Special Gesang und Technik: Vom Mikrofon bis zum Mix

Musiker investieren viel Geld in ihr Equipment und eine Menge Zeit in ihre Spieltechnik. Der Gesang aber, der die Performance tragen sollte, wird häufig stiefmütterlich behandelt. In diesem Special beleuchten wir alle wichtigen Aspekte – von der Gesangstechnik über die Auswahl des Mikrofons bis zum Mixing der Stimme.

Mikrofon auf Mischpult
(Foto: Shutterstock)

Jeder gute Sound beginnt beim Klangerzeuger, und beim Gesang ist das nicht anders. Der Gesangs-Sound steht und fällt mit dem, was der Sänger von sich gibt. Will man besser singen, muss man besser sprechen, denn viele Nuancen ertrinken später in Hallfahnen oder Synthesizer-Flächen. Erste Regel für einen besseren Gesangs-Sound: übertrieben sprechen. Stellen Sie sich vor den Spiegel und lesen Sie einen normalen Liedtext laut vor. Beobachten Sie sich dabei. Wie bewegt sich Ihr Mund, Ihre Gesichtsmuskulatur? Und nun übertreiben Sie mal – und zwar kräftig! Je übertriebener, desto besser. Ein „zu viel“ gibt es hier kaum. Sollten Sie eine Aufnahmemöglichkeit – z.B. Video – zu Hause haben, können Sie das Ganze auch von außen kontrollieren. Dabei konzentrieren Sie sich zuerst ausschließlich auf die Aussprache. Der Unterschied dürfte deutlich sein.

Die Intonation ist einer der kritischsten Faktoren bei einer Gesangsdarbietung. Musiker haben oft viel Zeit damit verbracht, ihr Gehör zu schulen. Man sollte also annehmen, dass die Intonation kein Problem sein sollte. Ist sie aber doch und der Grund dafür einfach: Wir hören uns schlecht. Wir hören zwar, dass irgend etwas nicht stimmt und dass es schief klingt, aber wie wir korrigieren sollten, und vor allem in welche Richtung, wissen wir nicht.

Das hat nichts mit den Monitoren zu tun, sondern mit den Obertönen, die wir selbst erzeugen, und die wir auch ohne Monitoring wahrnehmen. Der einfachste Trick, um das zu ändern, besteht darin, die Mundwinkel hochzuziehen, „lächeln“ genannt. Dieser Trick gehört zum Gesangslehrer-Voodoo, funktioniert aber wirklich, denn es werden Resonanzräume geöffnet, die den Sound beeinflussen. Nebeneffekt: Sie sehen gleich viel freundlicher aus.

Praktische Unterstützung bei der Suche nach dem passenden Mikrofon bietet Shure auf seiner Homepage mit einer eigenen Produktsuchmaschine und lehrreichen Tutorial-Videos. (Screenshot-Ausschnitt von: www.shure.de)

Mikrofon finden

Am Anfang Ihrer Gesangskarriere lohnt es, sich einige Gedanken zum Thema Mikrofon zu machen. Sie wollen schließlich mit dem richtigen Werkzeug auf die Bühne gehen. Es soll Ihre Darbietung unterstützen, nicht behindern. Es muss wahrscheinlich nicht gleich ein High-End-Mikrofon sein, oft tut es auch ein günstigeres Modell. Der Markt bietet eine Vielzahl an Vokalmikrofonen. Es braucht also schon etwas Experimentierfreude, um das beste Modell für Ihre Stimme zu finden. Entscheidend ist, dass das Klangbild des Mikrofons zu Ihrer Stimme passt und Sie sich beim Singen wohl fühlen. Hier hilft nur Ausprobieren. Wichtig ist, dass Sie die Mikrofone über eine Anlage testen, die den gewohnten Beschallungsbedingungen in Ihrem Proberaum einigermaßen entspricht.

Damit Sie Ihr persönliches Testfeld von vorne herein eingrenzen können, sollten Sie einige technische Details beachten: Die meisten Vokalmikrofone haben eine dynamische Kapsel. Sie sind etwas träger als Kondensatormikrofone und geben deshalb die hohen Frequenzen und die impulshaften Einschwingvorgänge nicht so sauber wieder. Dafür sind sie etwas unempfindlicher gegen Rückkopplungen. Dank einer sehr leichten Membran werden die Ober­töne von Kondensatormikrofonen sehr genau übertragen. Wenn Sie auf die originalgetreue Übertragung Ihrer Stimme auf das PA-System Wert legen, dann sind Sie mit diesem Mikrofontyp gut beraten.
Je nach Anwendung, Musikstil und Geschmack wird man unterschiedliche Gewichtung auf den Klang eines Mikrofons legen: Es gibt Bühnenmikrofone, die an einer neutralen Übertragung wie im Studio orientiert sind, andere färben den Klang. Das Beyerdynamic TG V90r z.B. bildet die Stimme weich und voluminös ab und eignet sich deshalb für die melodische Stimme, die mit voluminösem Klang auf die PA übertragen werden soll. Der Rock-Sänger, der sich gegen Gitarrenwände und Drumset durchsetzen muss, ist mit einem dynamischen Modell wie dem Shure SM 58, besser beraten.

Kondensator­mikrofone, wie das KMS 105 von Neumann, geben die Stimme eher so wieder, wie es auch ein Studiomodell machen würde. Wer sich stimmlich gegen starke Instru­mente durchsetzen muss, ist auf der Bühne mit Mikrofonen gut beraten, die den Präsenzbereich der Stimme zwischen 2 und 7 kHz gezielt anheben. Hier müssen Sie nicht erst am Mischpult schrauben, um die Stimme weit nach vorne zu bringen. Viele dynamische Modelle heben systembedingt diesen Mittenbereich an.

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