Recht: Toursupport - Finanzierungshilfe

In diesem Workshop stellen wir Ihnen vor, welche Möglichkeiten es gibt, eine anstehende Konzert-Tour vorzufinanzieren.

Ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Mit meiner eigenen Band sind wir früher häufig unterwegs gewesen und haben viele Live-Konzerte gegeben. Einmal sind wir zu fünft für einen einzigen Auftritt von München nach Berlin gefahren. Leider hat ein Stau unser pünktliches Eintreffen verhindert. Als es dann endlich mit erheblicher Verspätung los gehen sollte, waren schon alle Besucher wieder gegangen und hatten ihr Eintrittsgeld zurückverlangt – zu Recht. Wohl nur aus Mitleid hat uns dann der Veranstalter noch 50 Euro in die Hand gedrückt. Fast jeder, der Musik macht, wird so etwas schon einmal erlebt haben. Dabei ist es wichtig für Künstler oder Bands, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, viel live zu spielen, denn hierdurch lässt sich der eigene Bekanntheitsgrad steigern.

Allerdings sind Konzertreisen mit teils erheblichen Kosten verbunden (Reise, Unterkunft, Verpflegung, etc.), und es ist nicht sicher, dass die verauslagten Kosten auch wieder hereinkommen. Um diese Startschwierigkeiten abzumildern, sind Musikproduzenten und Plattenfirmen manchmal bereit, Konzerte oder eine Tour (teilweise) vorzufinanzieren. Diese Finanzierungshilfe nennt man „Toursupport“.

Arten der Unterstützung

Die Ausgestaltung solcher Hilfspakete kann ganz unterschiedlich ausfallen. Häufig stellt die Firma pro Konzert bzw. Tour einen Betrag X zur Verfügung. Dieser Betrag ist dann nach gewissen Modalitäten zurückzuerstatten, wobei die Ausgestaltung solcher Vereinbarungen unterschiedlich ausfallen kann. Eine Möglichkeit ist, dass die Firma dafür mit einem festgelegten Betrag pro verkauftem Konzert-Ticket beteiligt wird (z.B. 1 Euro pro Ticket), und so der Vorschuss zurückgeführt wird. Oder man beteiligt die Firma mit einem bestimmten Prozentsatz an der vom Künstler vereinnahmten Gage.

Ein ganz anderes Modell, das natürlich mit dem Erstgenannten gekoppelt werden kann, ist es, den vorgestreckten Betrag mit Tonträger-Verkäufen zu verrechnen: Wenn Band A einen Vertrag bei Plattenfirma B hat, dann erhält Band A pro verkauftem Tonträger von Plattenfirma B einen vertraglich definierten Betrag (meist eine prozentuale Beteiligung); hier kann man beispielsweise vereinbaren, dass die Plattenfirma nicht zur Auszahlung der Beteiligung verpflichtet ist, bis der vorgestreckte Betrag eingespielt (also einbehalten) wurde. Allerdings sind auch Konstellationen möglich, wo nicht der volle Betrag zurück zu erstatten ist, sondern nur 50 Prozent davon. In diesem Fall ist also nur die Hälfte der Finanzierungshilfe von der Band zurückzuzahlen.

Sollten die Verkäufe der Tonträger nicht ausreichen, den vorgestreckten Betrag zurückzuführen, kann weiterhin vereinbart werden, dass der noch fehlende Betrag zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückzuzahlen ist. Oder aber man verständigt sich darauf, dass ein eventuell noch offener Betrag nicht erstattungsfähig ist. Im ersten Fall sollte die Plattenfirma also an ihr Geld kommen, im zweiten Fall trägt sie ein gewisses Risiko, dass sie nämlich einen Teil des Geldes nicht wieder sieht.

Es gibt natürlich noch weitere Modelle, wie sich der Sachverhalt „Toursupport“ regeln lässt, der Kreativität sind hier – wie in der Musik selbst – keine Grenzen gesetzt. Viel Glück bei der der Finanzierung der nächsten Konzert-Tour!

Auf einen Blick

 

  • Finanzierungshilfen für Live-Konzerte nennt man „Toursupport“
  • Regeln für den Toursupport können vielfältig ausgestaltet werden:
    • Beteiligung pro verkauftem Konzert-Ticket
    • Prozentuale Beteiligung an der Künstler-Gage
    • Verrechnung mit Einnahmen aus Plattenverkäufen.