Rechtsfragen bei der CD-Produktion (1) – Der Weg zur CD

Dies ist der Auftakt einer Beitragsreihe, die sich rechtlichen Fragestellungen im Zusammenhang mit CD-Produktionen widmet. Den Anfang machen Probleme, die mit der Auswahl der Songs für eine CD und mit der Wahl des Studios auftreten können.

Der Traum vieler Musiker: die eigene CD. Dass dieser Traum auch einige rechtliche Probleme aufwerfen kann, erfahre ich als Musikrechts-Anwalt immer wieder, denn ich betreue juristisch auch CD-Produktionen, oder werde kontaktiert, wenn es bei der Produktion oder einer Veröffentlichung zu rechtlichen Problemen kommt. Aus diesen Erfahrungen heraus möchte ich das rechtliche Spektrum einer CD-Produktion darstellen, denn Ärger kann es dabei immer geben – egal, ob der Tonträger nur an Freunde und die Familie verschenkt oder über alle verfügbaren Vertriebskanäle zum Verkauf angeboten werden soll. Außerdem werden dabei viele relevante Aspekte des Musikrechts angesprochen – eine gute Gelegenheit, einen ausführlichen Überblick zum Thema zu bieten.

Diese und die kommenden Workshop-Folgen beinhalten folgende Themen: Die Song- und Studioauswahl, die an einer CD-Produktion Beteiligten und deren Rechte, das Anbieten der Tonaufnahmen in der Musikindustrie (Bandübernahmevertrag und Künstlerexklusivvertrag) und die Möglichkeiten, die ein Verlagsvertrag bietet.

Die Songauswahl für eine CD kann vielfältige Folgen haben

Vor Beginn der Produktion steht die Auswahl der Musiktitel: Hierbei ist zu unterscheiden zwischen Eigenkompositionen, Coversongs und so genannten Bearbeitungen. Bei der Aufnahme einer Eigenkomposition ergeben sich keine juristischen Besonderheiten. Allerdings ist von Bedeutung, ob derjenige, der die Musiktitel komponiert hat, Mitglied der GEMA ist. Wenn ja, ist die CD-Pressung (= Vervielfältigung) gebührenpflichtig.

Werden Musiktitel anderer Komponisten aufgenommen, ist zu unterscheiden: Werden die Titel originalgetreu, also ohne Veränderungen zum Original aufgenommen (Cover-Songs), gibt es auch hier keine rechtlichen Probleme. Jedoch sind für die Vervielfältigung GEMA-Gebühren zu zahlen.

Wird das Original abgeändert, handelt es sich um eine Bearbeitung. In diesem Fall ist zweierlei zu beachten: Neben den GEMA-Gebühren für die Vervielfältigung ist außerdem die Zustimmung des Urhebers/Verlages für die Bearbeitung erforderlich. Nur dann darf man ein Musikstück abändern. Fehlt die Zustimmung, kann der Komponist verschiedene Ansprüche gegen den Bearbeiter geltend machen; dies kann bis zum Einstampfen der Produktion führen.

Studio sorgsam auswählen und CD-Produktion planen

Nachdem die Musikstücke ausgewählt wurden, wird man sich Gedanken über das Studio machen, in dem die Produktion stattfinden soll. Hierbei ist es insbesondere in finanzieller Hinsicht elementar, den konkreten Leistungsumfang genau zu klären. Wie sieht das Angebot des Studios genau aus? Zahlt man eine Pauschale für einen bestimmten Zeitraum? Wie viel kosten Extratage? Manche Produktionen werden komplett tageweise abgerechnet? Wer bei Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist, sollte klären, ob die Preise bereits inklusive Steuern ausgewiesen sind oder ob die Steuern noch dazu kommen. Unbedingt klären: Umfasst die Pauschale auch das Mischen, das Mastering oder das Artwork? Wer unangenehme Überraschungen vermeiden will, sollte diese Fragen unbedingt im Vorfeld der Produktion klären.

Auf den Punkte gebracht

  • Das Aufnehmen von selbst komponierten Titeln und originalgetreu gespielten Song-Covers ist rechtlich unproblematisch
  • Wer fremde Titel abändert, benötigt immer die Zustimmung des Komponisten
  • Unabhängig, ob eigene Titel aufgenommen werden oder fremde: Ist der Komponist Mitglied der GEMA, ist die Tonträgerpressung gebührenpflichtig