Recht: Vertragsinhalte (5) - Beteiligung des Künstlers

In dieser Workshop-Folge stellen wir Ihnen zwei typische Ansätze vor, nach denen Künstler an den Einnahmen einer Plattenfirma beteiligt werden.

Ein zentraler Punkt in einem jeden Plattenvertrag sind die Beteiligungsregelungen. Hier entscheidet sich, was der Künstler für seine Leistungen erhält: Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Ansätze: Entweder erhält der Künstler eine pauschale Abgeltung für seine Leistungen, oder er wird an den Verkäufen prozentual beteiligt. Pauschalvergütungen werden in der Regel bei einer Mitwirkung an Aufnahmen als Studiomusiker gezahlt (Stichwort „Künstlerquittung“).

Wer einen Bandübernahmevertrag oder einen Künstlerexklusivvertrag mit einer Plattenfirma geschlossen hat, der wird an den tatsächlich realisierten Verkäufen beteiligt. Bei einem Bandübernahmevertrag erhält der Künstler in der Regel zwischen 16 Prozent und 24 Prozent des Händlerabgabepreises, bei einem Künstlerexklusivvertrag sind es ungefähr 7 Prozent bis 12 Prozent. Je bekannter und erfolgreich der Künstler ist, desto höher wird auch seine Beteiligung sein.

Bezugsgröße für die Beteiligung ist in der Regel der Händlerabgabepreis (kurz „HAP“), in englischen Verträgen auch „price per dealer“ („ppd“) genannt. Das ist der Preis, für den die Plattenfirma die Tonträger an den Handel („Händler“) abgibt. Dieser Abgabepreis kann unterschiedlich hoch sein, bei Neuveröffentlichungen liegt dieser bei etwa 12 Euro pro Tonträger.

Alternative Berechnungsmodelle

Es gibt allerdings auch andere Bezugsgrößen, an denen sich die Beteiligung orientieren kann. Hier sind insbesondere die „Netto-Erlöse“ (engl. „net-receipts“) der Plattenfirma zu nennen. Unter den Netto-Erlösen versteht man zunächst den um die Umsatzsteuer reduzierten, tatsächlichen Geldeingang bei der Plattenfirma. Insbesondere bei Einnahmen, die nicht den Verkauf physischer Tonträger betreffen, kann es jedoch sinnvoll sein, die Beteiligung an die Netto-Erlöse zu koppeln. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise Einnahmen aus Internet-Angeboten (Download, Streaming) oder bei der Bezahlung von Pauschalbeträgen, zum Beispiel bei Vergabe von Synchronisationsrechten (vgl. Ausgabe 06/2010, CD-Produktion (3): Die Rechteinhaber), zu nennen.

Bei den oben genannten Bezugsgrößen 16 Prozent und 24 Prozent beim Bandübernahmevertrag beziehungsweise 7 Prozent bis 12 Prozent beim Künstlerexklusivvertrag handelt es sich um eine so genannte „Basis-Lizenz“. In Plattenverträgen wird in der Regel vereinbart sein, dass sich die Basis-Lizenz reduziert, wenn sich die Einnahmen der Plattenfirma ebenfalls verringern, oder wenn auf Seiten der Plattenfirma besondere wirtschaftliche Aufwendungen gemacht werden müssen.

Eine Reduzierung der Einnahmen kann beispielsweise dann eintreten, wenn die Tonträger zu einem verbilligtem Abverkaufspreis (zum Beispiel „nice price“) angeboten werden, während demgegenüber die Kosten der Herstellung von Tonträgern immer gleich bleiben. Zu den Kosten der Herstellung zählen beispielsweise auch die von der Plattenfirma zu zahlenden GEMA-Gebühren (betragen ca. 1 Euro pro gepresstem – und damit vervielfältigtem – Tonträger). Zusätzliche wirtschaftliche Aufwendungen sind beispielsweise dann zu verzeichnen, wenn die Plattenfirma Geld in die Bewerbung (zum Beispiel Film, Funk, Print oder auch Online) der Tonträger investiert.

Auf den Punkt gebracht

  • Studio-Musiker erhalten eine Pauschalvergütung
  • Bandübernahmevertrag: Künstler erhält ca. 16 Prozent bis 24 Prozent des HAP
  • Künstlerexklusivvertrag: Künstler erhält ca. 7 Prozent bis 12 Prozent des HAP
  • Bezugsgröße der Beteiligung ist für physische Verkäufe (CD) der Händlerabgabepreis („HAP“)
  • Bezugsgröße der Beteiligung für nicht-physische Verkäufe und bei Pauschalvergütungen sind die „Netto-Erlöse“
  • Lizenz-Reduzierung i.d.R. bei verbilligtem Abverkauf oder zusätzlichen Aufwendungen der Plattenfirma