Rechtsfragen bei der CD-Produktion (5) – Verlagsvertrag

In dieser Workshop-Folge geht es um den Verlagsvertrag. Dieser regelt die Beziehung zwischen Urhebern und Verlagen, die die Werke vermarkten. So müssen sich Kreative nicht um die wirtschaftliche Verwertung kümmern und kommen doch an ihr Geld.

Das deutsche Urheberrechtsgesetz unterscheidet zwischen Urheberrechten und Leistungsschutzrechten. Die Leistungsschutzrechte entstehen zu Gunsten der ausübenden Künstler und der Tonträgerhersteller. Die Nutzung der Urheberrechte, die den Komponisten und Textern für deren Werk-Schöpfung zustehen, wird im Rahmen von Verlagsverträgen üblicherweise auf einen Verlag übertragen. Die Frage dabei: Was gewinnt der Urheber mit dem Abschluss eines solchen Vertrags? Und: Was sind eigentlich die Aufgaben eines Verlags?

Wie Komponisten/Texter und Verlag zusammenarbeiten, kann man sich anhand eines Beispiels aus dem täglichen Leben sehr gut vorstellen: Der Wohnungseigentümer (= Urheber) ist Eigentümer seiner Wohnungen (= Werke, also der Kompositionen beziehungsweite Texte), die Immobilien-Verwaltung (= Verlag) vergibt die Wohnungen (= Nutzungsrechte an den Werken) an die Mieter und kontrolliert auf diese Weise die ordnungsgemäße Zahlung der Mieten an den Vermieter.

Aufgaben und Möglichkeiten, die ein Musikverlag bietet

Der Verlag kann dabei helfen, ein Werk zu vermarkten, da Verlage in der Regel über beste Beziehungen in die Musikindustrie verfügen: Ist der Komponist/Texter selbst Interpret seiner Musik, dann kann der Verlag dabei behilflich sein, eine passende Plattenfirma für den Künstler zu finden. Ist der Komponist/Texter ausschließlich als Songwriter aktiv, kann der Verlag die Songs bei Produzenten, Plattenfirmen etc. anbieten. Spannend ist auch die Möglichkeit der Vermittlung eines Werks als Hintergrundmusik für einen Film oder einen Werbe-Jingle (Synchronisation), denn hier kann unter Umständen sehr viel Geld verdient werden.

Daneben übernimmt ein Verlag die korrekte Anmeldung und Registrierung der Werke bei der GEMA und kümmert sich um die ordnungsgemäße Abrechnung. Ohne eine solche korrekte Registrierung können die eingehenden Gelder nicht zugeordnet werden und kommen deshalb auch nicht zur Ausschüttung. Dieser Punkt ist sehr wichtig, denn häufig haben Künstler keine Muße, sich mit diesen Themen zu beschäftigen; der Papierkram nervt. Sollte das Werk dann erfolgreich sein, ist der Ärger groß, wenn aufgrund einer fehlerhaften Registrierung Gelder nicht ausgezahlt werden können. Und das kommt immer wieder vor!

Der Verlag erhält für seine Dienste eine Beteiligung an den Einnahmen. Beispiel: Fallen bei einer Produktion pro CD Gebühren von einem Euro an, gehen typischerweise 10 Cent an die GEMA, 36 Cent an den Verlag, der Rest an den Urheber.

Leider kommt es in der Praxis aber auch immer wieder vor, dass ein Verlag die Vermarktung von Songs nicht aktiv betreibt. Um hier eine gewisse Motivation zum Aktiv-Sein auf Seiten des Verlags zu schaffen, muss man sich bewusst machen, dass ein Verlag immer nur dann Geld verdient, wenn auch der Komponist und der Texter Geld verdienen. Deshalb sollte man unbedingt versuchen, für sich eine Vorauszahlung auf die zukünftigen Tantiemen im Rahmen des Verlagsvertrags zu vereinbaren. So kann einigermaßen sichergestellt werden, dass der Verlag wegen des bestehenden wirtschaftlichen Drucks, in den er sich durch die Leistung der Vorauszahlung begeben hat, auch tatsächlich aktiv wird und die Songs vermarktet.

Auf den Punkt gebracht

  • Der Verlag kann bei der Vermarktung von Songs behilflich sein
  • Der Verlag übernimmt alle Aufgaben in Bezug auf die GEMA
  • Der Verlag verdient nur Geld, wenn auch der Komponist/Texter Geld verdienen