Sounds von Tasteninstrumenten sampeln: Kopieren erlaubt?

In diesem Workshop geht es um die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen das Samplen von Klängen und die Verwendung solcher Samples bei Auftritten rechtens ist – oder ob dabei Urhe­ber­rechte verletzt werden.

Top-Keyboards sind mit Sampling-Funktionen ausgestattet, Software-Sampler gibt es in nahe­zu jeder Preis- und Leistungsklasse. Was liegt also näher, als sich die Lieblingssounds seiner Klang­er­zeu­ger kompakt in ein Instrument oder in den Lap­top für die Bühne zu packen? Doch, ist das erlaubt? Für diesen Beitrag sind zunächst zwei praxis­rele­vante Szenarien zu unterscheiden:

Variante 1: Der Musiker hat zu Hause noch einen großen, schweren Analogsynthesizer stehen, der ulti­mative Klänge zaubert, der jedoch zu klobig und emp­findlich ist, um ihn mit auf die Bühne zu nehmen.

Variante 2: Der Musiker hat zu Hause in vers­chie­denen Hardware-Klangerzeugern einige Favo­riten-Sounds. Die Klangerzeuger (Keyboards/Work­stations) generieren ihre Klänge auf Grundlage eines integrier­ten Sample-ROM. Der Anwender gestaltet die Klänge anschließend durch eigene Filter- und Effekt­ein­stellungen. Zum Gig möchte der Musiker jetzt aber nicht fünf Keyboards mit­nehmen.

Wie die Entwicklungen der Hersteller durch Gesetze geschützt werden

Der Schutz eines Herstellers von Klangerzeugern kann sich neben dem Urheberrechtsgesetz unter Um­ständen auch auf weitere Rechtsgrundlagen stüt­zen, z.B. auf das Gesetz über den unlauteren Wett­bewerb (UWG), das Patentrecht, das Marken­recht. Der vorliegende Beitrag geht auf die urheber­recht­liche Fragestellung ein.

Allgemein gilt: Klänge oder Töne genießen für sich genommen keinen urheberrechtlichen Schutz. Dieser kommt nur Werken zu (z.B. Komposition), ein Ton/Klang stellt für sich allein genommen aber noch kein Werk dar. Unter diesem Gesichtspunkt wäre die Kopie des erzeugten Klangs aus urheberrecht­li­cher Sicht nicht zu bean­standen. Die Sounds eines Instruments zu sampeln entspricht einer Kopie.

Aber: Es stellt sich die Frage, ob nicht die hinter dem erzeugten Klang stehende Technik einen Anknüp­fungspunkt für einen (mittelbaren) urheber­recht­li­chen Schutz des Klagerzeuger­herstellers bieten kann. Ist also das Ergebnis, der erzeugte Klang, geschützt, weil die dahinter stehende Technik geschützt ist?

Dies wäre dann möglich, wenn das Urheberrechts­gesetz einen Schutz dieser technischen Leistung vorsieht. In diesem Zusammenhang ist von Bedeu­tung, dass das Urheberrechtsgesetz den Schutz von Computerprogrammen (Software) in den §§ 69a ff ausdrücklich festschreibt.

Soweit es Variante 1 betrifft, liegt der Klanger­zeu­gung keine Software zu Grunde. Ein urheber­recht­licher Schutz kommt nicht in Betracht. Diesen Sach­verhalt spiegelt z.B. die Vielzahl von Sample-Librarys mit Vintage-Sounds am Markt wieder.

In Variante 2 wird aber eine Software zur Klanger­zeugung verwendet. Hier ist ein urheberrechtlicher Schutz denkbar. Ob dieser Schutz auch für das erzeugte Ergebnis gelten soll, wird in der Fachliteratur kontrovers diskutiert; ein eindeutiges Ergebnis kann hier nicht dargestellt werden. Geht man davon aus, dass dieser Schutz besteht, ist zu beachten, dass diese Klänge nicht einmal für private Zwecke gesampelt werden dürften. Wer die Urheberrechtte eines anderen verletzt, ist nach § 97 UrhG zur Un­ter­lassung und Schadensersatz verpflichtet.

Auf den Punkt gebracht

  • Einzelne Klänge aus analogen Instrumenten sind nach dem Urheber­rechtsgesetz nicht schutz­fähig
  • Durch Software generierte Klänge können schutzfähig sein, einen allgemeinen Freibrief fürs Sampeln gibt’s nicht
  • Tonaufnahmen sind schutzfähig, das Absampeln von CDs etc. daher meistens nicht rechtens