Lust auf Piano: Hugo Egon Balder spielt ein Homepiano Yamaha CVP-709

Hugo Egon Balder ist eine schillernde TV-Persönlichkeit, bekannt etwa durch „Tutti Frutti“, „Die Hitgiganten“ oder „Genial daneben“. Er war Schlagzeuger bei einer Rockband und ritt als Schlagersänger auf der Neuen Deutschen Welle. Im Interview erzählt er, warum er neben Popmusik auch Chopin liebt – und auf seinem Yamaha CVP-709 auch selbst spielt.

Hugo Egon Balder
Sein Instrument hat sich Hugo Egon Balder im Yamaha-Showroom in Rellingen ausgesucht. (Foto: Yamaha)

Herr Balder, was bedeutet Ihnen Musik: nette Nebensache, lebensnotwendig oder was sonst?

Lebensnotwendig.

Warum?

Das liegt wohl daran, dass ich seit meinem vierten Lebensjahr Musik mache. Für mich vergeht kaum ein Tag ohne Musik.

Hat man in Ihrer Familie viel Musik gemacht?

Nein, meine Eltern wollten, dass ich Klavierunterricht nehme. Ansonsten hat keiner von uns ein Instrument gespielt.

Waren Sie von Anfang an mit Spaß dabei oder musste man Sie zur Klavierstunde tragen?

In einem gewissen Alter, so zwischen sieben und neun, war’s schon etwas schwierig für mich. Zweimal die Woche Klavierstunde, andere gingen Fußballspielen.

Welche Musik haben Sie als jugendlicher Klavierschüler gespielt?

Ausschließlich Klassik.

Welche Art von Musik spielen Sie heute bevorzugt am Klavier?

Popmusik und Chopin.

Schöne Kombination, wieso gerade Chopin?

Weil mir Chopin schon als Kind gefallen hat. Ich finde seine Musik einfach genial. Vor einigen Jahren war ich auf Mallorca im Kloster Valldemossa, wo Chopin mit George Sand (Schriftstellerin und Lebensgefährtin Chopins, Anm.d.R.) einen Winter verbracht und an seinen 24 Preludes gearbeitet hat. Beeindruckende Geschichte!

Wie wirkt Chopins Musik auf Sie?

Das Schöne ist ja, dass man seinen Stücken sofort anmerkt, in welcher Stimmung er war. Die Zeit auf Mallorca war für ihn ziemlich schwierig. An manchen Tagen war er total am Boden, dann ging’s ihm wieder besser. Er hatte auch große Schwierigkeiten mit der Bevölkerung dort, die ihn und seine Freundin nicht mochten.

Sie selbst hatten eine ziemlich bunt gestrickte Musikerkarriere. In den 1960er-Jahren als Schlagzeuger bei der deutschen Band Birth Control, in den 80ern Ausflüge in die Neue Deutsche Welle?

Diese „Ausflüge“ gingen schon früher los: Bereits 1976 habe ich bei der Polydor eine LP gemacht.

Mit Schlagermusik?

Na ja, wir haben die Schlagermusik verarscht, nur hat das keiner gemerkt. Geld habe ich mit den Schallplatten auch keines verdient – reines Hobby, ich hatte immer meinen Job.

Wie sehen Sie das, wenn Sie sich heute ein Video à la „Erna kommt …“ oder „Schwarzfahren“ auf YouTube reinziehen?

(Stöhnt leise) Oh, Gott! Wie soll ich das sehen, das war ziemlich albern – aber eben die Zeit damals. Ich denke, das geht fast jedem so, wenn er zum Beispiel alte Fotos von sich sieht, dann sagt er vielleicht genau das Gleiche.

Hatten Sie mal an eine Musikerkarriere gedacht?

Mit 11 Jahren wollte ich Dirigent werden. Mein Bruder hatte eine umfangreiche Schallplattensammlung, alles Popmusik. Ich habe mich immer vor den Plattenspieler gestellt und dirigiert. Wobei mir aufgefallen ist: Ich dirigiere gar nicht, ich mach’ den Rhythmus. Und da habe ich zu meiner Mutter gesagt: Ich brauch’n Schlagzeug!

1966 waren Sie Gründungsmitglied der Krautrockband Birth Control. Welche Art von Musik haben Sie damals gehört?

Geprägt haben mich die Beatles, ganz klar. Da ging’s richtig los, da wollte ich wirklich Musiker werden. Als ich als Schlagzeuger bei Birth Control war, haben wir noch gar keinen Krautrock gespielt, wir waren eine Coverband. Das mit dem Krautrock kam – Gott sei Dank – erst später, nachdem ich bereits ausgestiegen war.

Was hat Sie damals davon abgehalten, Musik zum Beruf zu machen?

Ein Autounfall, der Ausstieg aus der Band und meine Eltern, die gesagt haben: Jetzt reicht’s! Und ich bin heute ganz froh darüber.

Spielen Sie gelegentlich noch in einer Band?

Ich bin Teilhaber der Musikkneipe „Zwick“ in Hamburg auf St. Pauli (wo auch der regelmäßige Live-Talk „Der Klügere kippt nach“ für Tele 5 aufgezeichnet wird, Anm.d.Red). Und im Zwick haben wir eine Hausband, die heißt „Sam Sära“ – eine 3-Mann-Coverband, die mit Gitarre, Bass und Schlagzeug spielt. Wenn ich im Laden bin und Zeit habe am Wochenende, dann mische ich mit – auf einem Yamaha-CP40-Stagepiano.

Wie haben Sie nach einer klassischen Klavier­ausbildung gelernt, so etwas zu spielen?

Ich war wohl 10 Jahre alt, als ich einen neuen Klavierlehrer bekam – meine erste Klavierlehrerin wurde immer älter. Dann kam der Neue zu uns nach Hause, und zuerst hatte ich richtig Angst, denn der sah ein bisschen aus wie ein Steuer­berater. Ich dachte, das kann ja heiter werden.

Wie lief die erste Stunde ab?

Zuerst musste ich ihm was vorspielen, Czerny oder sowas. Dann nahm er die Noten vom Pult, holte sich einen zweiten Stuhl, setzte sich rechts neben mich und sagte: „Pass’ auf, ich spiel’ mal was, und du spielst mit. Guck’ mir aber nicht auf die Tasten“. Und ich meinte: „Ich weiß ja nicht mal die Tonart“. Er darauf: „Das musst du hören“.

Damals sicher ungewöhnlich für einen deutschen Klavierlehrer ...

Dieser Mann war der absolute Hammer, toller Jazzpianist! Bei ihm habe ich das Meiste gelernt. Nachdem ich vielleicht vier Wochen Unterricht hatte, konnte ich einen Titel aus dem Radio direkt nachspielen – was ich vorher nicht konnte.

Beneiden Sie einen wie Lang Lang?

Aber natürlich, weil der so klasse spielen kann! Außerdem hat der Typ es geschafft, auch mal jüngere Leute für die Klassik zu begeistern.

Bewundern Sie noch andere Pianisten?

Ja, zwei davon sind leider schon tot: Der eine ist Van Cliburn, ein Amerikaner und unglaublicher Chopin-Interpret. Der andere ist Victor Borge, ein toller Pianist und Komödiant.

Wäre Musikkabarett etwas für Sie?

Unter Umständen, ja.

Welches Instrument spielen Sie zu Hause?

Ein Yamaha CVP-709.

Was gefällt Ihnen daran besonders?

Die große Auswahl an Sounds. In erster Linie verwende ich die Pianoklänge, außerdem E-Piano, viele Synthesizersounds und aus Spaß auch mal Brass oder Gitarre. Auch die Sitar finde ich stark.

Verwenden Sie die Begleitautomatik?

Nicht regelmäßig, sondern nur gelegentlich zur Inspiration.

Wäre dann nicht ein CLP-Modell die Alternative gewesen?

Nein, weil da nicht die gleichen Sounds drin sind. Die tolle Klangauswahl ist für mich essenziell.

War es für Sie wichtig, dass Sie mit dem Instrument auch nachts, über Kopfhörer, spielen können?

Ja, sicher ein wichtiger Grund. Ich hatte zu Hause immer ein akustisches Klavier oder einen Flügel. Wenn man aber nachts um eins Lust zum Spielen bekommt, geht das gar nicht.

Welches Gefühl stellt sich ein, wenn Sie sich an Ihr Instrument setzen?

Ein großes Glücksgefühl und Dankbarkeit für meine Eltern, die mich mit vier Jahren gezwungen haben, Klavier zu lernen.