Mixing von der Bühne am Beispiel der HK Audio Pulsar

Bei Groß-Events ist es nahezu undenkbar, in der kommerziellen Tanz- und Unterhaltungsmusik eine gewohnte Selbstverständlichkeit: das Mixing von bzw. auf der Bühne. Den speziellen Anforderungen zu entsprechen und in unterschiedlichen Lautstärken für ein transparentes und homogenes Klangbild zu sorgen, ist kompliziert. In diesem Workshop gibt es Anregungen, wie das funktionieren kann.

Mit dem Mischpult auf der Bühne zu arbeiten, ist für kleine und mittlere Besetzungen nichts Ungewöhnliches. Die allermeisten Veranstaltungen von Hochzeiten über Firmenfeiern bis zum Wein- oder Schützenfest bieten weder die Größe noch den finanziellen Spielraum für einen zusätzlichen Techniker irgendwo im Saal – weshalb auch. Und ganz ehrlich: Eigentlich denkt man nicht einmal darüber nach. Das wäre, wie mit den vielzitierten Kanonen auf Spatzen zu schießen. Die Bands sind meisterhaft im Finden von Kompromissen, die sich daraus zwangsläufig und nur folgerichtig ergeben. Abgesehen davon, dass sie immer wieder vollkommen unterschiedliche räumliche Gegebenheiten – und auch Gäste – in den Griff bekommen müssen, ist die bekannte Problematik, dass man sich hinter den Frontboxen befindet. Ein verlässliches akustisches Feedback ist nicht vorhanden und spätestens mit dem Hochziehen der Master-Fader bei fortschreitendem Abend mutiert der eben noch stimmige Sound zum Vermutungsfaktor.

Das hat akustische und physikalische Gründe und lässt sich mit Vernunft, Vorbereitung und vor allem dem passenden Equipment ausgleichen. Ein paar Grundlagen erleichtern dabei das Verständnis: Der Gesamtsound setzt sich aus zahlreichen filigranen Details zusammen. Eine Klangsuppe, die bestens abgeschmeckt werden sollte und in der störende Gewürze nichts zu suchen haben. Letztlich aber kann der Mix auf ein paar Grundparameter reduziert werden: Frequenzen, Raumeffekte und Leistungsfähigkeit des PA-Systems. Unterhaltungsmusiker kennen das aus der Praxis: Die Frequenzbänder von Bässen, Mitten und Höhen verteilen sich nicht mit derselben Geschwindigkeit im Raum – und werden ebenso unterschiedlich von den Wänden, der Bestuhlung und vielem mehr reflektiert.

Ohren hören, was ihnen suggeriert wird

Das menschliche Ohr, lässt sich – leider – nur allzu gerne betrügen. Tiefe Töne hört der Mensch schwerer und leiser als andere. Basstöne müssten etwa viermal so laut sein, damit sie in der gleichen Intensität wie die höheren Frequenzen rüberkommen. Bei geringen Lautstärken nimmt man die hohen Frequenzen angenehm wahr. Wird es lauter, werden sie schnell zur Qual für die Ohren. Das heißt: Die Frequenzen werden von den Gästen nicht linear wahrgenommen, ganz im Gegenteil. Das Verhältnis muss also abhängig von der jeweiligen Lautstärke aufeinander abgestimmt werden. Geregelt wird das bei aktiven PA-Systemen übrigens an den Boxen.

Der Mann (oder die Frau) am Mischpult greift zu den Raumeffekten. Grundsätzlich gilt dabei: Wählen Sie die Hallzeiten nicht zu lang, wenn nicht gerade eine Ballade ansteht. Und wenn Sie längere Hall­zeiten verwenden, achten Sie darauf, dass der Hall­anteil am Signal nicht zu hoch ist – ein „schlanker“ Hall darf auch mal etwas länger sein. Dann kommt der Equalizer ins Spiel. Grundsätzlich gilt für den Umgang damit: Es ist immer besser, Frequenzen abzusenken, die man nicht hören will, als die bevorzugten Kandidaten anzuheben, gerade in der Tanz- und Unterhaltungsmusik. Dadurch klingt das Ergebnis weniger aggressiv und weitaus natürlicher. Damit die Bässe am Anfang des Abends den Gästen nicht das Weinglas von der Tischplatte schubsen, lässt man die Subwoofer einfach aus, betreibt lediglich eine Seite oder senkt den Tiefbass zwischen

20 und 40 Hz mit Fingerspitzengefühl und geringer Flankensteilheit ein wenig ab. Die oberen Mitten – also der Bereich zwischen 1.000 und 2.000 Hz –werden schmalbandig betont, und besonders filigran sollte man mit den unteren und mittleren Höhen (2.000 bis 6.000 Hz) umgehen. Dies ist das Spektrum, das auf der einen Seite für die Natürlichkeit des Klangs steht, andererseits auch bis zur Schmerzgrenze deutlich gehört wird – erst recht bei Laut­stärke. Nach dem Soundcheck freut man sich, dass man sogar das Quietschen der Saaltür eliminiert hat. Die Gäste können kommen.

 

Tipp: Körpersprache der Gäste deuten

Was man nicht hören kann, kann man beim Mischen von der Bühne aus mit ein bisschen Feingefühlsehen: Die Körperhaltung der Gäste spricht Bände. Beugen sie sich bei den Gesprächen ganz besonders dicht zueinander, oder sitzen sie in normaler Entfernung? Sind die Blicke eher freundlich, oder befindet sich darin ein Hauch von genervter Aggression? Wenn’s auf der Tanzfläche zur Sache geht: In welcher Entfernung von der Bühne tanzen die meisten Menschen? Und – abgesehen von der individuellen Körperbeherrschung – tanzen sie wirklich exakt auf den Punkt? All diese Aspekte sind im Umkehrschluss auch Signale für den Bediener des Mischpults auf der Bühne. Er kann beispielsweise erkennen, ob das Klangbild im Bass verwaschen oder transparent ist, oder ob schrille Frequenzen für hochgestellte Nackenhaare sorgen. Ja sogar, ob Sound und Musik wirklich den Genuss oder instinktive Abwehrhaltung fördern. Wenn Letzteres zutrifft, ist höchste Zeit zum Nachregeln.

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