Moogmusic Minimoog Model D im Test: Legende wiederbelebt

Als 1970 der erste Minimoog erschien, war nicht abzusehen, dass er die Blaupause für eine ganze Synthesizergeneration werden würde. Noch weniger vorauszusehen war, dass das Gerät nach 46 Jahren in fast unveränderter Form nun wieder neu in den Läden steht: als Minimoog Model D. Wir haben darauf gespielt.

Der Minimoog war keinesfalls der erste Synthesizer. Vor ihm gab es verschiedene Einzelprojekte und Modularsysteme, unter anderem auch von Robert A. Moog. Doch diese Geräte gab es nur in geringer Stückzahl, und sie wurden zudem überwiegend im akademischen Bereich eingesetzt. Nur wenige Musiker und Studios konnten sich ein solches Instrument leisten und produktiv einsetzen. Bob Moog erkannte als Erster, dass ein kompaktes und bezahlbares Gerät der nächste Schritt in der Entwicklung des Musikinstruments  Synthesizer sein musste. Gemeinsam mit Musikern und Ingenieuren wurden Ideen und Erfahrungen zusammengetragen, wie ein kompakter Synthesizer ausgestattet sein müsste. 

Das Ergebnis war nicht einfach nur ein praktikabler Synthesizer für jedermann, sondern wurde auch zur Blaupause für unzählige Folgeprodukte der nächsten Jahrzehnte. Die VCO-VCF-VCA-Struktur als Konzept, die Anordnung der einzelnen Elemente dieser Struktur und selbst die zugehörigen Regler wurden ebenso zum Maßstab wie die klanglichen Qualitäten des Minimoog. Der Wirkungsgrad des Filters oder die Schnelligkeit der Hüllkurven sind bis heute Vergleichswerte, die man zur Bewertung neuer Synthesizer heranzieht. Wenn man zum Beispiel sagt: „So zackig …“ oder „weniger ausgeprägt als beim Minimoog“ sind das nicht nur Phrasen, sondern Bezugspunkte, die jeder Synthesizer-Fan zuordnen kann.

Nach seinem Produktionsende mit immerhin über 10.000 gebauten Geräten war der Minimoog noch lange nicht obsolet. Er wurde nicht nur als Hardware nachgebaut, sondern später sogar zur Messlatte für neue Technologien wie etwa DSP basierten Tonerzeugungen und VST-Instrumenten. Der Wettkampf, wer die originalgetreueste Minimoog-Emulation programmiert, dauert bis heute an. 

Seit Bob Moog seine Firma Moogmusic reaktiviert hatte, wartete die Synthesizerwelt darauf, dass er erneut einen Minimoog bauen würde. Allerdings war Bob Moog weniger traditionsbewusst als seine Fans. Für ihn war Weiterentwickelung wichtiger als Reproduktion, und so konstruierte er 2002 den modernen und speicherbaren Minimoog Voyager, der bis heute in der XL-Variante verfügbar ist. Erst nach Bob Moogs Tod orientierte sich Moogmusic neben weiteren Neuentwicklungen wieder an den eigenen Klassikern. Zuerst ließ man die alten Modularsysteme wieder auferstehen und nunmehr den Minimoog Model D. Man muss es sich vor Augen führen: Dieses erste Gerät seiner Art wird nach über 40 Jahren fast unverändert wieder aufgelegt und gibt immer noch die Maßstäbe vor. Weder bei Telefon, Fernseher oder Kühlschrank könnte man sich auch nur im Entferntesten eine ähnliche Situation vorstellen.

Outfit

Der Minimoog Model D ist mit dem ursprünglichen Original äußerlich baugleich, lediglich ein paar Anschlüsse und Bedienelemente sind hinzugekommen. Auffällig ist das massive Holzgehäuse im Design der 70er-Jahre. Authentisch, aber nicht sehr schick. Das Bedien-Panel lässt sich wie gewohnt hochklappen und in verschiedenen Neigungswinkeln abstützen.

Die ursprüngliche Tastatur ist nicht mehr erhältlich, stattdessen kommt hier eine Fatar TP/9 zum Einsatz, die mechanisch hochwertiger ist. Leider sind Pitch- und Modulationsrad nicht modernisiert worden. Hier fehlt eine Rückholfeder, und beide Räder bewegen sich nicht eben weich. Ganz anders das Bedien-Panel: Die großen Regler haben ein wunderbares Anfass- und Drehgefühl und laden zum Klangschrauben regelrecht ein.

Anschlussseitig ist am meisten geschehen: Selbstverständlich ist ein MIDI-Interface mit In-, Out- und Thru-Buchsen integriert. Beim Einschalten des Minimoog können dabei durch Halten bestimmter Tasten MIDI-Kanal, Noten-Priorität und andere Global-Einstellungen vorgenommen werden. Als analoge Steuerausgänge sind V-Trigger/Gate, das den alten Switched-Trigger ablöst, Pitch, Velocity sowie After-Pressure vorhanden – letztere mit Trimpotis als Abschwächer. Eingangsseitig können V-Trigger/Gate und CV-Quellen zur Steuerung von Oszillator, Filter und Loudness sowie eine externe Modula­tionsquelle angeschlossen werden. Strom gibt es inzwischen über ein externes Netzteil, das mit einem XLR-Stecker ausgestattet ist. Das ist zwar eine 

sichere Verbindung, doch im Notfall lässt sich hier in der Praxis bei Verlust wohl kaum zeitnah ein adäquater Ersatz organisieren.

Klangerzeugung

Der Minimoog Model D leistet sich drei Oszillatoren, was bei diskret aufgebauter Analogtechnik einen ziemlichen Aufwand darstellt. Hersteller Moog gibt dazu an, dass die Stimmstabilität der neu gefundenen Lösung gegenüber der alten Schaltung deutlich verbessert wurde. Die drei VCOs besitzen jeweils sechs Wellenformen und lassen sich in sechs Fußlagen schalten. VCO 2 und 3 können zusätzlich zum VCO 1 verstimmt werden. Oszillator 3 nimmt eine Sonderstellung ein: Er kann in den so genannten Lo-Modus versetzt und von der Keyboardsteuerung entkoppelt werden. Damit dient er alternativ als LFO, den das alte Modell nicht besaß. Dem neuen Minimoog wurde jedoch zusätzlich ein separater LFO spendiert.

Der Sound der Oszillatoren ist unglaublich. Hört man sie trocken ohne Filterbearbeitung, sind sie äußerst direkt und bieten eine große Klangfülle. Besonders im Bass klingt es überaus mächtig, egal, ob man Sägezahn, eines der drei Rechtecke, Dreieck oder die Moog spezifische Kombination Triangle/Saw nimmt.

Bei aller Klangfülle darf man jedoch nicht übersehen, dass in der Oszillatorsektion einige Funktionen fehlen, die man heute eigentlich als selbstverständlich erachtet. Es gibt keine Oszillatorsynchronisation, keine Frequenz- oder Ringmodulation und auch keine modulierbare Pulsbreite. Metallische Sounds oder im engeren Sinne aggressive Sounds sind auf diese Weise nicht zu erzielen. Zwar kann man VCO 3 als Modulator für die anderen beiden Oszillatoren nutzen, allerdings funktioniert dieses Prinzip lediglich im Lo-Modus sinnvoll. Setzt man dagegen VCO 3 in den Audiobereich, verarbeiten die Steuereingänge der anderen Oszillatoren dies nicht mehr.

Im Mixer werden die drei VCOs gemischt, wobei die Signale auch mit Schaltern einzeln deaktiviert werden können. Auf diese Weise lassen sich hier Signale schnell ausblenden, ohne hierzu die Mixereinstellungen zu verändern. Zusätzlich ist ein Generator mit weißem und rosa Rauschen vorhanden, und es kann eine externe Klangquelle eingespeist werden. Ist der zuletzt genannte Eingang nicht belegt, speist der Minimoog über diesen Weg seinen eigenen Ausgang in das Filter zurück. Bei hohen Pegeln kommt es auf diese Weise zu verzerrten Sounds bis hin zu chaotischen Drones, was per Overload-Lampe angezeigt wird.

Filter

Die Transistor-Kaskadenschaltung von Moog ist legendär und wurde unzählige Male kopiert. Das 24-dB-Tiefpassfilter packt nicht nur kräftig zu, sondern besitzt auch eine fein dosierbare und nicht aufdringliche Resonanz. Das Resonanzverhalten reagiert jedoch auch auf den Pegel des Mixerausgangs. Das Filter kann bei hohem Pegel etwas übersteuert werden, wodurch die Resonanz weniger ausgeprägt klingt.

Das Filter spielt seine Stärken bei Bässen aus. Aus dem vollen VCO-Signalmix schält es den kräf­tigen Tieftonanteil heraus. In dieser Disziplin bleibt der Minimoog ungeschlagen. Bei erhöhter Resonanz sinkt der Bassbereich hörbar ab, doch dafür wird dem Klang eine Weichheit verliehen, die selbst die obertonarme Dreieckswellenform noch runder klingen lässt, was sich für Leadsounds wunderbar anbietet. Im letzten Stück des Regelwegs wird die Resonanz heftig, gerät in die Selbstoszillation und kann in Kombination mit Filter-FM zur Erzeugung formanthaltiger, brachialer Klänge genutzt werden.

Controller

Der Minimoog besitzt zwei zackige Hüllkurven mit den Phasen Attack, Decay und Sustain. Release kann separat aktiviert werden und entspricht dann dem Decay-Wert. Eine Hüllkurve ist dem VCA zugeordnet, die andere kann mit veränderbarer Intensität das Filter modulieren. Im Controller-Bereich lässt sich die Filterhüllkurve parallel auch zur Tonhöhenmodulation der Oszillatoren heranziehen.

Als Neuerung gibt es einen extra LFO mit Rechteck- und Dreieckswellenform. Dieser wird ebenfalls in der Controller-Sektion seinem Ziel zugewiesen. Sein Regler ist mit einem Zugpotenziometer ausgestattet, das zwischen den Wellenformen wählt. Über Modulation-Mix kann eine Kombination aus VCO 3, Filterhüllkurve, Rauschen und LFO eingestellt werden, deren Intensität mit dem Modulationsrad gesteuert wird. Das Ziel wird über Schalter bei den Oszillatoren und beim Filter adressiert. Für den VCF lohnt sich die Audio-Nutzung von VCO 3, da es, im Gegensatz zu den Oszillatoren, hierauf gut reagiert.

Fazit

Der Minimoog Model D klingt herausragend in den Disziplinen, die ihn nicht umsonst berühmt gemacht haben. Für satte und knackige Bässe, cremige Solosounds mit Glide und perkussive Sequencerfiguren gibt es eben kaum eine Alternative, die eine solche Klangfülle aufweist. Die kleinen Verbesserungen stehen dem Minimoog Model D gut zu Gesicht, allerdings hätte man an der einen oder anderen Stelle etwas weiter gehen können, denn trotz seiner Verbesserungen schleppt der Synthesizer auch ein paar unzeitgemäße Altlasten mit. Andere Analogsynthesizer können mit mehr Oszillatorfunktionen, wesentlich umfangreicherer MIDI-Steuerung und Speicherplätzen aufwarten Doch sei’s drum: Wer das Geld investieren möchte, weiß, was er bekommt: einen hervorragend klingenden Synthesizer, der in seiner eigenen Liga spielt.

+ Hervorragender Klang

+ Kräftiges Filter

+ Verbesserungen (MIDI, LFO, Anschlüsse)

- Unzeitgemäße Pitch- und Modulationsräder