Recht: Vertragsinhalte (1) - Titel- und persönliche Exklusivität

In dieser Workshop-Folge lernen Sie verschiedene Arten von Exklusivität kennen, die in Künstlerexklusivverträgen und Bandübernahmeverträgen geregelt werden.

Im Themenblock zur CD-Produktion sind immer wieder die Begriffe Künstlerexklusivvertrag und Bandübernahmevertrag gefallen. In dieser und den kommenden Ausgaben dieser Workshop-Reihe soll nun genauer auf die Inhalte und die Bedeutung bestimmter Formulierungen solcher Verträge eingegangen werden. Der grundsätzliche Unterschied zwischen einem Bandübernahmevertrag und einem Künstlerexklusivvertrag besteht darin, dass bei ersterem die Produktion der Tonaufnahmen durch den Künstler selbst bzw. durch einen selbständigen Produzenten durchgeführt wird, dieser also auch alle Kosten der Produktion trägt und dann ein fertiges „Tonband“ auf den Auswerter (Plattenfirma) übertragen wird. Beim Künstlerexklusivvertrag wird die Produktion von der Plattenfirma selbst in Auftrag gegeben und bezahlt.

Plattenfirmen wollen Exklusivität

Exklusivität bedeutet „Ausschließlichkeit“ und ist sowohl beim Bandübernahmevertrag als auch bei einem Künstlerexklusivvertrag an verschiedenen Stellen mehr oder weniger inhaltsgleich geregelt – hier unterscheiden sich beide Vertragsarten nicht wesentlich voneinander. In beiden Vertragsarten ist immer eine exklusive Rechteübertragung auf die Plattenfirma geregelt, alle Rechte an der Aufnahme stehen also ausschließlich dieser zu. Damit ist gesichert, dass die Firma die Tonaufnahmen ganz alleine auswerten darf; kein anderer soll das Recht haben, mit den Aufnahmen Geld zu verdienen.

Daneben ist der Begriff „persönliche Exklusivität“ von wesentlicher Bedeutung: Damit ist gemeint, dass der Künstler für eine gewisse Zeit (in der Regel für die Dauer, während der die Firma und der Künstler in Bezug auf die Herstellung von Tonaufnahmen zusammenarbeiten wollen) ausschließlich mit dieser Firma Tonaufnahmen herstellen wird. Dem Künstler ist demnach nicht gestattet, mit einer anderen Plattenfirma Tonaufnahmen zu produzieren. Soll dies dennoch geschehen, so muss die Firma, bei der der Künstler unter Vertrag steht, diesen für die neuen Aufnahmen mit der anderen Firma von seiner persönlichen Exklusivität „freistellen“. Dies macht die betroffene Firma in der Regel aber nur, wenn sie für die Auswertung der Tonaufnahmen, welche die andere Firma mit dem Künstler herstellt und vertreibt, beteiligt wird – quasi als Entschädigung. Diese Beteiligung nennt man „Override“.

Neben der persönlichen Exklusivität gibt es aber auch den Fall der so genannten Projektexklusivität: Bezugspunkt ist hier die Person des Künstlers nur soweit, als es sich um seine Teilnahme an einem bestimmten musikalischen Projekt handelt. In diesem Fall wird die Plattenfirma Inhaber der Rechte des Künstlers an allen projektbezogenen Aufnahmen, die während der Vertragslaufzeit entstehen. Dadurch bleibt der Künstler frei, sich (exklusiv) im Zusammenhang mit anderen musikalischen Projekten an andere Vertragspartner zu binden; dies ist bei der persönlichen Exklusivität ausgeschlossen.

Als vierte im Bunde gibt es die Titelexklusivität (englisch: „re-recording-restriction“). Aufgrund der Titelexklusivität verpflichtet sich ein Künstler, die aufgenommenen Musiktitel für einen bestimmten Zeitraum (zwischen 7 und 12 Jahren) nicht noch einmal neu aufzunehmen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Plattenfirma die Tonaufnahmen ausschließlich alleine auswerten kann und keine Konkurrenzprodukte auf den Markt kommen.

Auf den Punkt gebracht

  • Exklusivität bedeutet „Ausschließlichkeit“
  • Die exklusive Übertragung der Künstlerrechte ermöglicht es einer Plattenfirma, Tonaufnahmen alleine auszuwerten
  • Persönliche Exklusivität bedeutet, dass der Künstler in Bezug auf Tonaufnahmen für eine gewisse Zeit ausschließlich mit der Plattenfirma zusammenarbeiten wird
  • Titelexklusivität verbietet es dem Künstler, aufgenommene Titel während eines bestimmten Zeitraums erneut aufzunehmen