Reußenzehn Organ & Groove Reverb im Test: Kraft der Röhre

Vintage ist Trumpf: Der Röhrenvorverstärker „Organ & Groove Reverb“ von Reußenzehn wertet moderne Orgeln, Keyboards und andere Instrumente auf – und das nicht zu knapp!

Der Preamp „Organ & Groove Reverb“ von Reußenzehn gehört zu den Raritäten, die mit wenigen Kniffen eine Klangveredelung schaffen (Foto: Reußenzehn).

Eine der ersten Adressen für Röhrentechnik ist Thomas Reußenzehn aus Frankfurt. In seinem Betrieb werden nun schon seit über 30 Jahren maßgeschneiderte Produkte für Musiker und HiFi-Liebhaber entwickelt. Aus seinem kleinen, aber feinen Sortiment aus röhrenbasierten Geräten für Musiker trifft vor allem der „Organ & Groove Reverb“ den Geschmack traditioneller Keyboarder. Dieses Gerät ist in zwei verschiedenen Ausführungen erhältlich, als günstigere Tischversion (mono) oder im 19-Zoll-Format zum Rack-Einbau (stereo). Dem Praxistest haben wir das Mono-Modell unterzogen.

Outfit

Das Pultgerät im markanten Reußenzehn-Look lässt schon auf den ersten Blick auf beste Handfertigung schließen. Die Bedienelemente des hand­lichen Kastens sind sehr überschaubar: Neben dem Bypass-Schalter gibt es vier klangformende Regler: Gain, Drive, Master und Presence. Rück­seitig finden sich Ein- und Ausgang im Klinkenformat sowie die Buchse für das externe 12-Volt-Netzteil.

Herzstücke sind zwei Röhren vom Typ ECC 83 (fast rise), per Gitter geschützt. Für einen noch wärmeren Sound ersetzt Reußenzehn sie auf Wunsch durch das Modell ECC Warm-Type. Die nun dritte Auflage des Röhrengeräts mit der Bezeichnung „Organ & Groove Reverb“ integriert als Neuheit einen Hall, der sich per Drehregler beimischen lässt und überzeugend nach Vintage-Hallplatte klingt. Vor allem im Live-Einsatz ist das natürlich praktisch, weil sich entsprechende Effektgeräte einsparen lassen.

Praxis

Der Sound zeichnet sich durch hohe Präzision aus. Nach Bearbeitung mit dem „Organ & Groove Reverb“ sind die Signale als warm, präsent, transparent und frei von Brummen oder anderen Störgeräu­schen wahrnehmbar. Weil Röhrenschaltungen die hohen Signalanteile dämpfen, werden diese mittels so genannter Pre-Emphasis erhöht. So geht nach der Dämpfung das Schmatzen bzw. der Key-Click nicht in einem Klangsumpf unter, sondern ist klar und deutlich im Klangbild lokalisierbar. Röhrende Hammondsounds à la Jon Lord oder Keith Emerson lassen sich jedenfalls sehr gut nachempfinden. Die deutschsprachige Bedienungsanleitung gefällt durch nützliche Tipps und ist auch dank technischer Erläuterungen vorbildlich.

In der Praxis kann man bei diesem ausgewiesenen Spezialisten technisch und auch aus klanglicher Sicht kaum etwas falsch machen. Normalerweise wird das Gerät zwischen Orgel und Rotor-Kabinett eingeklinkt. Da aber nicht jeder eine echte Hammond besitzt, haben wir den „Organ & Groove Reverb“ auch mit aktuellen Keyboards ausprobiert. Beim Mini-Orgel-Keyboard Yamaha reface YC (Test in dieser Ausgabe) ist ein deutlicher Klanggewinn zu beobachten, indem man das Röhrengerät einfach zwischen Keyboard und Mixer klemmt.

Die vier Regler des „Organ & Groove Reverb“ lassen sich fein justieren und ermöglichen im Handumdrehen viele der geschätzten Charaktere: vom feinen, cleanen Basisklang über gesättigte und leicht angezerrte Klangfarben bis zu rotzig-röhrenden und brettharten Sounds. Weiterer Partner im Test: Auch beim E-Pianosound des Yamaha reface CP kann man mehr Druck, Brillanz und Durchsetzungskraft attestieren.

Der Reverb-Effekt trifft zwar den Vintage-Sound, ist aber in seinen Parametern nicht veränderbar und passt deshalb nicht allen Situationen optimal – zum Beispiel bei kurzen rhythmischen Orgel-Licks. Wie sich digitale Sounds von fein bis drastisch mittels des Preamps verändern, zeigt unserer Youtube-Video, das Sie auf www.tastenwelt.de finden. Wer wiederum mit ganz verschiedenen Keyboardsignalen arbeitet und röhrentypische Wärme erfahren möchte, nimmt besser den günstigeren „Keyboard Star“.

Fazit

Kein Schäppchen und auch kein unnötiger Esoterik-Artikel, sondern ein wertiges, praxisdienliches Gerät mit klarer Kaufempfehlung für den anspruchsvollen Anwender, der ein Maximum an Audio-Qualität herausholen und die zahlreichen digitalen Simulationen endlich getrost vergessen kann. Der Preamp „Organ & Groove Reverb“ von Reußenzehn gehört definitiv zu den Raritäten, die mit wenigen Kniffen eine Klangveredelung schaffen. Als universelles Mittel gegen digitale Kälte lässt sich der Röhren-Preamp erstaunlich vielseitig auch bei Synth- und Pianoklängen einsetzen, wenn sich auch der eigene Hall nicht in jedem Kontext einbringen lässt. Schließlich hat Reußenzehn auch für persönliche Sonderwünsche ein offenes Ohr und fertigt entsprechende Modifikationen an. Wer Vintage-Sounds schätzt, viel Freude an der Röhrentechnik verspürt und eine „Wunderwaffe“ für sein Keyboard oder Studio sucht, kann sich mit dem „Organ & Groove Reverb“ und weiteren Geräten des Herstellers einen Traum erfüllen.