Lust auf Piano: Musiklehrerin Claudia Killinger spielt ein Homepiano Kawai CA97

Die Münchner Musiklehrerin Claudia Killinger hat sich im Mai dieses Jahres ein digitales Home­piano vom Typ Kawai CA97 gekauft – obwohl sie bereits ein akustisches Schimmel-Klavier besitzt. Kaufabsichten hatte sie schon länger, doch ein Hörsturz beschleunigte ihre Entscheidung: Jetzt spielt sie überwiegend in gehörschonender Lautstärke.

Claudia Killinger
Die Top-Tastatur von Kawai (Grand Feel II) bietet Claudia Killinger die nötigen Voraussetzungen, um an Feinheiten der Interpretation arbeiten zu können. (Foto: Chris Przybilla)

Die Absicht, Musik zum Beruf zu machen, wurde der Münchnerin Claudia Killinger, 45 Jahre, nicht in die Wiege gelegt. „Eigentlich habe ich relativ lange gebraucht, um herauszufinden, dass ich Musik studieren wollte.“ Nicht, dass es an der entsprechenden Ausbildung gemangelt hätte: Bereits mit fünf Jahren bekam die kleine Claudia Privatunterricht bei Karl-Hermann Mron­govius, einem international renommierten Pianisten und Hochschulprofessor in München. Mit 14 Jahren ging sie als Jungstudentin an die Musikhochschule, um dort neben der normalen Schulausbildung (Gymnasium) bei Mrongovius Klavier zu studieren. „Im Rahmen dieser Ausbildung musste man regelmäßig Prüfungen ablegen, um den aktuellen Leistungsstand zu dokumentieren“.

Nach dem Abitur, mit 19 Jahren, war sie zunächst unschlüssig: „Ich war, was die Musik anbelangt, sehr leistungsorientiert erzogen worden und wollte erst einmal etwas ganz Anderes machen. Am liebsten hätte ich getanzt, brachte dafür aber nicht die nötigen körperlichen Voraussetzungen mit.“ Erst studierte Claudia Killinger Psychologie, wechselt dann aber zum Lehramtstudium (Grundschule) mit Hauptunterrichtsfach Biologie.

Nach dem fünften Semester stellte sie die Weichen nochmal neu: Sie entschied sich für Musik als Hauptfach und machte die dafür nötige Eignungsprüfung auf der Musikhochschule. „Wir hatten die schöne Situation, dass wir als Grundschullehrer mit Hauptfach Musik zusammen mit den Diplom-Stu­diengängen auf der Musikhochschule eingeschrieben waren. Das bedeutete für mich: eine intensive pädagogische Ausbildung, gleichzeitig aber Top-Lehrer in Klavier und Gesang.“ Nach 10 Semestern schloss Claudia Killinger ihre Ausbildung mit dem ersten Staatsexamen ab, um anschließend eine Stelle an der Städtischen Sing- und Musikschule in München anzutreten. Darüberhinaus gab sie privaten Klavierunterricht.

Silent-Piano als Studienbegleiter

Wie kaum anders zu erwarten, hat Claudia Killinger den größten Teil ihres Lebens auf akustischen Klavieren gespielt, zunächst auf einem älteren Schimmel, das in ihrem Elternhaus stand. „Beim Wechsel zum Hauptfach Musik habe ich mir dann ein Schimmel-Piano mit Silent-Technik zugelegt.“ Ein halbes Jahr lang habe sie besonders intensiv – sechs bis acht Stunden am Tag – geübt. „Auch nachts“, erinnert sich Claudia Killinger, „und ohne Stummschaltemechanik wäre das nicht möglich gewesen.“ Das Anschlagsverhalten und den akustischen Klang

ihres Schimmel-Klaviers schätzt Claudia Killinger bis heute. Weniger aber die digitale Klangerzeugung im Stummschalte-Modus, denn das gut 20 Jahre alte Silent-Instrument ist in dieser Hinsicht nicht mehr State-of-the-Art. „Das Arbeiten an der Interpretation eines Stücks ist damit kaum möglich,“ bedauert Claudia Killinger.

Schon vor Jahren habe sie mit dem Gedanken gespielt, sich zusätzlich ein hochwertiges Digital­piano anzuschaffen. „Ich lebe mit meinen drei Kindern in einem ziemlich hellhörigen Mehrfamilienhaus, und meine Nachbarn freuen sich nicht über permanente Berieselung mit Klaviermusik.“ Einmal habe sie sich fast in einen Roland-Digitalflügel verliebt, der bei ihrem Musikhändler – Hieber Lindberg im Münchner Stadtzentrum – stand. „Ich war ziemlich angetan von den technischen und musikalischen Möglichkeiten, die sich da boten.“ Kurzzeitig wollte sie sogar das Schimmel-Klavier verkaufen und sich den Digitalflügel zulegen. „Das habe ich aber doch nicht übers Herz gebracht“, sinniert Claudia Killinger.

Gehörschonend üben als Programm

Im Mai dieses Jahres passierte etwas Unerwartetes – für Claudia Killinger eine Katastrophe. Sie erlitt einen Hörsturz mit allen bekannten Folgen von anfänglicher Hörminderung bis hin zum quälenden Tinnitus. Sie wurde mit Infusionen behandelt, ging auf Kur und erholte sich nur langsam. Bis heute geblieben ist eine ausgeprägte Geräuschempfindlichkeit. „Das Spielen an einem akustischen Klavier und die damit verbundene Lautstärke empfinde ich nach wie vor als belastend“, erklärt Claudia Killinger. „Deshalb fasste ich den nunmehr endgültigen Entschluss, ein gutes Digitalpiano zu kaufen. Der wichtigste Vorteil ist für mich, dass ich die Lautstärke beliebig regeln kann, ohne gleichzeitig über Kopfhörer spielen zu müssen.“

Ihre Wahl fiel auf ein Kawai CA97 zum Preis von mehr als 3000 Euro. „Eigentlich wollte ich nie soviel Geld in ein Digitalpiano investieren, andererseits aber keine faulen Kompromisse machen. Mit etwas weniger Gutem wäre ich nur unglücklich, und das Instrument stünde ungenutzt in der Ecke.“ Die wenigen Privatschüler, die sie derzeit hat, unterrichtet sie ebenfalls am Digitalpiano. „Die meisten meiner Schüler haben ebenfalls ein digitales Ins­trument, für die ist das also nichts Neues.“ Das Allerwichtigste sei, meint Claudia Killinger, eine möglichst gute Tastatur, natürlich mit vollem Tonumfang. „Beim CA97 brauche ich etwas weniger Kraft zum Spielen als bei meinem Schimmel. Im Vergleich zu anderen gut spielbaren Klavieren, die ich kenne, gibt es ebenfalls Unterschiede – aber es fühlt sich nicht weniger gut an.“

Möglichkeiten noch nicht ausgereizt

Reizen Sie die technischen Möglichkeiten Ihres Instruments eigentlich aus, fragen wir Claudia Killinger: „Derzeit überhaupt nicht“, mei nt sie fast entschuldigend. „Ich hatte noch nicht genug Zeit, mich eingehender damit zu beschäftigen. Das habe ich mir für lange Winterabende vorgenommen.“ Was sie aus pädagogischer Sicht für interessant hält: das Aufnehmen eines Klavierparts für die linke oder rechte Hand, um die jeweils andere Hand zu üben. Sie könnte sich aber auch vorstellen, ihren Schülern das Üben mit Playalongs schmackhaft zu machen –„vor allem, wenn es sich dabei um Jugend­liche oder Erwachsene handelt.“ Es werde aber noch einige Zeit dauern, bis sie wieder mehr Privatschüler unterrichten könne.

Gibt es auch Dinge, die ihr am Digitalpiano fehlen? Claudia Killinger, nach kurzem Überlegen: „Vielleicht hat ein akustisches Klavier mehr Seele. Bei meinem Schimmel merke ich es, wenn das Wetter umschlägt. Irgendetwas verändert sich permanent – und so natürlich auch die Stimmung. Bei einem Digitalpiano ist das nicht der Fall, aber das macht es ja nicht unbedingt schlechter.“ Solo-Konzerte „mit feinster Klassik“ würde sie zwar auf einem Digitalpiano nicht spielen, etwas Kammermusika­lisches oder Klavierbegleitung zum Gesang aber jederzeit.