Recht: Kopierverbot für Noten

In diesem Workshop geht es um gedruckte Musiknoten und um die spannende Frage, wer welche Noten zu welchen Zwecken kopieren darf und wann es verboten ist.

Musiklehrer, Chorleiter oder Bandleader benötigen Noten, um Musik machen zu können. Ebenso selbstverständlich kopieren viele Musiker Noten. Darf man das? Die Antwort hierauf lautet wie so oft: Es kommt auf den Einzelfall an. Im Folgenden werden die hier geltenden grundsätzlichen Mechanismen dargestellt. Der Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Grundsätzlich ist zwischen geschützten und gemeinfreien Werken zu unterscheiden.

Geschützte Werke dürfen nurmit Genehmigung kopiert werden

Der Urheberrechtsschutz an Werken gilt bis 70 Jahre nach dem Tod des Komponisten. Bis zum Ablauf dieser Frist sind die Werke des Komponisten geschützt. In Bezug auf das Erstellen von Notenkopien für geschützte Werke gilt § 53 UrhG. Hier heißt es: Die Vervielfältigung grafischer Aufzeichnungen von Werken der Musik, ist, soweit sie nicht durch Abschreiben vorgenommen wird,

  • stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig oder
  • unter den Voraussetzungen des Absatzes 2 Satz 1 Nr. 2 (= zur Aufnahme in ein eigenes Archiv, wenn ... ) oder
  • zum eigenen Gebrauch, wenn es sich um ein seit mindestens zwei Jahren vergriffenes Werk handelt.

Fazit: Die Kopie von Notenmaterial geschützter Werke ist grundsätzlich genehmigungspflichtig. Wichtig: Dies gilt auch für die Herstellung einer Privatkopie! Die Genehmigung erteilen in der Regel die VG Musikedition oder die Verlage der Komponisten.

Noten gemeinfreier Werkekönnen auch unter Schutz stehen

Was aber gilt für Noten von Werken, die nicht mehr durch das Urheberrecht geschützt sind? Auch hier kommt es auf den Einzelfall an. Ausgangspunkt hierbei ist, dass die Interessen des Komponisten durch das Urheberrechtsgesetz nicht mehr geschützt sind. Allerdings hat der Verlag, der die Noten gedruckt hat, ein Interesse daran, dass seine Leistungen (Notendruck) nicht durch Kopieren unterlaufen werden. Stellt die Herausgabe der Noten auch eine wissenschaftliche Leistung dar, gilt nicht die Gemeinfreiheit des Musikstücks, sondern der Schutz für die wissenschaftliche Arbeit nach dem Urheberrechtsgesetz.

Bei sonstigen Ausgaben gemeinfreier Stücke gilt, dass die Interessen des Notenverlages durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) geschützt werden. In § 1 UWG heißt es: Dieses Gesetz dient dem Schutz der Mitbewerber (...) vor unlauteren geschäftlichen Handlungen. Dies hat zur Folge, dass die Herstellung von Kopien, die nicht kommerziellen Zwecken dienen (wenn für die Weitergabe der Kopie kein Geld verlangt wird), nicht unter das UWG fallen. Denn in diesem Fall ist der Kopierende kein „Mitbewerber“. Folge: Das UWG ist nicht anwendbar, die Herstellung einer Kopie ist erlaubnisfrei.

Wer allerdings Kopien von dem Notenmaterial herstellt, um dieses zu verkaufen, kann als Mitbewerber im Sinne des UWG gelten – die Kopie ist dann unter Umständen unrechtmäßig erfolgt. Ob eine Band oder ein Chor, die gegen Entgelt auftreten, solche Noten für sich kopieren dürfen, ist juristisch umstritten.

Auf den Punkt gebracht

  • Kopieren von Noten geschützter Werke ohne Erlaubnis ist grundsätzlich verboten
  • Noten gemeinfreier Werke dürfen für nicht-kommerzielle Zwecke kopiert werden
  • Ausgaben gemeinfreier Stücke können unter Schutz stehen, wenn sie wissenschaftlich ediert wurden