Manfred Kuhn, Product Marketing Manager bei Cordial im Interview: Ein Hersteller feilt am Markendesign

Cordial kommt mit neuem Logo und aufpoliertem Erscheinungsbild. Im tastenwelt-Interview erzählt Manfred Kuhn vom Produktmarketing, warum es dabei um mehr als Äußerlichkeiten geht – und was der Käufer davon hat.

Manfred Kuhn - Cordial

Kabelspezialist Cordial gönnt sich ein neues Corporate Design – warum?

Seit Jahren arbeiten wir an der stetigen Optimierung unserer Produkte, allerdings ohne das Erscheinungsbild des Unternehmens entsprechend anzupassen. Das alte Logo und die alten Firmenfarben konnten dem auch nicht mehr gerecht werden, darum war es nun an der Zeit, uns zu verändern. Das neue Corporate Design spiegelt nun mehr den Qualitätsanspruch wieder, den wir auch an unsere Produkte haben.

Sofort ins Auge fällt das neue Logo. Welche Gedanken haben dabei eine Rolle gespielt?

Wir haben uns gefragt, welche Farbe Stabilität, Robustheit demonstriert. Stahl, Beton und auch die Mäntel unserer Kabel sind dunkelgrau bzw. anthrazit. Der Kupferton steht für die hochwertige Qualität der von uns verwendeten Edelmetalle. Das freundliche, helle Blau signalisiert Fairness – was wir primär auf das Preis-Leistungs-Verhältnis beziehen. Das neue Logo sollte nun optisch und inhaltlich diese Attribute widerspiegeln, somit waren die genannten Farben naheliegend. Das Ganze sollte klar sein und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Der Kern unseres Unternehmens sollte sich durch die Neupositionierung ja nicht ändern: Wir standen immer schon für Kabel, und auch das neue Logo sollte dies deutlich machen. Das war die Basis für das neue C im Logo, das ein Kabel mit dem Kupferkern, der Hülle und dem Mantel visualisiert. Unser neuer Slogan unterstreicht dies: „We are cable“.

Was ändert sich sonst noch am äußeren Erscheinungsbild der Marke, z.B. bei der Verpackung?

Einfach gesagt: alles. Bei der Verpackung setzen wir auf ein umweltfreundliches Papier und auf eine neuartige, biologisch abbaubare Folie. Damit schaffen wir eine zeitgemäße Verpackung, die künftig neben den herkömmlichen Entsorgungs­wegen über den Kompostmüll entsorgt werden kann. Das ist einzigartig, innovativ und unser Beitrag zum Themenkreis Verantwortung, Umweltschutz und Müllvermeidung.

Ändert sich auch am Produktsortiment etwas Wesentliches?

Ja, wir lösen uns von unseren alten fünf Linien. So, wie wir unser Firmenlogo auf das Wesentliche konzentriert haben, grenzen wir auch unsere Produktgruppen pointierter voneinander ab. Aus unseren fünf Linien haben wir die drei Produkt­gruppen intro, peak und encore gebildet – dadurch erhöhen wir die Transparenz für unsere Kunden. Die gewohnte Qualität der Kabel bleibt dabei natürlich unverändert, was auch für die Produkt­bezeichnungen gilt.

Profitiert der Firmenauftritt im Internet vom neuen Corporate Design?

Natürlich ja! Wir arbeiten gerade an unserer Homepage, die selbstverständlich dem neuen Stil Rechnung tragen wird. Das Ganze soll – so viel ist sicher – aufgeräumter, übersichtlicher und moderner werden. Inhaltlich stellen wir natürlich jetzt gleich auf die neuen Produktgruppen um. Bei Erscheinen dieser Ausgabe sollte die neue Homepage bereits online sein.

Wo liegen die Hauptunterschiede zwischen den Kabelserien des Hauses Cordial?

Wie bereits erwähnt unterscheiden wir künftig drei Produktgruppen: intro, peak und encore. Für Einsteiger und Basisanwendungen haben wir die Intro-Gruppe, in der sich die Vielfalt und das erstklassige Preis-Leistungs-Niveau unserer vormaligen Fair- und Silver-Line vereinen. Intro ist die variantenreiche Sortimentsgruppe für (fast) alle Ansprüche. Peak steht für den Höhepunkt einer Komposition, für einsame Spitze. In dieser Gruppe finden sich die international bewährten Produkte aus der ehemaligen Pro-Line – Profikabel, die sich durch extrem hohe Belastbarkeit und außerordentlich hochwertige Herstellungstechnik auszeichnen. Musikern, die noch ein Stück mehr wollen, bieten wir encore – die Zugabe, das Extra, das Übersoll für Musiker auf der Suche nach dem perfekten Sound, mit Freude an gelungenem Design oder auch einfach für Anwendungen in besonders rauem Umfeld. Zu den Produkten dieser Kategorie gehören etwa die Crystal- und Vintage-Kabel sowie die Road-Line mit besonders strapa­zierfähigem Kunststoffmantel.

Gab es in den vergangenen Jahren besonders wichtige Innovationen bei Kabeln?

Zum Beispiel die Entwicklung unserer unsymmetrischen Klinkenkabel der Spitzenklasse. Seit wir das CGK-122-Kabel 1996 entwickelt haben, sind wir damit ungeschlagen, wenn es um besten Klang geht. Mikrofoniegeräusche haben wir damit abgeschafft und kapazitive Höhenverluste so weit als möglich reduziert. Allerdings ist das Kabel aufgrund seines speziellen Aufbaus etwas steif. 2008 haben wir nun einen anderen Aufbau entwickelt, der ähnliche Übertragungseigenschaften gewährleistet, allerdings auch noch sehr viel flexibler ist. Die Rede ist vom CGK Road 75. Obendrein ist dieses Kabel auch noch extrem belastbar. Auch bei den Mikrofonkabeln haben wir ähnliche Entwicklungen vollzogen. Innovativ ist sicher auch unser Konzept, Y-Adapter zu bauen. Wir realisieren die Verschaltung komplett in einem bisher einzigartigen Y-Stück, brauchen damit keine Zwillingskabel mehr und schaffen eine qualitativ sehr hochwertige, zudem schöne Lösung.

Sind bei Kabeln in den nächsten Jahren noch merkbare Entwicklungsschritte zu erwarten?

Ja, zur Pro Light + Sound stellen wir unser neues Mikrofonkabel CMFLEX 222 vor – als nächsten Schritt auf dem Weg zum ultimativ flexiblen Mikrofonkabel mit neuer Mantelmischung und ungeahnt guten Handlings-Eigenschaften. Was danach kommt, möchte ich noch nicht verraten.

Woher kommt der Input für Neuentwicklungen?

Dank unserer Vertriebspartner, Händler und Vertriebsmitarbeiter haben wir unsere Ohren eh schon ganz nah am Markt. Dazu arbeiten wir sehr intensiv mit Künstlern und Veranstaltungsfirmen zusammen. Auch hier bekommen wir sehr viel Feedback. Das Mikrofonkabel CMFLEX ist zum Beispiel auf diesem Weg entstanden. Uwe Rodermund, unser Pro-Mann, hat die Wünsche zusammengetragen, und wir haben nun zusammen innerhalb eines guten Jahres die passende Lösung erarbeitet.

Welche Bedeutung hat für Cordial die Zusammenarbeit mit dem Steckerhersteller Neutrik?

Cordial steht für erstklassige Qualität, Neutrik auch. Damit passt das schon mal ganz gut zusammen. Selbst in unserer Fertigung in China setzen wir auf das Know-how von Neutrik und verwenden ausschließlich Steckverbinder von Rean, der chinesischen Produktion der Neutrik AG. Da wir mit der Qualität des Herstellers sehr zufrieden sind und die Innovationskraft von Neutrik ungeschlagen ist, sehen wir auch keinen Grund für alternative Gedanken. Als Beispiele seien nur kurz die Silent-, Powercon- und Crystal-Stecker erwähnt.

Haben Sie direkten Kontakt zu Endkunden, abgesehen von Ihren Endorsern?

Teilweise schreiben uns Endverbraucher direkt an und teilen uns Ihre Meinung mit. Zum anderen Teil geschieht dies auch über unsere Fachhändler. In jedem Fall freuen wir uns über jedes Feedback und lernen daraus.

Wie kann der Kunde ein gutes Kabel erkennen?

Am Handling: Am Besten ist es immer noch, ein Kabel in die Hand zu nehmen, zu bewegen und seine Reaktion zu spüren. Allerdings ist Flexibilität in diesem Zusammenhang nicht alles. So manches butterweiche Kabel fixiert die Innenleiter nicht wirklich und verformt sich nach kurzer Zeit. Davon können wir nur abraten – es kommt auf den optimalen Kompromiss an. Zudem versprechen renommierte Hersteller wie Cordial solide Qualität und nachhaltigen Service.

Wollen Musiker bei Kabeln wirklich Qualität oder in erster Linie günstige Preise?

Ein günstiger Preis muss nicht gegen Qualität sprechen. Unser CCFI-PP-Kabel ist für seinen Preis ein wirklich gutes Produkt und schaut obendrein auch noch gut aus. Es dürfte allerdings jedem einleuchten, dass auch im Preis nach unten irgendwo eine Grenze besteht. Schließlich setzen sich die Kabel aus teuren Werkstoffen, darunter das Edelmetall Kupfer, zusammen. Dann haben wir noch die Arbeitskraft als Einfluss- bzw. Kostenfaktor. Wir finden es aber nicht richtig, von einem Niedriglohnland zum nächsten zu springen, um immer weiter an dieser Schraube zu drehen. Daher haben wir uns auf unsere Fertigungs­stätten in Europa und in China fixiert. Damit übernehmen wir auch Verantwortung, die aus unserer Sicht gleichbedeutend mit Fairplay ist.

Ihre wichtigsten Tipps zum Umgang mit Kabeln?

Immer locker in die Hand wickeln und dem Drall des Kabels nachgeben. Niemals über den Ellen­bogen und dabei das Kabel verbiegen. Das verzeiht einem kein Kabel, egal, wie gut es ist. Ansonsten kann man nicht so viel falsch machen, wenn man gute Kabel hat.

Statement: Zwei Jahre Arbeit am Markendesign

Francois Rousies

François Rousies ist Geschäftsführer bei Cordial. Den Weg zum neuen Corporate Design beschreibt er so: „Lange haben wir uns nur um unsere Kabel, ihre Entwicklung und Qualitätseigenschaften gekümmert. Wir dachten: Das Produkt spricht für sich, das reicht, die Anwender wollen das so. Wir mussten aber die Notwendigkeit erkennen, dass man den Anwender erst einmal zum Produkt bringen muss, damit er es in die Hand nimmt und sich selbst ein Urteil bildet. Wir haben auch die Botschaft verstanden, die von unseren Vertriebspartnern und Endkunden, vor allem unseren Endorsern, kam. Sie lautete: Ihr habt hervorragende Produkte, warum zeigt ihr es nicht? Als wir dieses Problem erkannt hatten, reduzierten wir es auf eine einfach zu formulierende, aber nicht leicht zu beantwortende Frage: Was ist Cordial? Wer sind wir? Und dann: Wie können wir uns adäquat darstellen? Dieses Projekt hat uns zwei Jahre lang beschäftigt, das Ergebnis ist unser neues Corporate Design. Vor allem das neue Logo mit dem großen C von Cordial und dem stilisierten Kabelstück wird bereits von weitem (wieder)erkennbar sein und den markentypischen Qualitätsanspruch signalisieren."