Recht: Der Demo-Vertrag

In diesem Workshop erklären wir das Konstrukt des Demo-Vertrags, mit dem eine Plattenfirma unbekannten Künstlern Starthilfe geben kann. Ziel: den passenden Produzenten finden und erste Aufnahmen mit ihm machen.

Die Zusammenarbeit zwischen Künstler und Plattenfirma kann sehr unterschiedlich ausgestaltet sein. Wenn ein bereits etablierter und erfolgreicher Künstler mit einer Plattenfirma einen Vertrag abschließt, wird es inhaltlich in erster Linie darum gehen, wie viele Musik-Produktionen („Alben“) durchgeführt werden und wie der Künstler in wirtschaftlicher Hinsicht an den einzelnen Verwertungen (CD, DVD, Download, Streaming, etc.) beteiligt wird.

Völlig anders ist die Situation jedoch bei einem Künstler, der noch gänzlich unbekannt ist und ganz am Anfang seiner Karriere steht – und noch keine professionelle Musikproduktion (ein Album) vorzuweisen hat. Ohne ein professionell produziertes Album ist es kaum möglich, eine breite und weitflächige Hörerschaft zu erreichen; dies ist aber wiederum die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg des Künstlers.

Für eine solche Album-Produktion benötigt man einen erfahrenen Produzenten, der über das Können und Know-How verfügt, eine auf den Künstler zugeschnittene Produktion durchzuführen, welche das Zeug dazu hat, die gewünschte Zielgruppe auch tatsächlich zu erreichen und zu begeistern. Allerdings sind solche Produzenten nicht ohne weiteres zu finden bzw. für die eigene Sache zu gewinnen. Und außerdem kostet eine solche Produktion natürlich auch Geld – über das noch unbekannte Künstler normaler Weise nicht verfügen.

Hilfe bei der Produzentensuche

Wenn das Interesse einer Plattenfirma an einem noch unbekannten Künstler geweckt ist, bietet sich der Abschluss eines Demo-Vertrags an. Bei einem solchen Vertrag erklärt sich die Plattenfirma dazu bereit, selbst einen geeigneten Produzenten für den Künstler zu suchen, und die dann stattfindende Produktion auch zu bezahlen. Eine etablierte Plattenfirma verfügt – anders als der noch unbekannte Künstler – über beste Kontakte zu einer Vielzahl von hervorragenden Produzenten. Die dann entstehenden Aufnahmen nennt man „Demo-Aufnahmen“, daher stammt auch die Bezeichnung „Demo-Vertrag“.

An dieser Stelle verweise ich auf den letzten Beitrag dieser Workshop-Reihe, der sich mit den Themenkreisen „Erstverhandlungsrecht“ und „Erstoptionsrecht“ auseinander gesetzt hat. In einem „Demo-Vertrag“ wird nämlich in weiterer Folge geregelt, was passiert, wenn der Plattenfirma die Demos gefallen und sie weiterhin mit dem Künstler zusammenarbeiten will.

Entweder wird im Demo-Vertrag ein Erstverhandlungsrecht eingeräumt. In diesem Fall sind die Konditionen der weiteren Zusammenarbeit zwischen Plattenfirma und Künstler noch zu verhandeln. Normalerweise wird aber ein Optionsrecht vereinbart sein. Das heißt: Plattenfirma und Künstler legen bei Abschluss des Demo-Vertrags die Eckpunkte eines Künstlervertrags fest. Diese Eckwerte sind zum Beispiel die Vertragsdauer bzw. die Anzahl der durchzuführenden Produktionen (wie viele Alben?), die Rechteübertragung, die Beteiligung des Künstlers an den Verwertungen der Aufnahmen und Regelungen zu den Nebenrechten. Wenn die Plattenfirma nach den Demo-Aufnahmen ihre Option ausübt, kommt der Künstlervertrag mit den vorher abgestimmten Eckwerten zustande.

Auf einen Blick

  • Bei einem Demo-Vertrag organisiert und bezahlt die Plattenfirma die Produktion von „Demo-Aufnahmen“.
  • Ist die Plattenfirma nach Fertigstellung der Demo-Aufnahmen an einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Künstler interessiert, kann sie eine Option auf Abschluss eines Künstlervertrags ausüben.
  • Die Eckwerte des Künstlervertrags werden bereits im Demo-Vertrag festgelegt.