einem Interview. Inzwischen hat er nach eigenen Angaben eine gute Balance gefunden zwischen Live-Auftritten und der Zurückgezogenheit des Komponierens. Und der Erfolg gibt ihm Recht.

Info: Einaudi und der Steinway-Sound

Unter den Flügeln bevorzugt Einaudi die Instrumente von Steinway. In Konzerten verwendet er den Concert Grand (Modell D), zu Hause und im Studio den Music Room Grand (Modell B). An den Pianos von Steinway schätzt der Pianist die große Weichheit des Klangs, die er gerne mit den feinen Schattierungen von Schwarzweiß-Fotografien vergleicht: „Diese hochfeinen Nuancen des Steinway-Klangs, von der ganz sanften, nahezu unhörbaren Tönung über eine unglaublich breite Skala von Ebenen bis hin zu plastischen, komplizierten Texturen von Noten – alles ist machbar.“ Ebenso wichtig ist ihm, dass das Instrument präzise im Anschlag ist, wenn es um den melodischen Aspekt geht. Der Sound müsse reich und angenehm sein, meint der Meister.

Abonnenten lesen mehr

Als tastenwelt-Abonnent können Sie sich in der Spalte rechts einloggen und diesen Beitrag in voller Länge online lesen. Als Benutzernamen geben Sie Ihre Abonummer, als Passwort Ihre PLZ ein. Beide Angaben finden Sie auf dem Adressaufkleber Ihrer tastenwelt-Ausgaben.

Noch kein kein tastenwelt-Abonnent? Abo jetzt bestellen!