Recht: Vertragsinhalte (2) - Auswertungs-/Vertragsdauer, Optionen

In dieser Workshop-Folge geht es um verschiedene Zeitdauern, die typischerweise in Plattenverträgen geregelt werden. Wir erklären, was sie bedeuten.

Viele Künstler kämpfen mit dem Problem, die Inhalte eines Plattenvertrags nicht (vollständig) zu durchschauen. Das ist kein Wunder, denn die rechtlichen Aspekte eines solchen Vertrags sind äußerst komplex. Dies gilt insbesondere für die Begriffe Auswertungsdauer, Vertragsdauer und Optionen. Wir erklären Ihnen im Folgenden, worin eigentlich die Unterschiede bestehen.

Wie lange eine CD verkauft werden darf

Die Auswertungsdauer bezieht sich auf die Frage, wie lange die Plattenfirma die im Zusammenhang mit dem Künstler hergestellten Tonaufnahmen auswerten (= verkaufen) darf. Wird beispielsweise im Rahmen eines Bandübernahmevertrags eine Auswertungsdauer für einen Zeitraum von 10 Jahren vereinbart, darf die Plattenfirma die Aufnahmen nur innerhalb dieser Zeitspanne auswerten. Deshalb wird in diesen Verträgen häufig noch eine (nicht-exklusive) Abverkaufsfrist von sechs Monaten vereinbart, die sich an das Ende der Auswertungsdauer anschließt. Das gibt der Plattenfirma die Möglichkeit, nach Ablauf der 10 Jahre ihre Bestände zu prüfen und gegebenenfalls den Lagerbestand zu Sonderpreisen anzubieten. Spätestens nach Ablauf der Abverkaufsfrist darf kein Tonträger mehr durch die Plattenfirma verkauft werden.

Streng von der Auswertungsdauer getrennt ist die so genannte Vertragsdauer. Die beiden Begriffe haben nichts miteinander zu tun. Allgemein gesprochen legt die Vertragsdauer fest, wie lange ein Künstler und eine Plattenfirma zusammenarbeiten wollen. Hierbei ist zwischen der festen Vertragsdauer und den so genannten Optionszeiträumen zu unterscheiden.

Bei Erfolg gerne mehr

Im Rahmen der festen Vertragsdauer wird konkret vereinbart, wie viele Produktionen mindestens durchgeführt werden sollen. Dabei kann man davon ausgehen, dass die Plattenfirma und der Künstler pro (Vertrags-)Jahr die Durchführung einer Album-Produktion vereinbaren.

Demgegenüber gibt die Option der Plattenfirma das Recht, nach dem Ende der festen Vertragsdauer den Künstler zu einer/mehreren weiteren Albumproduktion/en zu verpflichten. Dieses Instrument ist für die Plattenfirma enorm wichtig: Das Durchführen einer Albumproduktion und die Veröffentlichung, einschließlich der damit verbundenen Promotion, kostet die Plattenfirma häufig sehr viel Geld; sie muss also genau abwägen, ob eine (weitere) Albumproduktion durchgeführt werden kann oder nicht.

Deshalb wird in Verträgen mit (noch) unbekannten Künstlern im Rahmen der festen Vertragsdauer häufig nur eine Albumproduktion vereinbart. Hintergrund ist, dass sich der wirtschaftliche Erfolg einer Produktion bei einem etablierten Künstler besser absehen lässt, als bei einem unbekannten Künstler.

Das Ausüben einer Option wird häufig auch vom Anliefern von Demo-Songs durch den Künstler abhängig gemacht. Sollten die neuen Demo-Songs viel versprechend sein, wird sich die Plattenfirma eventuell zum Ziehen einer Option und damit zum Durchführen einer weiteren Albumproduktion entscheiden – selbst wenn das vorangegangene Album die Erwartungen nicht erfüllt hat. Eine Plattenfirma wird in der Regel darauf achten, das eigene wirtschaftliche Risiko zu minimieren und das produzierte Repertoire gleichzeitig möglichst lange verwerten zu können.

Auf den Punkt gebracht

  • Die Auswertungsdauer regelt, wie lange die Plattenfirma Tonaufnahmen eines Künstlers auswerten darf
  • Die Vertragsdauer regelt die Dauer der Zusammenarbeit von Künstler und Plattenfirma
  • Die feste Vertragsdauer legt fest, wie viele Alben des Künstlers durch die Plattenfirma mindestens zu veröffentlichen sind
  • Das Optionsrecht gibt der Plattenfirma die Möglichkeit, die feste Vertragsdauer zu verlängern, so dass weitere Albumproduktionen durchgeführt werden können