Nachruf auf Robert Miles: Pionier des Piano-Trance

Am 9. Mai 2017 starb der DJ, Musiker und Produzent Robert Miles im Alter von 47 Jahren. Der Einfluss von Miles auf die Entwicklung elektronischer Musik ist für tastenwelt-Autor Matthias Sauer, Anlass für eine Würdigung.

Robert Miles: Children (Dream Version)

Einer der einflussreichsten DJs und Musiker der 1990er Jahre ist am 9. Mai 2017 von uns gegangen: Robert Miles etablierte 1996 mit seinem Instrumental-Hit „Children“ das Klavier in der Trance Music, eine Richtung der elektronischen Tanzmusik. Diesem Titel gab es damals kein Entkommen. Nahezu stündlich wurde seinerzeit die „Dream Version“ weltweit in den Radiosendern gespielt und erreichte auch etliche Hörer, die weder mit dem Klavier noch mit elektronischer Musik in Berührung gekommen waren. Mit seinem entspannten und melodischen Gesamtsound aus Klavier, Streicher und analogen Synthesizern wollte Miles mit seiner Debüt-Single „Children“ einen Ruhepol zu der normalerweise treibenden Clubmusik schaffen. In Italien kam es damals wegen vieler Todesopfer nach aufpeitschenden Disco-Besuchen zu einer „Mütter-gegen-Rock-Bewegung“, auf die Miles mit seinem Glanzstück reagierte. Mit bescheidenen Mitteln hatte er es in seinem Homestudio produziert. Kurioserweise soll dann ein technisches Missverständnis zur Lizenzierung des Titels geführt haben. Label-Chef Tim Renner und Team hielten „Children“ für eine Techno-Nummer im Stil von Scooter, weil sie das Demo auf der Vinylplatte zu schnell abspielten. Erst nach der Vertragsunterzeichnung wurde es beim Anhören des Masters klar, dass es sich nicht um härteren Techno, sondern um melodischen Trance handelte.

Der italienische Star-DJ Robert Miles mit dem bürgerlichen Namen Roberto Concina wurde am 3. November 1969 in der Schweiz geboren, wuchs in der Nähe von Udine und startete dort seine Karriere als DJ. Ende der 80er Jahre wirkte er in der Region um Venedig als Robert Milani und legte überwiegend Hardcore-Trance auf. Mit „Children“ schaffte er 1996 den internationalen Durchbruch und landete in den deutschsprachigen Ländern mit einer Million verkaufter Singles auf Platz Eins der Charts. Das Album „Dreamland“ verkaufte sich mehr als 500.000 mal und wurde mehrfach mit Platin ausgezeichnet. Robert Miles erhielt einen Brit Award als bester internationaler Newcomer. Er zog nach London und veröffentlichte 1997 sein zweites Album, die wie alle weiteren Projekte im Schatten seines Glanzstücks standen. Miles arbeitet als Komponist, Produzent, DJ und seit 2013 auch als Macher seines eigenen Radiosenders Openlab. Er starb mit 47 Jahren auf Ibiza, offenbar als Folge einer schweren Krebserkrankung.

Robert Miles verdeutlichte, dass sich Klavierüben und DJing nicht ausschließen müssen. Im Gegenteil, diese Kombination kann der entscheidende Schlüssel für eine große Künstlerkarriere darstellen. Sein Trance-Hit „Children“ ist längst ein Klassiker und sollte weitere Generationen von Musikern, DJs und Produzenten dazu verleiten, den Klang eines akustischen Pianos aufs Neue mit elektronischer Musik zu verbinden. Bleibt außerdem zu wünschen, dass Children von virtuosen Pianisten als Klavierstück solo interpretiert wird.