Lust auf Piano: Hobbypianist Hans-Peter Hübschen spielt ein Yamaha TransAcoustic Piano

Hans-Peter Hübschen aus Buchen im Odenwald hat sich zum Ausklang seines Berufslebens – er war Marketingleiter bei einem Unternehmen der Fotoindustrie – ein Yamaha TransAcoustic-Piano U1TA gegönnt. Hier stellt er die nicht ganz ernst gemeinte Frage: „Wie konnte es dazu kommen, dass ich den Gegenwert eines Kleinwagens für ein Piano ausgegeben habe?

Hans-Peter Hübschen
Hans-Peter Hübschen: „Ich spiele gerne eine Kombination aus akustischem und digitalem Klang.“ (Foto: Lars Poeffel)

Seit April dieses Jahres bin ich im Besitz eines Yamaha Transacoustic-Pianos. Dass das so gekommen ist, ist nicht allein meine Schuld. Wenn ich länger darüber nachdenke, finde ich eine ganze Reihe von Schuldigen – im positiven Sinne natürlich.

Erst mal zurück auf Anfang. Als meine Großeltern in das 1952 errichtete Haus meiner Eltern einzogen, fand auch ein Klavier den Weg in unser Wohnzimmer. Es war ein altes und schönes Instrument, ein geradezu repräsentatives Möbelstück. Ich muss so etwa acht Jahre alt gewesen sein, als meine Eltern entschieden, dass ich Klavierunterricht erhalten sollte, nachdem meine schulischen Leistungen wohl keinen Anlass zur Besorgnis boten. Die ersten Schuldigen stehen also hiermit fest: meine Eltern.

Es folgten zehn Jahre privater Klavierunterricht bei Frau Wildberger, einer strengen, aber auch verständnisvollen Klavierlehrerin. Sie bestand nicht darauf, dass ich das ganze obligatorische klassische Repertoire durchmachte, sondern nahm Rücksicht auf meine Vorlieben. Die lagen vorzugsweise bei Barock und Klassik, weniger bei Vertretern der Romantik – mit Ausnahme von Edvard Grieg. Höhepunkte meiner Klavierstunden war das Spielen von Händel’schen Concerti Grossi in einer Bearbeitung für zwei Klaviere – und zwar vom Blatt. Das Vom-Blatt-Spielen habe ich dabei unbewusst trainiert, was mir heute noch hilft. Frau Wildberger hatte zwei Flügel in ihrem Unterrichtszimmer, und dieser Klang hat mich damals schon fasziniert. Folglich war meine Klavierlehrerin an dieser Entwicklung nicht unschuldig.

Erwachendes Interesse an U-Musik

In diese Zeit fiel auch der Einbau einer Öl-Zentralheizung in meinem Elternhaus. Dies quittierte das alte Klavier mit einer mächtigen Verstimmung, aus der es trotz guten Zuredens und häufigen Gebrauch des Stimmschlüssels nicht mehr herauszulocken war. Also kauften meine Eltern ein neues Klavier, ein Yamaha, für damals 6000 DM.

In dieser Zeit erwachte auch mein Interesse an Unterhaltungsmusik: 1960 schaffte es ein Instrumentaltitel in die Hitparaden – „Last Date“ von Floyd Cramer. Seine Technik des Klavierspiels hat mich so fasziniert, dass ich jede Floyd-Cramer-Platte kaufte, derer ich habhaft werden konnte. Seine „Slip-Note“-Technik hat viele beeinflusst. Man sagt, dass auch George Winston und Norah Jones zu jenen zählen, die ihn zitieren. Noten hatte ich keine, also begann ich, das Gehörte nachzuspielen, so gut ich eben konnte. Also gehört auch Floyd

Cramer mit zu den Schuldigen. Das legte zugleich den Grundstein für mein zweites Hobby neben dem Klavierspielen: das Sammeln von Schallplatten und später von CDs; inzwischen haben sich mehr als 10.000 Tonträger angesammelt.

Mit dem Abitur war die Zeit meiner Klavierstunden vorbei. Jetzt stand erst einmal die Bundeswehr vor der Tür, und um etwas Gestaltungsspielraum zu haben, blieb ich für drei Jahre dabei und fand in fast jedem Standort auch ein Klavier – und einmal sogar einen sangesfreudigen Vorgesetzten, mit dem ich Gershwin-Songs zu Gehör brachte. Nach dem Ende meiner Dienstzeit begann ich ein Ingenieurstudium an der TH in Karlsruhe. Nun waren die Prioritäten ganz anders gesetzt und in Studentenbuden auch kein Platz für ein Klavier. Nur einmal, als ich für ein Semester im Haus einer Studentenverbindung wohnte, gehörte ein Klavier zum Inventar, das natürlich in erster Linie zur Begleitung von Trinkliedern herhalten musste. Während der letzten Jahre meines Studiums verdiente ich mir als zweiter Organist einer kleinen Vorstadt-Kirchengemeinde etwas hinzu.

Nach meinem Studium war vieles anders, aber nicht alles. Ich war inzwischen verheiratet, wir zogen berufsbedingt um in eine größere Wohnung mit Platz für Kinder und ein Klavier. Die Kinder kamen zuerst, etwas später dann das Yamaha aus meinem Elternhaus. Allerdings ließ mir der Job nicht viel Zeit zum Üben. Damit musste ich mich in den 30 Jahren meines Berufslebens arrangieren. Gleichzeitig wuchs meine Plattensammlung immer weiter. Früh schon hatte ich den amerikanischen Pianisten Peter Nero entdeckt. Der Juilliard-Absolvent und begnadete Gershwin-Interpret konnte in seinen populären Stücken mühelos zwischen Jazz, Klassik und Easy Listening hin und her wandern. Zu George Winston fand ich erst später, konnte mich aber ebenso an dem reduzierten Spiel eines Randy Newman oder der brillanten Technik eines Billy Joel erfreuen. Groß war auch mein Interesse an den synthetischen Klängen, die ich jetzt immer mehr auf meinen Platten und CDs hörte.

Als die Kinder größer wurden, stand ein erneuter Umzug an. Jetzt war auch Platz für ein elektronisches Instrument, das alle diese Klänge konnte, für die ich mich interessierte. Das Roland KR 500, ein Digital-Piano-Keyboard, sah ich zufällig bei meinem Musikhändler, und eine kleine Finanzspritze meiner Mutter überzeugte mich, dass ich das Teil haben musste. Das war etwa Ende der 80er Jahre. Das Roland hatte 128 Sounds, also reichlich Auswahl, eine „Intelligent Arranger“ genannte Begleitautomatik und vieles mehr.

Inspiriert von Jim Brickman

Gegen Ende meines Berufslebens im vergangenen Jahr stand ein erneuter Umzug an, dieses Mal ins eigene Haus. Mein altes Yamaha und mein digitales Roland fanden einen neuen Platz, und alles war gut. Ich selbst hatte mir vorgenommen, im Ruhestand mindestens alle zwei Tage am Klavier zu sitzen, wieder zu üben und meine Fingergelenke auf Vordermann zu bringen.

Zwischenzeitlich hatte ich Jim Brickman entdeckt, einen hierzulande wenig bekannten amerikanischen Pianisten und Songwriter, den Amerika als „New Romantic Piano Sensation“ feierte und dessen Kompositionen in Richtung New Age und Adult Contemporary tendieren. Seine Art des Klavierspiels machte mich sehr an, entsprach sie doch ein wenig auch meiner Art, populäres Repertoire zu spielen. Brickman spielt die Yamaha Konzertflügel C7 und CFIIIS. Diese Information ist wichtig, weil sie direkt zum Yamaha TransAcoustic U1TA führt, von dem ich zum ersten Mal im März 2014 hörte. Zum einen elektrisierte mich daran die hybride Klangerzeugung, zum anderen die Tatsache, dass das Instrument den gesampelten Klang des großen Yamaha-Konzertflügels mitbringen sollte. Und ich wusste: genau das brauche ich. Schon immer hatte ich davon geträumt, einmal einen Flügel zu besitzen, aber es fehlte immer am Platz und am nötigen Kleingeld.

Rückendeckung von der Ehefrau

Nun, das TransAcoustic ist auch nicht für kleines Geld zu bekommen, immerhin steht da der Gegenwert eines Kleinwagens im Wohnzimmer – aber ein Auto hatten wir schon. Und jetzt reiht sich meine Frau in die Reihe der Schuldigen ein. Da die Entscheidung für eine so teure Anschaffung bei mir zumeist ungewöhnlich lange dauert, trieb sie mich unbarmherzig an, zur Tat zu schreiten.

Es folgte der Besuch bei meinem Musikalienhändler, der meinte, ich solle das Instrument bei einem richtig großen Händler einmal Probe spielen. Eine Internet-Recherche ergab, dass einige Händler das Klavier wohl im Programm, aber keineswegs vorrätig hatten. Wie ich später erfuhr, war die erste Lieferung nach Deutschland wohl restlos ausverkauft. Jetzt wurde ich richtig mutig: Ich bestellte ein TransAcoustic, ohne es vorher gesehen oder gespielt zu haben, auch weil mein Händler meinte, dass schon das normale U1 ein absolut tolles Ins­trument sei. Auf mein altes Yamaha-Piano freute sich inzwischen schon meine Tochter.

Das Yamaha TransAcoustic hatte – wie bereits

erwähnt – den Preis eines Kleinwagens, aber die Lieferzeit einer Nobelkarosse. Fast sechs Monate musste ich warten, bis es bei uns einzog. Und dann die ersten Akkorde – da lagen tatsächlich Welten zwischen meinem alten und dem neuen Yamaha. Ich spiele es am liebsten in der Kombination von akustischem Klavier und dem digitalen Sound des Yamaha-Konzertflügels, da klingt es wie bei Brickman. Für Klavierstücke von Händel greife ich gerne auf einen der beiden Cembalo-Klänge zu.

Noch war die Zeit zu kurz, um all das, was in diesem Instrument steckt, auszuprobieren. Was sich als Eindruck aber bereits gefestigt hat: Die Schallwandlung mit Hilfe der beiden Transducer, die direkt auf den Resonanzboden des Klaviers wirken und dabei auch die Saiten zum Mitschwingen anregen, ergibt einen überaus lebendigen Klang. Der bleibt auch erhalten bei geringer Lautstärke, aber gleichbleibendem Anschlaggefühl. Dazu kommen die Möglichkeiten des Feintunings und der Individualisierung, was Klangfarbe, Anschlagempfindlichkeit, Saiten- und Dämpferresonanzen anbelangt – all das kannte ich bisher nicht. Eine weitere Produktbeschreibung spare ich mir, denn schließlich wollte ich ja nur die Schuldigen suchen und ein persönliches Fazit ziehen: Mein TransAcoustic und ich – wir werden jetzt auf jeden Fall zusammen bleiben.